Höchstadt/Adelsdorf — An viel Schlaf war für viele Familien in Höchstadt und in der Gemeinde Adelsdorf nicht zu denken. Das Hochwasser am Samstag hatte enorm viele Schäden angerichtet und manche Familien in Existenznöte gebracht.

In der Höchstadter Gerbergasse hat die außer Kontrolle geratene Aisch viel Kummer und Sorgen gebracht. Karina und Pierre Moi haben ihr Häuschen erst vor einem Jahr gekauft, liebevoll restauriert und waren bis Samstag glücklich und zufrieden. „Früh um 7 Uhr hat mein Mann noch Sand vom Bauhof geholt, um die Haustüre zu schützen. Aber das Wasser kam zu schnell und es sprudelte wie eine Fontäne herein“, erinnert sie sich. „Ich war erst starr vor Schreck und konnte mich einige Minuten nicht regen. Kurz darauf stand das Wasser kniehoch in der Wohnung. Nun stehen wir vor dem Nichts.“

Aber die spontane Nachbarschaftshilfe fand sie ergreifend. Auch wildfremde Menschen kamen und halfen mit. Zwölf Stunden schöpften alle gemeinsam das Wasser mit Eimern aus den Fenstern. Von morgens um 7 Uhr bis Nachmittag um 17 Uhr. „Ich war kniehoch im Wasser gestanden. Wohnzimmer, Küche, Büro, alle Möbel kaputt.“ Zum Glück sind die Schlafräume im Obergeschoss. Trotzdem hat die Familie bei Oma Friederike geschlafen. „Ich habe so etwa 50 Mal geweint, positiv wie negativ, denn so viel Hilfe ließ mich vor Dankbarkeit auch weinen“, so die junge Mutter .

Selbstlos

„Wir haben mit Abstand die besten Freunde der Welt, die so selbstverständlich und selbstlos helfen“, erklärt sie unter Tränen. Auch der Vorstand von der Musiggfabrigg, bei der Karina Moi ehrenamtlich tätig ist, war sofort herbeigeeilt und half und hilft immer noch kräftig mit. Er hat auch bereits eine Spendenaktion für die so schwer getroffene junge Familie gestartet (zu finden auf der FB-Seite der Musiggfabrigg). Die Nachbarn, Familie Witt, sind auch nur über einen Sandberg zu erreichen. „Ich bekam am Sonntagmorgen um 6.30 Uhr einen Anruf. Ich sollte schnell mein Auto, das schon etwas im Wasser stand, in Sicherheit bringen. Ich hab es dann zur Sparkasse gestellt“, erklärt Fabian Witt. Auch bei dieser Familie ist das Erdgeschoss völlig verwüstet . Wohnzimmer, Esszimmer, Küche – alles stand zehn Zentimeter unter Wasser .

Erst renoviert

„Wir haben letztes Jahr erst renoviert“, stöhnt Witt. Auch hier sind die Schlafräume oben. Der Schaden belaufe sich auf etwa 20 000 Euro. Auch ihnen halfen zum Teil wildfremde Leute. In beiden Häusern laufen nun die Trockner auf Hochtouren. Der Sand vor den Haustüren bleibt vorerst, denn man weiß ja nicht, ob das Hochwasser nochmal kommt. Ortswechsel: In Weppersdorf , einem Ortsteil von Adelsdorf, berichtet Johannes Grau: „Wir wurden am Samstagvormittag schon rechtzeitig von der Feuerwehr gewarnt und haben alles, was ging, hochgestellt.“ Um die Mittagszeit sei dann das Wasser gestiegen und gestiegen. Der Keller war bis zur Treppe zur Wohnung oben vollgelaufen. „Wir haben die ehemalige, über 200 Jahre alte Weppersdorfer Mühle, die nach dem Krieg als Flüchtlingswohnung umgebaut wurde, vor langer Zeit gekauft“, so der Hausherr. „Alles hatten wir umgebaut, die schöne Küche war fast neu. Alles futsch!“ Erst haben die Bewohner – wie auch Familie Amon in der anderen Haushälfte – versucht, den Schaden mit einem Nasssauger zu verringern. Das klappte nicht und so mussten die Feuerwehr und das THW anrücken. Beide Familien sitzen nun auf einem immensen Schaden und was die Versicherungen zahlen, weiß man nicht. Alle Hochwassergeschädigten müssen Bilder machen und möglichst viel so lassen, wie es ist, denn die Versicherung möchte Beweise sehen. Da aber viele Geschädigte ihr Haus in einem ausgewiesenen Hochwassergebiet haben, könnten sie Schwierigkeiten bekommen. „Gegen die Natur kann man nichts machen“, sagt Frau Grau deprimiert.