Lea Winkelmann Die Sonne scheint, der Himmel ist bis auf ein paar harmlose, fedrige Schleierwolken blau und klar. Das perfekte Wetter für eine Kirchturmbesteigung, die gute Aussicht verspricht. Den Kirchturm der ehemaligen Klosterkirche Banz betreten sonst nur Chorsänger und Musiker auf dem Weg zur Empore, die Mesnerin, um gelegentlich nach dem rechten zu sehen sowie Personal zur Wartung der Glocken und des Daches. Heute auch ausnahmsweise ein Fotograf und eine Journalistin, begleitet von der Mesnerin und Georg Hagel, dem Regionalkantor und Basilika-Organisten von Vierzehnheiligen.

Über eine enge, steinerne Wendeltreppe geht es zahlreiche Stufen in die Höhe. Man fühlt sich wie im Inneren eines langgezogenen Schneckenhauses, während es Windung um Windung nach oben geht. An den Wänden des unteren Bereiches haben sich zahlreiche Musiker und Chorsänger mit kleinen Graffiti am Treppenaufgang verewigt.

Dass dies ein eher wenig betretener und für Besucher unzugänglicher Bereich ist, verraten auch die vereinzelten Spinnweben, die sich bei diesem Aufstieg gelegentlich in den Armen verfangen. Am Ende der Treppe wartet ein Dachgebälk-Konstrukt, das an einen riesigen Dachboden auf mehreren Ebenen erinnert.

Ein paar wenige Holzstufen später stehen wir schon im Glockenstuhl des Ostturms. Angesichts der schmalen Holztritte merkt man, dass die Stufen ursprünglich für wesentlich kleinere Füße konstruiert wurden. Wir fühlen uns wie mit langen Hobbitfüßen ausgestattet und wünschen uns spontan für mehr Feinmotorik einmal Schuhgröße 35 statt 40 und größer! Aber es hilft ja nichts, dann eben vorsichtig auf den Fußballen nach oben.

Die Konstruktionsweise des Glockenstuhls weist nach Angaben Georg Hagels darauf hin, dass dieser Glockenturm vermutlich älter ist als der gegenüberliegende Turm.

Im Ostturm befinden sich zwei, in dem gegenüberliegenden Turm drei Glocken - darunter ist auch eine von Herzog Max gestiftete Glocke, die dessen Inschrift trägt. "Der Vater von Kaiserin Sisi von Österreich nutzte Schloss Banz einige Zeit als Sommerresidenz", erzählt Georg Hagel. Der Herzog habe diesen Ort so sehr geliebt, dass er verfügte, nach seinem Tod sein Herz in der Pfarrkirche einzumauern. Die Glocken seien zwar durch die Einführung des elektrischen Stroms bequem gleichzeitig läutbar geworden, jedoch würden nicht immer alle Glocken gleichzeitig zum Läuten gebracht. Vielmehr gebe es einen entsprechenden Läutplan, nach dem bestimmte Glocken für verschiedene Ereignisse im Kirchenjahr eingesetzt werden.

Der Zehn-Burgen-Blick

Über eine kleine Stiege durch ein Fenster des Turms gelangen wir schließlich hinter die Balustrade zwischen den zwei Türmen und werden von einem fantastischen Ausblick überrascht. Georg Hagel erklärt den wunderschönen Weitblick, den die drei Steinfiguren dort das ganze Jahr erblicken und wir heute für einige Minuten genießen dürfen: "Von hier oben sieht man einige Burgen, darunter ehemalige keltische Fliehburgen. Man könnte eigentlich auch von dem Acht- bis Zehn-Burgen-Blick sprechen."

Und tatsächlich haben wir anscheinend einen Tag für einen guten Weitblick abgepasst und können unter anderem auf den Staffelberg, Spitzberg, alten Staffelberg, Veitsberg und die Altenburg schauen. Der Blick in den sogenannten Gottesgarten am Obermain ist einmalig. "Zuletzt wurden die Figuren auf der Verbindung zwischen den Türmen durch Kopien ersetzt", erzählt Hagel. Das sei 2007 geschehen, wobei die Originalskulpturen - zwei Engel und die mittige Madonna mit dem Jesuskind - in den Garten vor der ehemaligen Orangerie, am Eingang der Pfarrkirche, umgesetzt worden seien. Sogar die Heldburg hinter Seßlach und den Ochsenkopf im Fichtelgebirge können wir erspähen, bevor wir uns auf den schmalen Stufen langfüßiger Weise seitwärts wieder nach unten begeben.