Es war eine eigenartige Stimmung für eine Konzertdarbietung. Die Atmosphäre der sonst so feierlich wirkenden Stadtpfarrkirche – nunmehr eingehüllt in die karge Dekoration der Passionszeit – passte zum Anlass des Konzertes . Denn: Wie ein Déjà-Vu erlebt der Initiator des Konzertes , der Höchstadter Orgelvirtuose Gabriel Konjaev, den Krieg in der Ukraine. Er selbst musste vor 30 Jahren in Luftschutzkellern den Krieg zwischen Abchasien und Georgien unter Einmischung Russlands erleben, mit wenigen Koffern auf der Flucht, mit Frau und zwei Kindern.

„Einfach nicht hilflos zusehen wollen, sondern Solidarität bekunden“, lautete der Grund für das von Konjaev organisierte Konzert . Der Maestro legte sich mächtig ins Zeug und stellte sein ganzes Können unter Beweis mit barocken und romantischen Werken gleichermaßen, von Bach, Pachelbel, Franck, Messiaen und Albinoni.

An der Seite Konjaevs wie immer seine Frau Irina als Registrierungsfachfrau. Und Reinhard Döring, der mit dem großen Choralvorspiel Bachs „O Mensch bewein Dein Sünde groß“ einen dem Niveau entsprechenden Beitrag leistete. Rektor Michael Ulbrich sang drei selbst komponierte Lieder und begleitete sich dabei am Klavier.

Einer der Songs stammte von der 1000-Jahr-Feier Höchstadts: „Only peace will do“. Zwei weitere Lieder aus einem seiner Musicals, das in der Zeit des 30-Jährigen Krieges spielt.

Gerade diese Stücke zeigten erschreckend auf, dass die Welt und die Machthaber der Menschen nichts aus der Vergangenheit lernen und stets neu bereit sind, Blut zu vergießen, Menschen ins Unheil zu treiben und Unschuldige im Krieg zu töten.

Emotionaler Höhepunkt eines geradezu musikalischen Hilfeschreies und Gebetes war dann der Beitrag der ukrainischen Künstlerin Maryna Pavlenko. Bewegend die Hingabe, mit der sie für ihr Volk spielte und betete. Großer Spontanapplaus für die junge geflüchtete Frau, die in Höchstadt bei Verwandten Aufnahme fand.

Stehender Applaus

Anschließend eine Schweigeminute für die unter dem Krieg leidenden Menschen und für die Opfer der Gewalt. Stadtpfarrer Kilian Kemmer überreichte der jungen Künstlerin Blumen in den Nationalfarben der Ukraine und lenkte durch seine verbindenden Worte den Blick auf den Kreuzweg des Jesus von Nazareth , dessen „Via dolorosa“ heute von Kiew über Charkiw bis nach Mariupol geht.

Zuletzt dann stehender Applaus von berührten Menschen, die mit den ebenfalls bewegten Künstlern am Schluss in die Bitte an Gott einstimmten: Gib uns Frieden jeden Tag. red