Irgendwie hat die Idee ja durchaus Charme und liegt voll im Trend. Dieter Bohlen sucht Talente , um diese zu fördern und ihnen den Titel des deutschen Superstarts zu verleihen; Nachahmer gibt es auf allen Kanälen und das Format funktioniert offensichtlich weltweit. Warum sollte man auf diesen Weg nicht einen Bundestagsabgeordneten finden? In einer vermeintlichen Spaßgesellschaft kann man sicher viel probieren. Warum nicht mal vier Clowns, die einen Sarg am Friedhof singend absenken, statt der trögen, graugekleideten Totengräber? Oder warum nicht mal einen per Talentshow gesucht und gefundenen schrillen Teenager ein paar Tage als Chefchirurg in einer Klinik tätig werden lassen? Auch spaßhalber wäre die Suche nach einem talentfreien, aber mutigen Piloten für den A380 eine Möglichkeit. Voraussetzung: Hübsch muss er sein und Quax sollte er heißen. Kann man machen - muss man es auch?

Ganz ehrlich? Ja, die Vertreter der Partei sind (auch) ein Teil des Spiegelbildes der Gesellschaft und gehören damit auch in den politischen Diskurs und in die politischen Vertretungen. Ein Volk bekommt halt dann doch die Vertreter, die ihm zustehen. Und deswegen kotzt mich diese Spaßgesellschaft zuweilen an. Die etablierten Parteien machen sicher nicht alles richtig, aber bedarf es solcher Entwicklungen, die das verhöhnen, für das sie angeblich eintreten: die Demokratie . Vielleicht wäre das ja mal eine Idee.

Per Casting suchen wir uns die Staatsform, die wir oder eine Jury gerne hätte. Ich befürchte, dass man sich eine Staatsform wählt, bei diese Art des Spasses keinen Platz findet. Dann wird es sicher sehr ernst.