Insgesamt 27 Jahre saß Willi Sendelbeck aus Salmsdorf in der Marktgemeinde Rentweinsdorf auf dem Sessel des Bürgermeisters . Seit Mai 2020 ist er in Ruhestand . "Jetzt bin ich Hausmann", sagt der heute 73-Jährige, der für seine Bauernschläue in den Kommunen und im Landkreis Haßberge bekannt war.

Willi Sendelbeck ist in Bamberg geboren und ein waschechter Salmsdorfer, wo er mit seiner Ehefrau Margit, zwei Töchtern und einem Sohn ein Anwesen am Ortsrand bewohnt. Im Jahr 1993 wurde er nach dem plötzlichen Tod seines Vorgängers Willi Vetter zum Bürgermeister gewählt. Nach 27 Jahren an der Spitze der Marktgemeinde trat er im Mai 2020 ab und mit 73 Jahren in den Ruhestand .

Was macht er nun, da er frei von Terminen, frei von politischen Ämtern ist? Er grinst und sagt: "Ich erfülle Aufträge meiner Frau Margit, die sie mir erteilt, bevor sie zum Dienst fährt." Sie arbeitet als Amtfrau bei den Justizbehörden in Bamberg, bei denen auch Willi Sendelbeck beruflich tätig war. "Übrigens", so sagt Sendelbeck weiter: "Ich habe eine richtige Beamtenfamilie."

Neben seiner Frau Margit sind auch die drei gemeinsamen Kinder im Beamtenverhältnis. "Ich habe einen Oberinspektor, eine Inspektorin und eine Anwärterinspektorin im Haus, da muss man schon aufpassen, dass man als Hausmann nicht unter die Räder kommt", scherzt Sendelbeck.

Hier erinnert er sich, dass es auch seinem Großvater so ging. "Der hat von meiner Oma Bärbel auch immer Order bekommen, was er zu tun hat." Vielleicht war sein Großvater ja auch ein Schlitzohr. Er habe immer Ausreden gehabt.

An einen Ausspruch seines Großvaters kann sich Willi Sendelbeck noch heute erinnern: "Wo ich bin, da ist nichts, und überall kann ich nicht sein."

Sendelbeck bedauert, dass er gesundheitlich angeschlagen ist. "Ich habe schon mehrere Krankenhausaufenthalte hinter mir, Kuren, Reha-Maßnahmen und zahllose Therapeutenbesuche. Ich hatte mir meine Zeit nach dem Bürgermeisteramt eigentlich etwas anders vorgestellt", erklärt er. Aber es ist, wie es ist. Man könne sich halt nicht aussuchen, wie es einem gehe, weiß er.

Einen Vorteil sieht er im familiären Bereich, weil er eine "junge Familie " hat. "Ich habe erst mit 44 Jahren geheiratet, weil ich da wohl erst wusste, dass es zweierlei Geschlechter gibt", schmunzelt er. Von seiner Familie fühlt er sich gut versorgt und ist zufrieden. Das bekommt gerade seine Tochter Valeria mit, die ins Zimmer kommt. Sie sagt: "Naja, wenn man nichts machen muss, kann man ja auch zufrieden sein." So will es der Senior aber nicht stehen lassen und erläutert, dass er manchmal schon etwas im Haushalt mache. "Halt nicht alles", sagt er mit einem Grinsen im Gesicht.

Hobbys hatte Willi Sendelbeck auch schon, als er noch in Amt und Würden war. Seine Leidenschaft sind die Fischerei und die Jagd. "Was ich heute als Hobby habe, hatten die Leute schon in der Steinzeit", lacht Sendelbeck. Er erzählt, dass er erst vor einiger Zeit eine Wildsau, einen Überläufer, erlegt hat. Er hat auf einer Ansitzjagd über Kimme und Korn das Borstentier geschossen. Ja, Ansitzjagd ist ihm aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen gerade noch möglich, aber die Zeiten, als er zur Pirsch gehen konnte und durch Flur und Wald streifte, sind vorbei. Sendelbeck wäre nicht Sendelbeck, wenn er hierzu nicht noch eine Anmerkung hätte. "Mit Pirsch meine ich die Jagd, nicht die Pirsch nach jungen Frauen", feixt der 73-Jährige.

In der Woche verbringt er, je nach Witterung, so um die zehn Stunden mit Jagd und Fischerei. Seine Fischteiche, die er vor Jahren betrieben hat, gab er auf und hat sie einem Fischwirt überlassen.

Der Übergang von seiner aktiven Zeit als Bürgermeister in den Ruhestand sei ihm nicht schwergefallen, gesteht er. "Plötzlich war kein Termindruck mehr da, was mir ganz guttat. Das Bürgermeisteramt hat mich schon ganz schön gefordert, aber ich habe es gerne gemacht", sagt Sendelbeck. Er bedauert, dass man sein Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt wegen der Pandemie nicht "g'scheit feiern" konnte. Da hätte er gerne, wie er sagt, einen "aufgelegt".

Rückblickend erfüllt ihn sein Bürgermeisteramt mit Zufriedenheit. "Ich wurde trotz meiner Ecken und Kanten insgesamt gut angenommen, im Gemeinderat und auch im Kreistag ." Und verdient habe er dabei auch nicht schlecht.

Derzeit hält sich sein Kontakt mit der Gemeinde Rentweinsdorf in Grenzen. In das Gemeindegeschehen will er sich nicht einmischen. "Ab und zu bekomme ich noch Anrufe, wo Leute von mir einen Rat haben möchten im Umgang mit der Gemeinde, und mich freut es besonders, wenn ich hie und da mal eine Karte bekomme, wo sich Mitbürgerinnen und Mitbürger für meine Arbeit als Bürgermeister bedanken", sagt der Senior .

Die Corona-Pandemie hat ihn auch insofern etwas getroffen, weil er ein leidenschaftlicher Autofahrer und im Jahr so um die 30 000 Kilometer gefahren ist. Jetzt bleibe man viel zu Hause, das Autofahren fehle etwas, bedauert er. Er hält sich streng an die Vorschriften, die infolge der Pandemie erlassen wurden. "Es wäre dumm, das nicht zu tun; wenn es mich erwischen würde, hätte ich eventuell schlechte Karten", meint Sendelbeck.

Zum Wohlfühlen

Zu Hause fühlt er sich wohl, nutzt die Sauna im Haus, den Whirlpool, Ruheraum und Wintergarten. "Heuer wollen wir uns ein beheiztes Schwimmbad bauen", sagt er und fasst zusammen, dass man sich unter diesen Voraussetzungen auch in einem "Hundertseelendorf" wie Salmsdorf wohlfühlen kann.

Seinem Nachfolger im Amt wünscht er, mit allen offen und fair umzugehen. Jeder packe Aufgaben aus verschiedenen Richtungen an. Wichtig ist nach seiner Ansicht, dass am Ende etwas "G'scheits" herauskommt.

Seit er in Pension ist, liest er alte Postkarten, die er zu Hunderten besitzt. "Kürzlich bin ich auf eine vom CSU-Albert Meyer gestoßen, der vor einiger Zeit verstorben ist. Er war der Erste, der mir nach meiner Wahl zum Bürgermeister im Jahr 1993 gratuliert hat." Dankbar ist Willi Sendelbeck , dass er immer tüchtige und ehrliche Leute um sich hatte.