Pauline Lindner Herzogenaurach — Vor Britta Dasslers Vinothek steht das Faktomobil. So nennt Helmut Markwort sein Wahlkampffahrzeug, weil er Fakten in den Landtag bringen will. Am Abend will er über die Macht der Medien bei ihr referieren; beim Pressegespräch sind Alexander Hanel aus Leutershausen, der mittelfränkische Spitzenkandidat, und Karl Graf Stauffenberg, der Enkel des Hitlerattentäters und Kreisvorsitzender des Rhön-Grabfeldkreises, an seiner Seite.

Der 81-jährige Markwort - am bekanntesten als Gründer des Nachrichtenmagazins Focus - tritt im Wahlkreis München-Land für die FDP als Kandidat an. Für einen Mann, der zur CSU wechselte, wie die Bundestagsabgeordnete und stellvertetende bayerische Landesvorsitzende Dassler betont. Die CSU rutsche immer weiter nach rechts, werde zur Konkurrenz für die AfD, fährt sie fort. "Wir haben die vier Jahre Apo genutzt, um uns neu aufzustellen."

Stolz ist Markwort auf seine 50-jährige Mitgliedschaft bei den Liberalen. Im Jahr 1968 trat er ein. Und bei ihm dürfte eine andere Begleitvorstellung beim Wort "Apo" (außerparlamentarische Opposition) vorhanden sein, als bei der fast 30 Jahre Jüngeren, fällt ihm doch als erstes zu seinem Eintrittsjahr ein Steine werfender späterer Außenminister Joschka Fischer ein. Und eine kleine tschechische Fahne, die er sich an die Autoantenne gebunden hatte, als der Warschauer Pakt den Prager Frühling mit Panzern beendete.

Mit 29 war Markwort der jüngste Chefredakteur Deutschlands. Jetzt spricht er von seiner Chance, als Alterspräsident des Landtags die Eröffnungsrede zu halten, mit Gedanken zu werten und Freiheit. "Mehr Freiheit für den Bürger, ihn von Zwängen befreien", nennt er bei dem Gespräch in der Vinothek als sein Leitthema. Von Bürokratiemonstern spricht er, dass ein Bauantragsverfahren länger dauere als die Bauzeit. Aber auch von den 60 Prozent Berufsanfängern, die sich eine Stelle beim Staat wünschen.

Digitalisierung allerorten, schnelle Internetverbindungen überall, so heißt Markworts Forderung für eine Attraktivität ganz Bayerns. Er stimmt Stauffenberg zu, der in dieser Frage den politischen Druck auf die CSU vermisste. "Es gab seit Stoiber keinen Plan mehr für Bayern, nur die Suche nach Mehrheiten", resümiert der Adelige und Markwort bescheinigt der CSU ein pures Ausruhen. Und: "Die CSU hat den Mittelstand gegenüber den Daxwerten vernachlässigt."

Ein "groteskes Wahlkampfmanöver und ein schlimmes Schauspiel" ist für ihn der aktuelle Streit zwischen CSU und SPD um das Kindergeld. "Wegen 250 Euro kann kein Elternteil zuhause bleiben, das Geld wäre besser in kostenfreien Kita-Plätzen und besserer Bezahlung für das Personal angelegt", führt Stauffenberg den Gedanken fort.

Soziale Kälte und Neoliberalismus sind für Markwort Kampfbegriffe und vor allem "Ausdruck politischer Unbildung". Er allein habe 1000 Arbeitsplätze geschaffen, die bis heute existierten. Die Wohnungsproblematik in den Ballungsräumen ist für ihn eine Folge mangelhafter Versorgung mit einem besseren Netz für Home-Office auf dem Land.

Markwort postet nahezu täglich auf Facebook. Die jungen Leute in der Partei hätten ihn überredet, bekennt er. "Ich versuche es positiv zu nutzen und Inhalte zu bestimmen", sagt der Gründer von Focus online und nennt als Vorzüge die schnellen Reaktionen und die "Unabhängigkeit von eingesparten Redaktionen".