5800 Patienten hat der HNO-Arzt (Hals-Nase-Ohren-Arzt) Dr. Winfried Goertzen in den vergangenen 30 Jahren operiert. Allesamt als Belegarzt im Kreiskrankenhaus Sankt Anna. Landrat Alexander Tritthart , Chef des Landkreises und damit auch des Höchstadter Krankenhauses , zollte dem Höchstadter HNO-Arzt dafür besondere Anerkennung.

Ein ungewöhnliches Jubiläum, das Goertzen zum Anlass nahm zurückzublicken. Denn sowohl in der medizinischen Praxis als auch im Höchstadter Krankenhaus hat sich in drei Jahrzehnten viel verändert. Die Sanierungen des Kreiskrankenhauses habe er Anfang der 1990er Jahre bis zur letzten Erneuerung vor etwa drei Jahren miterlebt, erzählt der Arzt .

Seinen Vertrag als Belegarzt habe er noch mit dem damaligen Landrat Franz Krug abgeschlossen. Das Belegarzt-System ist laut Goertzen „ein sehr effizientes“, das kostengünstigste überhaupt. „Ich zahle dem Krankenhaus nichts und das Krankenhaus zahlt mir nichts.“

Seine Patienten beginnen beim Kleinkind von zwei Jahren und reichen bis ins Seniorenalter . Wobei Polypen- und Mandel-OPs von Kindern stark nachgelassen hätten. Nicht nur weil es weniger Kinder gebe, sondern auch, weil heute andere Methoden angewendet werden. Seien die Operationen früher ziemlich unangenehm gewesen, könne heute unter Einsatz moderner Diagnostik sehr viel schonender operiert werden. Hingegen nehme die Nebenhöhlenchirurgie immer mehr zu. „Eine Volkskrankheit “, wie Goertzen feststellt. Die Ursache sei wohl in der zunehmenden Umweltverschmutzung mit Dämpfen, Abgasen und Feinstaub zu suchen.

Ja, er schaue bei Begegnungen durchaus auf Nase und Ohren seines Gegenübers, sagt Dr. Winfried Goertzen. Abstehende Ohren habe er bei Kindern früher häufig operiert. Damals hätten die Krankenkassen diese Behandlung bezahlt. Seit die Kosten nicht mehr übernommen werden, würden sehr viel weniger Ohren angelegt.

„Früher kamen die Patienten schon mal mit dem Traktor in die Praxis“, erinnert sich Dr. Goertzen. „Ein Bauer brachte mir immer Täubchen mit.“

Da gibt es natürlich auch lustige Anekdoten. „Eine Bäuerin kam mit einer schiefen Nase zu mir. Die Kuh hatte sie getreten.“ Den Arztbesuch hatte sie jedoch zu lange aufgeschoben: „Um einen Nasenbruch zu richten, hat man nur zwei Tage Zeit.“ Von einer Operation wollte die gute Frau jedoch nichts wissen. Zwei Jahre später sei sie wieder in die Praxis gekommen: „Wieder war’s die Kuh.“ Diesmal jedoch von der anderen Seite. „Die Nase war wieder gerade!“

Einmal habe er ein Kind operiert. „Alles war gut. Das Kind war auf dem Weg in den Aufwachraum.“ Da sei der Vater dazu gekommen und in Ohnmacht gefallen. Auf dem harten Boden habe er sich die Nase gebrochen. „Noch am Boden liegend, konnte ich ihm die Nase wieder einrichten. Er war noch halb bewusstlos, so dass es ihm nicht weh getan hat.“

Überhaupt nicht lustig war hingegen die Zeit des Lockdowns. „Das war ein totaler Einbruch“, sagt Goertzen. Die Praxis sei zwar immer geöffnet gewesen. Die Patienten seien aber aus Angst vor Ansteckung ausgeblieben. Wobei die Ansteckungsgefahr im Supermarkt seiner Meinung nach wesentlich höher war als in der Arztpraxis , in der streng auf Hygiene geachtet werde. Die Ärzte auf dem Land hätten dies weniger zu spüren bekommen als die Kollegen in der Stadt. Während des Lockdowns habe er nicht operieren dürfen. „Alle planbaren Eingriffe mussten aufgeschoben werden.“

Drei Landräte und etliche Krankenhauschefs hat Goertzen in den 30 Jahren erlebt. Die Zusammenarbeit und das Verhältnis zum Krankenhaus- und Pflegepersonal seien immer gut gewesen. Er habe sich in seiner Zeit als Stadtrat und als Kreisrat im Krankenhausausschuss immer dafür eingesetzt, dass das Kreiskrankenhaus „am Leben erhalten wird“.