Der Turm der Münchauracher Klosterkirche, der derzeit bis unter Spitze wegen Instandhaltungsarbeiten von einem massiven Gerüst umhüllt ist, diente am Wochenende den Feuerwehren aus der Umgebung als Übungsgelände. Wie Sebastian Weber vom Kreisfeuerwehrverband berichtet, wurde folgende Lage angenommen: hilflose Personen auf dem Gerüst in knapp 24 Metern Höhe.

Als die örtliche Feuerwehr Münchaurach anrückte, wurde die Lage erkundet. In Rufweite entdeckte man insgesamt drei Personen auf Höhe der Kirchturmuhr, die nicht mehr selbstständig hinabsteigen konnten. Eine Person hat sich verletzt und sei nicht mehr gehfähig, hieß es. Der Einsatzleiter und Kommandant der Wehr, Jürgen Zorn, leitete erste Maßnahmen zur Rettung ein.

Über 100 Stufen

Sofort machte sich die Mannschaft mit Feuerwehrleinen zur Sicherung auf den Weg über die Gerüsttreppen nach oben. Über 100 Stufen mussten überwunden werden, um die Bedürftigen zu erreichen. Dort angekommen kümmerte man sich um die verletzte Person, weitere wurden gesichert und betreut. Schnell war klar, dass die verletzte Person nicht ohne technische Hilfsmittel nach unten gebracht werden konnte. Neben einer Drehleiter mit einer Rettungshöhe von maximal 23 Metern stehen dafür speziell ausgebildete Höhenretter zur Verfügung, die bei Bedarf im Landkreis in der Regel von den Berufsfeuerwehren Fürth oder Nürnberg gestellt werden. Aber auch die Werkfeuerwehr Schaeffler aus Herzogenaurach hat solche Spezialkräfte, die in die Übung eingebunden wurden.

Ausgerüstet mit über 30 Kilogramm an Rettungs- und Sicherungsmaterial in Form von Seilen und Gurten am Körper machte sich die Truppe über die Gerüsttreppen auf den Weg zu den bedürftigen Personen in 24 Metern Höhe. Oben angekommen erkundeten die Höhenretter die Gegebenheiten und die Möglichkeiten der sicheren Rettung des Verletzten. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen standen an. Die verletzte Person war bis dahin bereits medizinisch versorgt und für den Transport stabilisiert. Vorbereitungen in einer speziellen Rettungstrage wurden getroffen, um später den Patienten sicher zu Boden bringen zu können.

Nach gut 20 Minuten der Vorbereitung mit Seilen, Karabinern und Gurten hing bereits ein Betreuer in den Seilen. Außerhalb des Gerüsts wurde die Trage samt Patienten und dem Betreuer über die Brüstung geschoben. Am Boden standen zwei Feuerwehrleute , die mit einer Leine zur Trage verbunden waren. Dies diente dazu, dass sich der Retter samt Patienten in der Balance hält und beim Abseilen nicht verdreht. Professionell und sicher erfolgte die aufwendige Rettung, berichtet Weber.

Zur Erweiterung des Übungsgeschehens nahm man in der Zwischenzeit noch an, dass die Personen in luftiger Höhe auch einen Kleinbrand verursachten. Auf Grund der Wetterverhältnisse wurde das Feuer durch den Wind weiter angefacht, sodass eine Brandbekämpfung nötig wurde. Die Besatzung des Löschfahrzeugs sorgte für einen Löschwasseraufbau. Die Schlauchleitung musste bis nach oben gelegt und gesichert werden. Die Fahrzeugpumpe beförderte das Löschwasser teils senkrecht nach oben, wo das angenommene Feuer rasch gelöscht werden konnte. red