Üblicherweise alle 20 Jahre müssen bayerische Kommunen im Rahmen der Umweltschutzgesetze einen neuen Generalentwässerungsplan (GEP) beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt einreichen. Dieser weist zum einen nach, dass die Mischwasserentsorgung den gesetzlichen Auflagen entspricht. Zum anderen ist er abwassertechnischer Rahmenplan für künftige Detailprojekte der Gemeinde. Denn Meteorologen rechnen künftig mit mehr Extremwetter. Dazu gehören auch Starkregenereignisse.

Die Abwasserentsorgung kostet bekanntlich Geld – und das nicht wenig, wie der neue Generalentwässerungsplan der Stadt Herzogenaurach zeigt. Millionen wurden investiert, darunter in den Neubau von Regenüberläufen und den Ausbau von Regenwasserkanälen sowie ins Kanalnetz insgesamt. Bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstagabend gaben dazu Bürgermeister German Hacker ( SPD ) und Christian Bendler, Sachgebietsleiter für Tiefbau im Bauamt , einen Sachstandsbericht.

Ein langwieriges Verfahren

Aktuell hat die Stadt das komplette Kanalnetz nach geltenden Vorgaben geprüft und der Generalentwässerungsplan wurde vom Landratsamt Erlangen-Höchstadt genehmigt. Wie Bendler erläuterte, wurde im Rahmen dieses Verfahrens, das noch in der Ära des ehemaligen Bauamtsleiters Gerhard Merkel begann, neben den Fachbehörden wie Wasserwirtschaftsamt und Fischereiverband auch die Öffentlichkeit beteiligt. Dabei wurden alle eingegangenen Stellungnahmen und Anfragen detailliert geprüft und bearbeitet. Die Genehmigungsfähigkeit jedes Einzelobjektes wurde im Vorfeld mit dem Landratsamt abgestimmt. „Wir konnten nahezu alle Auflagen erfüllen und bleiben weiterhin am Ball“, erklärte Bendler dem Gremium.

So habe die Stadt für 22 Mischwasserentlastungsanlagen nun einen aktuellen Bescheid in Form einer gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis erhalten. Alle beschiedenen Anlagen haben eine Genehmigung für die nächsten 20 Jahre bekommen. Die Einleitstellen liegen an der Mittleren Aurach, dem Welkenbach, dem Schleifmühlbach, dem Bimbachgraben sowie auch am Bimbach.

Auf Nachfrage von Retta Müller-Schimmel (Grüne) zur langen Verfahrensdauer verwiesen Bendler und der Bürgermeister auf die beteiligten Behörden und Ämter sowie die vielen Abstimmungsgespräche und die genauen Prüfungen, die eben sehr zeitintensiv seien. Die Stadträtin würde sich wünschen, dass mehr Regenwasser der Versickerung zugeführt werden sollte.

„Wo es möglich ist, wird das auch getan, so zum Beispiel auf der Herzo Base, unserem größten Baugebiet, aber der fränkische Boden ist halt nicht sehr versickerungsfreudig“, sagte der Bürgermeister dazu. Auch zur Frage von Retta Müller-Schimmel, ob man sich jetzt die nächsten 20 Jahre zurücklehnen könne, hatten Bendler und der Bürgermeister eine Antwort.

Denn die Baumaßnahmen, die sich jetzt aus dem Generalentwässerungsplan als noch notwendig ergeben, befinden sich bereits in der Planung. Diese werden Zug um Zug in den zuständigen Ausschüssen behandelt und die Kosten im Haushalt eingestellt. Bis 2024 und 2026 müssen noch umgesetzt werden: Sanierung des Regenüberlaufbeckens 10 Beutelsdorf, der Auftrag ist bereits vergeben. Dann folgen noch die Sanierung des Regenrückhaltebeckens in Hammerbach und des Stauraumkanals in Niederndorf Nord mit Regenrückhaltebecken.

„Auch im Sinne des Umweltschutzes möchten wir darlegen und unterstreichen, dass die Stadt ihren Pflichtaufgaben nachkommt und die Entwässerungsanlagen auf dem jeweiligen Stand der Technik hält. Die Extremwetterfaktoren spiegeln sich auch in den technischen Vorgaben wider, weshalb auch in Zukunft weiterhin Handlungsbedarf gegeben sein wird“, erklärt der Bürgermeister abschließend.

Neue Halle für die Kläranlage

Der Haupt- und Finanzausschuss fasste auch einen Empfehlungsbeschluss für die nächste Sitzung des Stadtrates zur Errichtung einer Maschinen- und Gerätehalle an der Kläranlage . Der Stadtrat hat sich in einer früheren Sitzung bereits für die Trocknung des Klärschlamms entschieden. Damit entfällt der teure Abtransport des nassen und damit auch schweren Klärschlamms. Etwa 1800 Tonnen sollen jährlich getrocknet werden. Der getrocknete Klärschlamm soll in Pellets gepresst und zur Weiterverwertung zwischengelagert werden.

Für die Errichtung der Klärschlammtrocknungsanlage ist der Neubau einer Maschinenhalle erforderlich. Zusätzlich können in der Halle noch ein Fahrzeug sowie Geräte (z. B. mobile Pumpe) frostsicher untergestellt werden. In der Halle könnten zukünftig weitere technische Einrichtungen (z. B. für ein Pyrolyseverfahren) direkt neben der Trocknungsanlage untergebracht und installiert werden. Der Platz für diese Technik in der vorgesehenen Anlagengröße stehe aber derzeit nicht zur Verfügung. In der Ausschreibung war neben der Halle selbst noch teilweise die Entflechtung der Regenwasserleitungen sowie die Anpassung der Zufahrt für den späteren Betrieb der Trocknungsanlage mit beinhaltet.

Die Firma Raab aus Ebensfeld gab mit knapp 540 000 Euro das günstigste Angebot ab, liegt aber 11,7 Prozent über der Kostenberechnung. Das Gremium billigte das Angebot dennoch ohne Diskussion.