Die Veganer werden immer mehr, Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälbchen immer weniger: Rund 11,30 Millionen Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälbchen standen im November 2020 in den Ställen und auf der Weide von Flensburg bis Berchtesgaden. Das sind rund 338 000 weniger als ein Jahr vorher. Im Kreis Erlangen-Höchstadt geht die Rinderhaltung ebenfalls zurück: aktuell werden 9321 Tiere gehalten, 230 weniger als vor einem Jahr. Den härtesten Klimaaktivisten wäre ein „Kuh-Limit“ von null am liebsten: Kühe werden als klimaschädlich eingestuft. Zitat: „Alle wissen um die verheerende Klimabilanz der Fleischproduktion.14 Prozent trägt der Sektor derzeit zu den klimaschädlichen Gasen bei“, rechnet Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung vor. Die parteinahe Stiftung von Bündnis 90/Die Grünen hat den Fleischatlas 2021 herausgegeben.

Erfolgsgeschichte über 15 000 Jahre

Die Kuh als Umweltteufel ist ein Ergebnis der Klimaschutzdebatte. Gut, das Tier hat Hörner und Hufe, aber die letzten 15 000 Jahre mit Kühen im Haus und auf der Weide war die Stimmung ihnen gegenüber meist positiv: Da waren Kuh und Rind eher Engel, weil sowas von nachhaltig und wichtig fürs Überleben der Menschen. Knapp 9,81 Kilo Rindfleisch aß der Mensch 2020 pro Kopf, sagen die Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Vegetarier und Veganer sind da eingeschlossen, da keiner ihre genaue Zahl kennt, werden die Schlachtungen auf die Gesamtbevölkerung umgerechnet. Dazu kommen weitere 4,5 Kilo Rind pro Kopf, die anderweitig verwendet werden. Beispielsweise als Gelatine für Gummibärchen, für Hundefutter oder als Leder für Schuhe oder für Sofas, für Seife, Kerzen, Salben.

Kurz: Das Rind ist nicht nur zum Essen da, es kann nach der Schlachtung komplett verwertet werden. Und es liefert schon vor der Schlachtung Nahrung: Milch. Zum 3. November des vergangenen Jahres gab es im Kreis Erlangen-Höchstadt 9321 Rinder, von denen sind 3630 Milchkühe waren.

Kritik an der Fleischindustrie

Kuh-Kritiker, wie die Heinrich-Böll-Stiftung oder die Deutsche Umwelthilfe , nehmen gerne die Fleischindustrie aufs Korn, nicht den Bauern an sich. Die Böll-Stiftung sieht Erfolge bei der Jugend: „Weniger Fleisch , mehr Future.“ Im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung ernähren sich doppelt so viele 15- bis 29-Jährige vegetarisch oder vegan . Für viele junge Erwachsene ist der Verzicht auf Fleisch ein politisches Statement. Ob das lokal auf die Rinderbestände durchschlägt? Im Kreis Erlangen-Höchstadt sah die Rinderentwicklung der vergangenen fünf Jahre so aus: 2015 registrierten die Statistiker hier einen Bestand von 10 466 Rindern (Milchkühe: 4044). Zwölf Monate später waren es 10 342 Rinder (Milchkühe: 4110). Im Jahr darauf notierte die Statistik 10 295 Rinder (Milchkühe: 4090), zum Stichtag 2018 waren es 9853 Rinder (Milchkühe: 3950), zum Stichtag 2019 dann 9551 Rinder (Milchkühe: 3761) und im vergangenen November nun 9321 Rinder (Milchkühe: 3630).

Zucht, Milch oder Mast

Wer als Landwirt mit Kuh und Rind seinen Lebensunterhalt verdienen will, hat im Grunde drei Möglichkeiten: Zuchtvieh, Milchvieh und Mastvieh. Gut koppeln lassen sich Milcherzeugung und Fleischproduktion. Die 3630 Milchkühe in den Ställen in unserem Bereich machen dabei momentan rund 38,9 Prozent des gesamten Rinderbestands aus (2015: 38,6 Prozent). Deutschlandweit kletterte dieser Anteil in den vergangenen fünf Jahren von 33,9 (2015) auf 34,7 Prozent (2020). Das heißt, auch kleine Bauern landen am Ende bei der “ Fleischindustrie “, wenn sie Tiere in Schlachthöfen schlachten lassen.

Ist das Steak auf dem Grill also ein Auslaufmodell? Im Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft, die die Bundesregierung eingesetzt hat, ist zu lesen: „Der verantwortungsvolle, abwechslungsreiche Genuss von Lebensmitteln ist Teil veränderter und stärker pflanzlich orientierter Ernährungsstile sowie einer modernen Kulinarik.“ Typischer Fall von Politsprech. Übersetzt: weniger Echt-Steak, mehr Schein-Fleisch aus Pflanzen. Und Fleisch von echten Rindern wird natürlich teurer. Wenn sich der Trend durchsetzt. teb/zds