In Montabaur und Passau soll das umstrittene "Donaulied", das verharmlosend die Vergewaltigung eines Mädchens beschreibt, in den Bierzelten verstummen. Das sind die ersten Erfolge von Online-Petitionen gegen Sexismus auf Volksfesten .

42 Stadträte wollen Verbot

Nun ist Erlangen an der Reihe: Auf Initiative der grünen Fraktion beantragen 42 Stadträte, dass auf das Spielen des Donaulieds in allen Versionen und Fassungen grundsätzlich verzichtet wird. "Zusätzlich soll darauf geachtet werden, dass alle Lieder, deren Texte die Verherrlichung von Gewalt oder gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beinhalten, auf Volksfesten nicht gespielt werden", heißt es im fraktionsübergreifenden Antrag von CSU , SPD , Grünen, FWG, Klimaliste und Erlanger Linken.

So soll es auch in den Musikverträgen auf den Kirchweihen und ähnlichen Veranstaltungen festgeschrieben werden. "Das Donaulied normalisiert und verherrlicht sexualisierte Gewalt ", sagt Carla Ober, Grüne Sprecherin für Gleichstellung und Queerpolitik. Zwar gibt es inzwischen viele Varianten, beispielsweise wurde bei Mickie Krause die Vergewaltigung zum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr umgeschrieben, "doch auch jegliche Textveränderungen ändern nichts an dem Wesenscharakter des Donaulieds und der Assoziation mit der Vergewaltigungstextstelle", betont Andrea Winner, Grüne Sprecherin für Soziales.

Das Donaulied lasse sich nicht von diesem Textverständnis trennen. Unabhängig von der tatsächlich gespielten Version werde von vielen Feiernden die Vergewaltigungspassage mitgegrölt. Zum Schluss des gemeinsamen Antrags steht: " Sexismus und Gewaltverherrlichungen haben in Erlangen keinen Platz."

Passau geht voran

In Passau hat bereits eine erfolgreiche Unterschriftensammlung für eine Petition gegen das oft auf Volksfesten gespielte Donaulied stattgefunden. Im Liedtext heißt es: "Ich machte mich über die Schlafende her, sie hörte das Rauschen der Donau nicht mehr" und "Mein Mädchen , mein Mädchen , was regst du dich auf, für mich war es schön und für dich sicher auch". Das Lied wird seit Jahrzehnten in Bierzelten gesungen und wurde zahlreich umgetextet, so dass viele verschiedene Fassungen kursieren.

Auch in Montabaur verboten

Der Stadtrat in Montabaur ging ebenfalls mit gutem Vorbild voran und entschied, dass das Donaulied nicht mehr auf Veranstaltungen gespielt werden soll. Den Initiatoren sei zwar nicht bekannt, dass es in den vergangenen Jahren auf der Erlanger Bergkirchweih gespielt wurde, vorbeugend soll es aber auch auf allen weiteren Kirchweihen in Erlangen verboten werden.

Die Parteien beantragen daher, entsprechende Passagen in den Verträgen mit den Verantwortlichen der Brauereibetriebsgesellschaft, Kirchweihwirten und anderen Veranstaltern, die für Musikveranstaltungen in Erlangen verantwortlich sind, aufzunehmen. red