Cedric Teuchert ist zurück bei Hannover 96. Und der gebürtige Coburger schwärmt in höchsten Tönen, nennt Hannover "eine geile Fußballstadt". Und auch von der in der 2. Liga abstiegsbedrohten Mannschaft spricht der 24-Jährige nur positiv: "Jeder hat Bock, die Idee des Trainers ist super - ich bin echt beeindruckt."

Der ehemalige Jugendspieler der DJK/Viktoria/VfB Coburg freut sich über seinen Winterwechsel enorm. Nach eigenen Worten ist es auch für ihn überhaupt kein Problem, dass er von einem Klub, der in Europa auf Torejagd geht (Union Berlin), nun in den Abstiegskampf der 2. Liga wechselt. Als der Zweitligist auf ihn zukam, wäre sofort klar gewesen, dass er keine anderen Gespräche mit Vereinen führen werde.

"Wir haben eine geile Mannschaft, ein richtig geiles Trainerteam. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass wir uns als Familie in Hannover sehr wohlfühlen. Unser Sohn kann hier perfekt aufwachsen. Hannover ist eine geile Fußballstadt. 96 hat auf Platz 15 überhaupt nichts zu suchen - aber wir müssen auch hart dafür arbeiten, dass sich das ändert", erklärte Teuchert diese Woche im nachfolgenden Interview. Den Kontakt zu seiner Familie und zu seinen Freunden in der Vestestadt pflegt "Cedi" nach wie vor regelmäßig.

Herr Teuchert, haben Sie in Hannover schon eine neue Bleibe?

Cedric Teuchert: Es wird die alte. Das Haus in Isernhagen, in dem wir damals gewohnt haben, steht wieder frei. Da gehen wir wieder rein.

Ihrem neuen Klub Hannover 96 fehlen Tore. Können Sie helfen?

Ich gebe mein Bestes, ich will natürlich treffen. Es ist ja klar, es muss das eine oder andere Tor mehr fallen.

Wie wär's, wenn Sie sechs Tore für 96 schießen wie in der Saison 2019/2020?

Das würde ich sofort unterschreiben. Aber wir haben auch genug andere Spieler, die Tore machen können.

Bei Union lief es zuletzt nicht so gut, auf welcher Position sehen Sie sich bei Ihrem neuen Klub?

Ich habe auch bei Union mal als Achter oder Sechser gespielt, aber der Trainer und der Sportdirektor haben klare Vorstellungen, wo sie mich sehen. Sicher irgendwo weiter vorn.

Wollten Sie denn auf jeden Fall weg aus Berlin?

Ich habe mich dort zu 200 Prozent wohlgefühlt. Ich bin sehr stolz, da gespielt zu haben. Ich bin jeden Tag aufgestanden und habe mich gefreut, meine Jungs wiederzusehen. Berlin ist einerseits gewöhnungsbedürftig, aber auch eine coole Stadt. Ich wollte aber wieder auf den Platz, und die Möglichkeit war nicht mehr so da. Auch weil's richtig gut lief bei Union, sie stehen ja auf Platz sieben.

Was ist das Geheimnis von Union?

Da ist richtig etwas entstanden. Typen wie Max Kruse, Robin Knoche oder Christopher Trimmel halten die Mannschaft brutal zusammen. Die Mischung passt optimal, die Stimmung in der Kabine bis zu den Physios und der Wäschefrau ist riesig. Jeder hat Bock darauf, Erfolg zu haben. Das gibt's so nicht in jeder Mannschaft.

War Kruse ein Problem für Sie?

Wir sind zwar ähnliche Spielertypen, aber ich bin mit ihm richtig gut klargekommen. Wir haben nebeneinander gewohnt, er hat mich auf und neben dem Platz geschätzt. Ein cooler Typ, der alle Facetten im Fußball erlebt hat, mit dem man sehr gute Gespräche führen kann, aber auch viele lustige Momente erlebt. Ich habe mit ihm auch offen über die Situation gesprochen. Er hat mir zwar nicht gesagt, dass ich wechseln soll, aber wir haben schon offen darüber geredet, dass ich vielleicht nicht mehr so viele Einsatzchancen bei Union haben werde.

Sie haben bei Olympia in Tokio für die deutsche Mannschaft gespielt. Danach wurde es schwer?

Die erste Saison war für mich bei Union richtig gut. Durch Olympia habe ich dann die Vorbereitung verpasst. Das war sicher ein Faktor, dass ich nicht mehr so zum Zug kam.

Würden Sie wieder so entscheiden?

Natürlich würde ich mich immer wieder für Olympia entscheiden. Ich bin stolz, dabei gewesen zu sein. Es war eine Riesenerfahrung. Es waren zwar keine Zuschauer erlaubt, wir hatten auch Ordner vor der Zimmertür stehen, aber wir haben das Olympia-Gefühl aufgesaugt. Ich habe viele erfolgreiche Sportler getroffen und mich lange bei der Eröffnungszeremonie mit Alexander Zverev unterhalten. Der Kontakt zu ihm war ja über Kevin Krawietz zustande gekommen. Mit Kevin habe ich früher in Coburg zusammen Tennis gespielt.

Ihre Frau Lisa hat als Pflegerin auf einer Intensivstation gearbeitet. Wie hat sie die Corona-Pandemie erlebt?

Sie hat nicht mehr auf der Intensivstation gearbeitet. Als es richtig dramatisch wurde, wurde sie noch mal kontaktiert, ob sie aushelfen könne. Sie hat sich aber für unseren Kleinen, den jetzt 13 Monate alten Sohn Neo Levi, entschieden.

Haben Sie denn mal 96-Spiele gesehen?

Nicht in voller Länge, aber ich hab's verfolgt und hatte mit einigen Spielern wie Frankie (Marcel Franke, Anm. d. Red.) und Kerki (Sebastian Kerk, Anm. d. Red.) noch Kontakt. Es lief nicht so, wie sie es sich gedacht haben. Wenn ich aber die Intensität in den beiden Einheiten nehme, die ich mitgemacht habe, dann wird das ein ganz anderes Auftreten als in der Hinserie. Das Wichtigste ist erst mal, gut zu starten und die nötigen Punkte zu holen, damit wir da unten rauskommen.

Haben die Kollegen erzählt, warum es nicht so lief?

Wenn man sich den Kader anschaut, was da für Erfahrung und Qualität drinstecken, dann ist das schwer zu erklären. Es gibt natürlich dafür Faktoren, die wir aber nicht öffentlich besprechen müssen. In der Kabine herrscht eine optimale Stimmung, jeder hat Bock, die Idee des Trainers ist super - ich bin echt beeindruckt. Ich mache mir keine Sorgen um 96. Ich glaube, dass wir schnellstmöglich woanders stehen werden, wenn wir so weiterarbeiten. Es wird alles in die richtige Richtung gehen. Ich bin optimistisch, dass wir in Rostock die ersten drei Punkte einfahren.

Das Gespräch führte Andreas Willeke (Neue Presse Hannover)