Ebersdorf —  In der Ausgabe vom 12. Januar berichtete unsere Zeitung im Rahmen der "Kunst am Bau"-Serie nicht nur über das abstrakte Fiberglas-Wandrelief in der Sport- und Kulturhalle, sondern auch über das Mosaik am Schlauchturm des örtlichen Feuerwehrhauses. Leider lagen der Kreisheimatpflege zu diesem Kunstwerk aus den 1960er Jahren keine näheren Infos vor. Kreisheimatpfleger Robert Wachter vermutete, dass für die Gestaltung des charakteristischen Mosaiks Hubert Weber - bekannt als "Maler ohne Hände" - verantwortlich zeichnet. Mit dieser Einschätzung lag er richtig, wie nun der Leser Bernd König aus Ebersdorf bestätigte.

"Von meinem Vater, der viele Jahre im Gemeinderat und davon einige Jahre als Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Ebersdorf tätig war, weiß ich, dass es sich bei dem Künstler um einen Mann ,ohne Hände' handelte. Das hat mich schon damals unfassbar beeindruckt und blieb mir in Erinnerung. In den vielen Jahren haben wir darüber auch öfters mal anerkennend gesprochen", erzählt Bernd König. Aus der gleichen Quelle ist ihm auch bekannt, dass das Kunstwerk nicht - wie man es vielleicht interpretieren könnte - eine Brandlöschung darstellt. Vielmehr soll es die vier Elemente symbolisieren: Feuer, Wasser, Erde und Luft. "Die Frage, warum nur drei Elemente zu sehen sind, beantwortet sich damit, dass Luft nicht sichtbar ist", so der Ebersdorfer weiter.

In der Wirtschaftswunderzeit - gerade in den 1950/1960er Jahren - herrschte ein reger Bauboom an öffentlichen Gebäuden, so auch im Landkreis Kronach. Wie bereits berichtet, war zu jener Zeit - gesetzlich sogar geregelt - bei allen neuen öffentlichen Bauaufträgen ein bestimmter Prozentsatz der Bausumme für "Kunst am Bau" auszugeben. Viele von ihnen hat Hubert Weber (1920 - 2013) aus Lichtenfels mit baufester Kunst bereichert, so auch - wie jetzt feststeht - das in der Tat sehr beeindruckende Mosaik am Ebersdorfer Feuerwehrhaus.

Geboren in Bad Staffelstein, hatte Weber 1941 im Zweiten Weltkrieg auf dem Weg zu einem Fronteinsatz bei einem Unfall beide Hände verloren. Der bedeutende Chirurg Prof. Ferdinand Sauerbruch operierte ihn mehrmals und gab ihm neue Bewegungsmöglichkeiten mit eigens entwickelten Handprothesen zurück. Sauerbruch war es auch, der sein künstlerisches Talent entdeckte und förderte. Weber studierte an verschiedenen Akademien der Bildenden Künste und startete eine erfolgreiche Karriere als Künstler und Bildhauer. Dabei gestaltete er Kirchen, Schulen, Kliniken und öffentliche Gebäude; schuf Brunnen, Skulpturen und Betonglasfenster.

Die "Sparer-Familie" in Kronach

Im Landkreis Kronach hat er in den 1960ern ein großes Wandgemälde für die Berufsschule gestaltet und sowohl die Schulen in Gehülz-Breitenloh als auch in Windheim mit Wandgemälden versehen. Auch das Sgraffito der "Sparer-Familie" an der ehemaligen Sparkassen-Hauptstelle am Kronacher Bahnhof aus den 1950ern stammt von ihm. Weiter schuf er in den 1960er Jahren die Betonglasfenster der Kirchen "St. Heinrich" Steinbach/Wald und "St. Marien" Hirschfeld sowie das Landkreis-Wappen am Landratsamt. Am Kronacher Marienplatz - am Treppenaufgang vom Stadtpark hoch zur Stadtpfarrkirche - fertigte er 1990 die Bronzefigur von Johann Kaspar Zeuß.