von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose, sagte einst Gertrude Stein. Was hätte sie wohl zum Herzen gesagt? Gerade in diesem Moment befindet sich ein Staffelsteiner Herz im Krankenhaus. Eine Operation hatte es schon hinter sich gebracht, eine zweite folgte unerwartet. Aber dieses Herz zeigte sich unbelehrbar, denn die beiden Zurechtweisungen will es nicht annehmen. Beinahe kommt es seiner Besitzerin so vor, als ob ihr Herz mehr als nur eine Pumpe ist, mehr als nur ein Werkzeug. Sein Schlag ist nicht von ergebener Funktionalität, eher von Eigensinn und Uneinsichtigkeit. Ein rotes, zuckendes Gewohnheitstier, geradezu menschlich-störrisch dem Neuen gegenüber. Immerhin schlug es 30 Jahre lang eigenmächtig und eigenwillig im Dunkel der Frau, hatte es warm und blieb dabei unbemerkt und unauffällig. Und unbehelligt. Denn wenn ihm etwas zu viel wurde, so war es die Frau, die Entgegenkommen zeigte und für sie beide nach Ruhe verlangte. Doch jetzt kamen die Ärzte ihm und seinem Eigensinn auf die Spur. Fühlt es sich ertappt und täuscht Unbelehrbarkeit nur vor? Oder ist es wirklich so speziell, wie es sich aufführt? Immerhin zählt es zu einer Minderheit von zwei Prozent, die nach solch erlebten Eingriffen verbohrt bleibt. 200 Schläge gibt es in der Minute von sich, manchmal auch nur 30. Launisches Ding von sich selbst gefährdender Flatterhaftigkeit. Gibt es nicht Philosophen, die sagen, alles, auch Materie, sei nur gespeicherte Information, die Dinge trügen Erinnerungen in und mit sich? Die Frau erinnert sich auch, sie möchte wieder heim. Unter uns an den Obermain, wo in zwei Monaten Frühling sein wird.