Mit den Bräuchen in seiner direkten Umgebung hat sich Hauptlehrer Michael Stadter aus Hammerbach (1878 bis 1934) beschäftigt. Auch über die sogenannten zwölf Nächte, die Raunächte, hat er einiges zusammengetragen.

Zu seiner Zeit waren auf dem Bauerndorf die Gebräuche und Sitten während der zwölf heiligen Nächte, das heißt den zwölf Tagen und Nächten von Weihnachten bis Dreikönig, noch tief verwurzelt. Um die Zeit „zwischen den Jahren“ rankt sich ein ganzer Kranz von Brauchtum .

Wie an den zwölf Tagen das Wetter ist, so wird es während der zwölf Monate im kommenden Jahr, waren die Menschen früher der Überzeugung. So stellte man zwölf Zwiebelschalen mit etwas Salz auf. Je nachdem, ob das Salz in den einzelnen Schalen zerfloss oder trocken blieb, so wurde das Wetter während der zwölf Monate – regnerisch oder trocken.

In dieser Zeit zu backen war nicht ratsam, weil sonst das Brot das ganze Jahr nicht ausreichen würde. Deshalb musste sich die sorgende Bäuerin rechtzeitig mit „Bäcket-Brot“ versehen. Wer es wagte, sich während der zwölf Nächte auf den Tisch zu setzen, sollte schmerzhafte Geschwüre (Furunkel) am „Hintern“ bekommen. Diese Drohung galt insbesondere dem kleinen Rangen und half meistens nur ein Mal. Sie vertrieb ihn sofort vom Tisch, unwillkürlich ängstlich untersuchend, ob nicht schon an bewusster Stelle ein „Hüppel“ zu spüren war. Bald wurde der Kleine ungläubig und begegnete der Drohung mit einem schalkhaften Lächeln.

Süße Träume

Die Träume sollten recht süß und glücklich in den zwölf Nächten sein. Denn nach der Meinung alter Leute gingen diese Träume in Erfüllung. Wer während dieser heiligen Zeit flickte und sich in die Hand stach, bekam das ganze Jahr eine böse Hand, und wer sein Bett abzog, musste sicherlich im kommenden Jahr noch einem Stück Vieh die Haut abziehen, so die Meinung. Wer gar wusch und Wäsche zum Trocknen aufhängte, hängte noch im kommenden Jahr eine Viehhaut auf. In einigen Familien wurden die Wäscheleinen abgenommen, damit niemand auch nur die Möglichkeit hatte, Wäsche aufzuhängen.

Wenn die Kuh kalbt

Kalbte eine Kuh, so durfte der Bauer drei Tage nichts verleihen, selbst an den eigenen Bruder nicht, auch wenn die dringendste Notwendigkeit bestand. Wer während der zwölf heiligen Nächte seine Stiefel schmierte, der sorgte für den Schuhmacher: Denn da zersprang das Leder.

Auf ein gutes Erntejahr ließ eine helle Christmette hoffen: Christmette hell und klar – deutet auf ein gutes Jahr. Helle Mette – dunkle (volle) Scheunen. Starker Wind und Raureif in dieser Zeit bedeuteten ein gutes Obstjahr.

Wenn sich beim Backen während der zwölf Nächte der Rauch auf das Haus schlug, so sollte es in diesem Jahr noch abbrennen, so der Volksglaube. Wer während dieser heiligen Zeit in den Wald ging und eine „Butzelkuh“ (Tannen- oder Kiefernzapfen) aufhob, würde später von einem umfallenden Baum erschlagen werden. Ging der Bauer aber in dieser Zeit in seinen Obstgarten und schüttelte seine Bäume oder rührte sie nur an, so bekam er zur Strafe keine Frucht.

Vermutlich gab es ähnliche Bräuche in der ganzen Umgebung, die aber ganz gewiss denselben Sinn und dieselbe Bedeutung haben wie die erwähnten, nämlich alles abzuhalten und zu unterlassen, was die würdige Feier des herzinnigen Geburtsfestes des Heilandes beeinträchtigen könnte. Selbstverständlich traf die Strafe immer nur die Frevler, den Vermessenen, der aus grober Unverfrorenheit die heiligen Festzeiten frech missachtete.