Angesichts weiterhin geschlossener Restaurants , Cafés und Hotels im Kreis Haßberge macht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf die wachsende Notlage der Beschäftigten aufmerksam - und fordert die Einführung eines Mindest-Kurzarbeitergeldes von 1200 Euro im Monat.

Die NGG geht davon aus, dass die Kurzarbeit aktuell erneut die Ausmaße des Lockdowns vom Frühjahr vergangenen Jahres angenommen hat. Damals meldeten 83 gastgewerbliche Betriebe im Kreis Haßberge Kurzarbeit an - das sind 71 Prozent aller Betriebe der Branche im Landkreis, wie die Gewerkschaft am gestrigen Dienstag mitteilte.

Die Zahl der Köche, Kellner und Hotelfachleute in Kurzarbeit stieg im April 2020 auf 278. Dies geht aus einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Nach Angaben des Ifo-Instituts waren im Januar 2021 bundesweit 56 Prozent aller Beschäftigten des Gastgewerbes in Kurzarbeit . Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft lag die Quote bei lediglich 7,8 Prozent.

"Im Unterschied zu anderen Branchen dauert der derzeitige Lockdown für die Gastronomie und Hotellerie immerhin schon seit Anfang November. Die Beschäftigten wissen nicht mehr, wie sie noch ihre Miete bezahlen sollen. Ihre letzten Reserven sind längst aufgebraucht. Und es könnten noch Monate vergehen, bis Hotels und Gaststätten wieder öffnen", sagt Ibo Ocak, der Geschäftsführer der NGG-Region Unterfranken. "Wegen ohnehin niedriger Löhne und fehlender Trinkgelder spitzt sich die Lage der Beschäftigten auch im Kreis Haßberge dramatisch zu. Ohne schnelle und unbürokratische Hilfe drohen den Menschen existenzielle Probleme", befürchtet Ocak.

Offener Brief

Mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hat die NGG deshalb Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Koalitionsspitzen in einem offenen Brief aufgefordert, ein branchenübergreifendes Mindest-Kurzarbeitergeld in Höhe von 1200 Euro pro Monat einzuführen. Morgen debattiert der Deutsche Bundestag über das Thema. Außerdem haben Verdi und die NGG eine Online-Petition zum Mindest-Kurzarbeitergeld gestartet. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.ngg.net/mindest-kug.

"Wenn die Politik Unternehmen mit enormen Steuermitteln unterstützt, um eine Pleitewelle zu verhindern, dann muss auch genug Geld für die da sein, die jetzt jeden Cent zweimal umdrehen müssen", sagt Ibo Ocak. Gerade in kleineren Pensionen und Gaststätten in der Region verdienten viele Beschäftigte kaum mehr als den gesetzlichen Mindestlohn . Eine Kellnerin, die in Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet, komme im ersten Bezugsmonat auf nur 728 Euro Kurzarbeitergeld (ledig, ohne Kinder, Kirchensteuer), so die NGG. Selbst nach der Erhöhung auf 80 Prozent des Einkommens , wie sie nach sieben Monaten Kurzarbeit greift, blieben nur 971 Euro im Monat. red