Am vergangenen Sonntagabend klang die lokale Kirchweih mit einem großen Erfolg aus, obwohl es sie eigentlich überhaupt nicht gab. Feste , auch die traditionellen Kerwafeiern, sind in Bayern noch wegen Covid-19 verboten. Der Biergartenbetrieb ist dagegen erlaubt, wenn auch mit Corona-Vorschriften. Trotz allen Verboten feierte man hier am Wochenende Kerwa, fast genau wie in Vor-Corona-Zeiten.

In einem normalen Jahr fängt die Pretzdorf-Hombeer-Kerwa am Freitagabend im Biergarten „Anno 1909“ in Hombeer an, und das Fest läuft dann bis Sonntagabend, unterbrochen nur durch den Kerwagottesdienst am Sonntagvormittag in Pretzdorfs Katharinenkirche. Heuer ist es auch zum größten Teil wie gewohnt gelaufen. Offiziell eröffnete der Kleinweisacher Pfarrer George Salzbrenner die Kerwa am Sonntag um 9.30 Uhr in Pretzdorfs Kirche , und eine Stunde später war die Feier offiziell schon vorbei.

Bloß keine „schwarze Kerwa“

Trotzdem lief die Kerwa, die eigentlich keine war, ungebremst in Hombeer weiter. Biergartenwirt Uwe Brendel aus Markt Taschendorf hat viel unternommen, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass bei ihm eine „schwarze Kerwa“ stattfindet. Sein Betrieb lief eigentlich wie an jedem anderen Wochenende. Auf keiner Kreidetafel und auch auf keinem Blatt Papier im Biergarten fand man die Begriffe „Kerwa“, „ Kirchweih “ oder „ Fest “. Kerwamusikanten waren auch nicht zu hören. Keine Kerwawerbung oder Ankündigungen erschienen im Voraus.

Trotzdem kamen schon am Freitagabend viele Kerwalustigen aus Nachbardörfern in den Biergarten, um die nicht stattfindende Kerwa zu feiern. Am Sonntag nach dem Gottesdienst in Pretzdorf fingen die traditionellen Kerwa-Familienfeiern mit Verwandten aus nah und fern an. Alles war wie gehabt, nur keine Kerwamusik.

Der furchtbare Borkenkäfer

Auch eine Kerwafichte stand am Rand des Biergartens. Man fragte beim Biergartenpersonal, was mit dem großen Kirchweihbaum los war, wenn keine Kerwa stattfindet. „Das hat nichts mit uns zu tun“, kam die Antwort einer Mitarbeiterin, die namenlos bleiben wollte. „Ich weiß nicht, wer das gemacht hat.“ Man stimmt zu, dass es schwer zu wissen sei, wer dahintersteckt, wenn einer bei Nacht und Nebel am helllichten Tag eine Kirchweihfichte aufstellt.

Aber genau dann kam ein lokaler Holzbauer zur Rettung der Dame. „Des is’ ka Kerwabam“, sagt er. „Des is’ a natirliche Ficht’n, die plötzli do g’wochsn is’.“ Und die Äste, die bis zur Baumkrone fehlen? „Borkenkäfer“, sagt der Waldbauer. „Der is’ furchtbar, der Käfer!“ Mark Oliva