Als eines der ersten kommunalen Gremien in Oberfranken hat der Harsdorfer Gemeinderat eine Klimaschutzerklärung verabschiedet. Ausgearbeitet hatten sie Bürgermeister Günther Hübner (CSU) und Gemeinderat Stefan Holzheu (SPD), der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Ökologie und Umweltforschung der Universität Bayreuth tätig ist.

"Wir haben bisher in Sachen Klimaschutz sehr viel getan und im Gemeinderat immer erfreulich ausgewogen darüber diskutiert und entschieden", blickte Hübner zurück. Er verwies hier unter anderem auf die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik oder den Einbau von stromsparenden Pumpen in der Wasserversorgung.

"Harsdorf zählte zu den ersten Gemeinden, die vor 20 Jahren den Weg zum Betrieb einer Windkraftanlage ebnete." Weitere Windräder sollten nach Möglichkeit im Laitscher Staatsforst folgen, doch hier geht es laut Bürgermeister noch darum, den Regionalen Planungsverband Oberfranken-Ost von einer Änderung des Regionalplans zu überzeugen. Wenn es nach Hübner geht, sollte man auch überlegen, Klimaanlagen mit Solarstrom zu betreiben.

Eine moralische Pflicht

Das Gremium ist sich einig, dass der Klimawandel die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen gefährdet. In der Erklärung heißt es dazu: "Der Klimawandel ist auch in Oberfranken messbar. Jeder von uns hat sicherlich noch die Sommer 2018 und 2019 im Kopf. Die Temperaturerhöhung in unserer Region ist größer als im globalen Durchschnitt. Die höheren Temperaturen und die veränderten Niederschlagsmuster bedrohen unsere über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft."

Es sei eine moralische Pflicht aller, Emissionen schnell zu reduzieren. Die Gemeinde wolle mit gutem Beispiel vorangehen und klare Reduktionsziele formulieren.

Der wichtigere Punkt in der gemeindlichen Verantwortung betreffe den Ausbau der erneuerbaren Energien. "Beim Weg in eine CO2-freie Wirtschaft kommt deren Ausbau eine Schlüsselrolle zu. Stolz haben wir beim Dorfwettbewerb 2018 berichtet, dass die Gemeinde durch das Windrad, die PV-Anlagen und die Mälzerei mehr elektrische Energie produziert, als sie verbraucht", heißt es in der Erklärung weiter.

Mit der Errichtung der Windenergieanlage bei Altenreuth vor über 20 Jahren sei Harsdorf ein Vorreiter in Oberfranken gewesen. Neben dem Windrad erreichten nun auch viele PV-Anlagen das Ende des Förderzeitraums. "Als Gemeinderat fordern wir die Bundesregierung auf, alles zu unternehmen, damit diese Anlagen nicht vom Netz genommen werden. Es wäre volkswirtschaftlich wie ökologisch Unsinn, funktionsfähige und etablierte Anlagen nicht weiter zu betreiben. Der aktuelle Entwurf zur EEG-Novelle bietet dazu leider wenig attraktive Rahmenbedingungen."

Die momentane Autarkie bezüglich elektrischer Energie sei jedoch nicht genug. "Wir werden in Zukunft noch mehr elektrische Energie benötigen, denn auch die Bereiche Verkehr und Wärme müssen unabhängig von fossilen Quellen werden." Die Windenergie sei aktuell die einzige technische Möglichkeit, die notwendigen Strommengen im Winterhalbjahr regenerativ bereitzustellen. Nur ländliche Gemeinden hätten die Flächen für einen Ausbau der Windenergie. "Darum sehen wir es als unsere Aufgabe, nicht nur die Energie für Harsdorf zu produzieren, sondern zu einem Netto-Energieproduzenten zu werden."

In seiner Verantwortung für die Zukunft habe der Gemeinderat im Oktober 2020 einstimmig beschlossen, einen neuen Versuch zur Errichtung leistungsfähiger Windenergieanlagen zu unternehmen. Dies solle wie bei der bestehenden Anlage mit aktiver Beteiligung der Bevölkerung erfolgen. Im November habe man sich für das "Windkümmerer-Programm" der Staatsregierung beworben. "Wir hoffen, dass Harsdorf so zum Vorbild für weitere ländliche Gemeinden wird. Wir hatten die Flächen bereits bei der letzten Fortschreibung des Regionalplans im Bereich Windenergie 2014 gemeldet. Aktuell verhindert dieser Regionalplan das Projekt. Wir werden uns daher aktiv um eine Fortschreibung ... bemühen."

Eine Mammutaufgabe

Schließlich fordert der Gemeinderat die Bürger in der Erklärung auf, sich für den Klimaschutz einzusetzen: "Der Klimawandel ist eine Mammutaufgabe. Eine Lösung wird uns nur gelingen, wenn alle ihren Teil dazu beitragen."

Wilfried Löwinger (CSU) erklärte, das Harsdorf als kleine Gemeinde nicht die Welt verändern könne: "Wir sind nur ein kleines Rädchen, aber es ist wichtig, die Bürger beim Klimaschutz mitzunehmen und dafür auch zu sensibilisieren. Wir müssen aber auch aufpassen, dass wir die Wirtschaft nicht kaputt machen."

Für Stefan Holzheu geht es auch darum, sinnvolle Lösungen aufzuzeigen, wie Strom produziert werden kann. Er lobte die konstruktive Arbeit im Gemeinderat. Bürgermeister Günther Hübner abschließend: "Hoffen wir, dass auch andere Kommunen mitmachen."