Als Bürgermeister Rolf Rosenbauer (CSU) zu Beginn der Gemeinderatssitzung durch die Reihen schaut, bleibt sein Blick beim gut gefüllten Zuschauerraum hängen. Alle Augen sind auf ihn gerichtet, und er hat eine Ahnung, warum das so ist: "Wenn ich in eure betroffenen Gesichter sehe, dann kann ich mir vorstellen, dass es euch um den Starkregen der letzten Tage geht."

Es ist nicht das erste Mal, dass starke Regenfälle der Gemeinde Untersiemau zugesetzt haben. Schon 2013 und 2018 haben andauernde Regenschauer Wasserschäden in der Gemeinde angerichtet. Das liegt vor allem daran, dass sich die Itz durch das Gemeindegebiet zieht. "Zur Itz fließen außerdem noch zahlreiche Bäche und Rinnsale", erklärte Bürgermeister Rosenbauer.

Nach dem Starkregen in den vergangenen Tagen seien diese Gewässer erneut angeschwollen und hätten Probleme verursacht. "Uns hat es noch lange nicht so schlimm getroffen wie die Menschen in Nordrhein-Westfalen und im Berchtesgadener Land - aber Handeln müssen wir trotzdem", betonte er. Der Regen habe die Gemeinde in diesem Jahr in Teilen zu einer "Seenlandschaft" verwandelt: In Birkach am Forst sei ein Spielplatz überschwemmt worden, in Stöppach habe es die Reithalle des Reitvereins schwer getroffen. Zwischen Stöppach und Haarth sei ein Flurweg so weit ausgespült worden, dass er neu angelegt werden müsse. Und in vielen Gemeindeteilen seien Keller von Privathaushalten unter Wasser gestanden.

Die Regenfälle der letzten Tage hätten aber auch etwas Tröstliches gehabt, sagte Rosenbauer: "Sie haben einmal mehr gezeigt, dass unsere Gemeinde zusammenhält." Als in Weißenbrunn am Forst ein Weideweg am Holzacker überschwemmt wurde, hätten die Anwohner mit vereinten Kräften selbst einen Graben gezogen, der das überschüssige Wasser aufnahm. In Scherneck hätte das beherzte Eingreifen von Bauarbeitern große Schäden verhindert: Als die Wassermassen in der Hirtengasse den Bauschotter mitgerissen hätten, hätten die Bauarbeiter so schnell es ging eine Barriere aufgeschüttet, um die nahe gelegene Trafo-Station vor dem Wasser zu schützen. Zuletzt lobte Rosenbauer auch die örtlichen Feuerwehren, die einen "hervorragenden Job" geleistet hätten.

Da es ungewiss sei, wann der nächste Starkregen kommt, müsse die Gemeinde schnell handeln. Eine Maßnahme sei, die Feuerwehren der Gemeindeteile für den Ernstfall aufzurüsten. Außerdem habe die Gemeinde Sandsäcke bestellt.

Langfristig reiche das natürlich nicht. "In der Zukunft müssen in der Gemeinde kleine Maßnahmen durchgeführt werden, die große Wirkung zeigen", erklärte Rosenbauer. Vorbild sei hier der Gemeindeteil Obersiemau, in dem das 2018 gut funktioniert habe: Ein einfacher Graben habe dazu geführt, dass die Bürger beim Starkregen in diesem Jahr trocken geblieben sind. "Auch für die kleinen, pragmatischen Ansätze brauchen wir aber professionelle Hilfe", betonte er. Das zeige sich vor allem im Gemeindeteil Weißenbrunn: "Wenn wir im Bereich Weideweg-Holzacker einfach einen Graben ziehen, kann es sein, dass das Wasser weiter in die Siedlung fließt, wenn es nicht richtig abgeleitet wird." Deshalb beschloss der Gemeinderat einstimmig, dass das Büro Kittner und Weber aus Sonnefeld für die Gemeinde ein System zur örtlichen Starkregen- und Hochwasservorsorge entwickeln soll. Nun, so Bürgermeister Rolf Rosenbauer, seien aber auch die Bürger an der Reihe: "Jeder Einzelne von Ihnen ist auch selbst beauftragt, sich um den Schutz des eigenen Kellerabteils zu kümmern." dp