und Ralf Kestel

Die schweren Niederschläge in der Nacht zum Freitag sorgten in den Haßbergen ab 4.50 Uhr für abgeschnittene Dörfer und voll gelaufene Keller. So waren Breitbrunn und Lußberg für rund eine Stunde nicht erreichbar. Im Eberner Stadtteil Fierst verhinderte die Feuerwehr, dass eine Schlammlawine ein Anwesen überrollte. In Stettfeld wurden Niederschläge bis zu 50 Liter auf den Quadratmeter gemessen. Das packten viele Gräben und Bäche nicht mehr. Im Baunacher Stadtteil Dorgendorf kamen Bagger zum Einsatz, um Abflussmöglichkeiten zu schaffen.
Der See in Stettfeld trat über die Ufer und überschwemmte die Ortschaft, wie die Integrierte Leitstelle in Schweinfurt mitteilte. Hier war das THW mit Sandsäcken im Einsatz und unterstützte die Feuerwehr. "Momentan halten die Sandsäcke den Wassermassen stand. In Stettfeld sind die Feuerwehren aus Eltmann, Haßfurt und Staffelbach zur Unterstützung da. Es sind mehrere voll gelaufene Keller zu verzeichnen. Im Moment nimmt der Stettfelder Mühlbach aber das Wasser wieder auf, so dass sich die Lage gerade entspannt", berichtete Klaus Wörner von der Leitstelle (ILS) am frühen Freitagnachmittag.
Der stellvertretende Leiter der Leitstelle listete Einsätze der Hilfskräfte auf: an der Paßmühle (Baum auf Fahrbahn), Lußberg (Keller und Straßen unter Wasser), Hermannsberg (überschwemmt), Steinbach (Fahrbahn überschwemmt), Rudendorf (Trafohäuschen voll gelaufen, Keller und Straßen voller Wasser), Rentweinsdorf (Baum auf Fahrbahn), Deusdorf (Keller unter Wasser) und Salmsdorf (überschwemmte Hauptstraße).
31 Liter auf dem Quadratmeter wurden im Rentweinsdorfer Ortsteil Salmsdorf gemessen. "Um 6 Uhr war noch gar nix, um 6.30 Uhr die ganze Hauptstraße überflutet", berichtete Kreisrat Ludwig Bock als Anlieger. In seinem Anwesen liefen Scheune und Keller voll.
In Salmsdorf treffen der Laimbach und der Veitensteinbach zusammen. Bock relativierte aber die "Katastrophe": "Wir hatten schon andere Hochwasser, da lag die Flutwelle noch 30 Zentimeter höher."
In Ebern rückte die Feuerwehr aus, um im Bergdorf Fierst eine Schlammlawine zu verhindern, da Gräben verstopft waren und Sturzbäche in ein Anwesen fluteten. Gräben und Rohre fassten das Oberflächenwasser aus einem Einzugsgebiet von mehreren Tausend Quadratmetern nicht mehr, zumal auch eben gemulchtes Gras für Verstopfungen sorgte. Bei einem Anwesen drückte das Wasser laut Polizei durch die Kellerwand. Auch die Vereinsheime von DLRG und Pfadfindern waren gefährdet, ein Pumpenhaus der Wasserversorgung lief voll.
Um 5 Uhr wurden die Bewohner von Breitbrunn aus dem Schlaf gerissen, denn ein Wolkenbruch überflutete Straßen und zahlreiche Keller. Schwerpunkte des Unwetters waren die Ortsteile Breitbrunn und Hermannsberg, wo durch die so schnell auftretenden Wassermassen aus den Fluren Rückhaltebecken überliefen und der Köhlersgrundbach völlig aus seinem Bett sprang. Dies führte dazu, dass in Höhe des Gemeindezentrums und im Köhlersgrund sich richtige Seen entwickelten, auch der Ausweich- und Tennisplatz des VfR Hermannsberg-Breitbrunn wurde völlig überschwemmt.
Hausbewohner kämpften teilweise in den Kellern gegen das Wasser und bei einigen musste die Feuerwehr anrücken, um die Keller wieder leer zu pumpen. Hermannsberg war zeitweise nicht mehr zu erreichen, weil sowohl von Breitbrunn kommend als auch von der Finkenmühle her die Ortsstraße total überflutet war. Einen Erdrutsch gab es auf der Staatsstraße nahe Breitbrunn, weswegen die Straßenmeister mit schwerem Gerät anrücken mussten, wie die Eberner Polizei mitteilte.
Die Besitzer der Finkenmühle hatten Glück im Unglück, weil der Köhlersgrundbach in seinem Verlauf immer reißender wurde. Er riss zwar auf dem Hof und von der Pflasterung einiges weg, aber Scheune und Pferdestall konnten noch geschützt werden.
An der Kreisstraße nach Neubrunn-Dörflis trat der Ebelsbach aus seinem Bett und über die Straße und je weiter sich der Fluss Ebelsbach näherte, desto mehr schwoll er an. Das Gewässer führte auch im Dorf selbst zu Problemen.
In Lußberg strömte das Wasser aus dem Bereich des Bergrückens des Veitensteins in den Ort und überschwemmte Straßen und Keller. Ebenso war es in Rudendorf der Fall, wo ein zweites Gewitter noch einmal vereinzelt Anwesen unter Wasser setzte.
Um die größten Probleme zu bekämpfen, waren viele Feuerwehren im Einsatz wie die Wehren aus Ebelsbach, Breitbrunn, Kirchlauter, Neubrunn, Lußberg. Kreisbrandinspektor Peter Pfaff berichtete davon, dass man auch das THW Haßfurt zu Hilfe gerufen hatte, das die Feuerwehren mit rund 1000 Sandsäcken versorgte. Man habe jedoch nach kürzester Zeit alles im Griff gehabt. "Wer jetzt noch meint, das liegt nicht am Klimawandel, der hat die Zeit verpasst."
Fast 30 Jahre ist Martin Horn schon für die Freiwillige Feuerwehr in Ebelsbach tätig. Und zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Jahren war er zusammen mit vielen anderen Kollegen ab etwa 5 Uhr in einem Hochwassereinsatz, den es angeblich nur alle 100 Jahre gibt.
Inzwischen ist der 45-Jährige, Zweiter Bürgermeister der Gemeinde, auch Kreisbrandmeister. Nachdem es in der Nacht zum Freitag wie aus Kübeln gegossen hatte, erreichten die Fluten, nachdem sie zuvor in einigen Ortschaften der "Heiligen Länder" für viel Arbeit der Rettungskräfte sorgten, auch Ebelsbach. Der Bach konnte das Wasser nicht mehr aufnehmen.
So wurde etwa die Kleingartenanlage in Mitleidenschaft gezogen. Größere Schäden waren aber zunächst nicht bekannt. Einige Bewohner hatten ihre Häuser mit Sandsäcken gesichert. Gegen 9.30 Uhr schien sich die Situation zu entspannen, der Ebelsbach stieg zu diesem Zeitpunkt nicht mehr weiter an.
Im Oberland war die Tendenz "stark sinkend". Horn hoffte deshalb, dass vor allem die Anlieger am Bach mit einem blauen Augen davonkommen. "Die Schäden halten sich in Grenzen", atmete er auf.
Insgesamt sei die Region in letzter Zeit angesichts der zahlreichen Unwetter "noch gut weggekommen". Die extremen Wetterkapriolen in den letzten Jahren bezeichnet er als "mit Sicherheit nicht normal. Da kann einer sagen, was er will."