Waldkindergarten macht dicht

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Nach dem Abzug des Waldkindergartens Wichtelglück ist auf dem Gelände in Höchstadt-Süd Ruhe eingekehrt. Die Stadt sucht jetzt nach einer Lösung, um den großen Bauwagen und das Tipi wieder zu beleben. Andreas Dorsch
Nach dem Abzug des Waldkindergartens Wichtelglück ist auf dem Gelände in Höchstadt-Süd Ruhe eingekehrt. Die Stadt sucht jetzt nach einer Lösung, um den großen Bauwagen und das Tipi wieder zu beleben. Andreas Dorsch
Der Waldkindergarten „Wichtelglück“ heißt aktuell niemand mehr willkommen.
Der Waldkindergarten „Wichtelglück“ heißt aktuell niemand mehr willkommen.
 

Wichtelglück gibt den Standort Höchstadt-Süd auf – Konkrete Gründe nennen die Betreiber nicht

„Willkommen im Wichtelglück“ prangt über dem Eingang zum Waldkindergarten in Höchstadt-Süd. Doch seit Beginn der Sommerferien wurde auf dem idyllischen, mit Hackschnitzeln ausgelegten, schattigen Gelände niemand mehr willkommen geheißen. Zum 1. September sollte der Betrieb wieder starten, doch die Betreiber haben den Kindergarten dicht gemacht.

Die gemeinnützige Unternehmergesellschaft Wichtelglück mit Sitz in Schornweisach hat in den vergangenen Jahren auch Kinder im Wald in Höchstadt-Süd betreut. Wie Sandra Besold, eine der Geschäftsführerinnen der haftungsbeschränkten Gesellschaft, auf Anfrage mitteilt, habe man sich „nach sorgfältiger Prüfung“ entschieden, den Kindergarten in Höchstadt nicht weiterzuführen. Dafür habe es „keinen ausschlaggebenden Grund, sondern mehrere Faktoren“ gegeben.

Besold nennt die demografische Entwicklung, den veränderten Betreuungsbedarf und die besonderen Anforderungen eines Waldstandortes.

Der Platz am Waldrand in Höchstadt-Süd sei natürlich „regelmäßig fachlich kontrolliert worden“. Waldpädagogische Arbeit finde jedoch nicht ausschließlich auf einem festen Platz statt, sondern lebe davon, mit den Kindern auch im umliegenden Wald unterwegs zu sein, schreibt die Geschäftsführerin . Auch diese Rahmenbedingungen hätten sich in den letzten Jahren verändert.

Ob darunter auch Höchstadt gelitten hat, wird nicht explizit erwähnt. Wichtig sei der Gesellschaft allerdings, mitzuteilen, dass die Entscheidung „keinen grundsätzlichen Rückzug aus der Waldpädagogik“ bedeute, sondern lediglich den Standort Höchstadt betreffe.

Im Internet ist die offizielle Homepage des Höchstadter Wichtelglück-Kindergartens nicht mehr erreichbar. Dafür werde „die gute und positive Entwicklung und die pädagogische Arbeit an den anderen Standorten “ weitergeführt, teilt Sandra Besold mit. Laut Homepage der Gesellschaft betreibt Wichtelglück noch weitere Waldkindergärten in Vestenbergsgreuth, Neustadt, Bad Windsheim und Oberstdorf.

Das Aus für Höchstadt sei der Geschäftsführung nicht leichtgefallen. Mit dem Standort , den Kindern und den Familien sei man sehr verbunden gewesen. Besold: „Letztlich haben wir verschiedene pädagogische, organisatorische und strukturelle Entwicklungen gemeinsam betrachtet und daraus die Entscheidung für die weitere Ausrichtung unseres Trägers getroffen.“ Woran es in Höchstadt konkret gelegen haben könnte, darauf wollte Wichtelglück-Geschäftsführerin Besold nicht näher eingehen.

Bürgermeister Alexander Schulz ( CSU ) wurde von der Einstellung des Betriebs im Waldkindergarten völlig überrascht, haben die Betreiber doch eigentlich mit der Stadt noch einen Vertrag. Höchstadt hatte in den Waldkindergarten auch Zehntausende Euro investiert. Dem Betreiber wurde das Gelände aufbereitet und im März 2023 ein neuer großer Bauwagen als Unterschlupf für den Notfall und Rückzugsort angeschafft. Ursprünglich wollte die Stadt für die Kinder sogar zwei Bauwagen aufstellen, dem Landratsamt waren aber zwei solcher Wagen im Wald zu viel. Genehmigt wurde als Ersatz dafür ein Tipi, ein Art Indianerzelt.

Unterstützung gab es für die rund 20 Kinder im Wichtelglück im Laufe der Jahre von verschiedensten Seiten – wie beispielsweise die 500-Euro-Spende von der Theatergruppe des Heimatvereins im vergangenen Jahr. Mit dem Geld sollten Werkzeug für die Kinder und Bücher angeschafft werden.

Wie es jetzt mit dem Areal und der Einrichtung des Waldkindergartens in Höchstadt-Süd weitergeht, ist noch völlig offen. „Wir suchen nach einer Lösung, um die Anlage wieder zu aktivieren“, sagt Bürgermeister Schulz. Zur Frage, wo die bisher in Höchstadt-Süd untergebrachten Kinder geblieben sind, teilt Sandra Besold mit, dass sich „die große Mehrheit der Familien dafür entschieden hat, ihre Kinder weiterhin in einer Wichtelglück-Einrichtung betreuen zu lassen“. Der Rest soll in anderen Kindergärten der Stadt untergekommen sein.