Zu Hochwasser am Main kommt es vor allem im Winter. Wenn zu einer plötzlichen Schneeschmelze im Einzugsgebiet, zum Beispiel Frankenwald und Fichtelgebirge, starker Dauerregen kommt. Dann schwellen die Pegel rapide und mächtig an. Zuletzt war das im schneereichen Winter 2010/11 so. In zwei Scheitelwellen, am 10. und am 15. Januar, stieg der Wasserstand bei Kemmern auf beinahe sieben Meter.

Seither hat der Klimawandel dem Main vor allem trockene Winter und Frühjahre beschert - und damit eher Niedrig- als Hochwasser. Macht also ein so aufwendiger Hochwasserschutz, wie er jetzt für Hallstadt und Kemmern entstehen soll, überhaupt noch Sinn? Ja, denn viele Wetterphänomene werden extremer. Und Sommer- oder Herbsthochwasser sind - nicht erst jetzt - auch am Main nicht ausgeschlossen.

Historisch belegt

Sie entstehen meist bei einer sogenannten Vb- (sprich: Fünf-B-) Wetterlage. Nämlich dann wenn ein starkes Mittelmeertief große Mengen Feuchtigkeit aus dem warmen Wasser zieht, und dann, sozusagen durch die Hintertür, um die Alpen herum nach Mitteleuropa transportiert. Zu massiven Hochwasserereignissen führte das unter anderem 1997 und 2010 an der Oder, 2002 an der Elbe sowie 2013 ganz extrem an der Donau.

Am Main, insbesondere am Obermain und im Einzugsbereich der Regnitz, kommen solche Hochwasser eher selten vor. Doch es gab auch hier sommerliche oder herbstliche Überschwemmungen. Die größte war das Magdalenenhochwasser im Juli 1342. Die wahrscheinlich gewaltigste und verheerendste Flutkatastrophe, die Mitteleuropa im gesamten 2. Jahrtausend heimsuchte, spülte auch am Main Hänge und Böden einfach weg. Die Spuren davon sind an den Hängen am Westufer des Mains, gegenüber von Kemmern, geografisch und archäologisch noch nachweisbar.