Für mächtig Zündstoff sorgte am Ende der jüngsten Sitzung des Gemeinderats in der Turnhalle Lanzendorf eine Unterschriftenaktion der Bürgerliste Zukunft Himmelkron (BZH). Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) und alle anderen Gemeinderatsfraktionen reagierten gereizt. Auslöser war dabei nur ein Handgeländer an der Treppe zum Lanzendorfer Friedhof.

Am 6. Oktober hatten sich die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses im Beisein von Mitgliedern der BZH-Fraktion zuletzt über die Thematik unterhalten. Bei einem Ortstermin waren auch Vertreter der Kirchengemeinde Lanzendorf anwesend. Gemeinsam verständigte man sich damals auf ein Konzept zur Umgestaltung der beschädigten Treppenanlage.

Mehrere Bürger hatten die BZH-Fraktion im Nachgang offenbar um Unterstützung bei der Realisierung eines in der Mitte der Treppe angebrachten weiteren "Steckgeländers" gebeten, das bei Bedarf auch entfernt werden kann. Nachdem dieser Vorschlag nach Meinung der BZH vom zuständigen Ausschuss ignoriert wurde, organisierte die Bürgerliste eine Unterschriftenlisteaktion, bei der sich 67 Friedhofgänger für den zusätzlichen Handlauf aussprachen.

Brief aus dem Pfarramt

Gerhard Schneider wies den Vorwurf, die BZH sei in den beiden Sitzungen ignoriert worden oder nicht zu Wort gekommen, mit aller Deutlichkeit zurück. Er wandte sich an die Fraktionsvorsitzende Wilhelmine Denk: "Sie haben einen Vorschlag für ein weiteres Geländer eingebracht, und am Ende verständigten wir uns einstimmig darauf, die Treppe so zu belassen. Wir haben bisher im Gemeinderat einen fairen Umgang miteinander gepflegt, aber da bin ich empfindlich und es ist auch unfair, wenn Sie so was behaupten. Sie hätten sich jederzeit im Ausschuss dazu äußern und auch Ihren Vorschlag zur Abstimmung bringen können."

Der Bürgermeister gab dem Gremium den Inhalt eines Schreibens des evangelischen Pfarramts Lanzendorf an den Verein Bürgerliste Zukunft Himmelkron bekannt, indem seitens der Kirche bemängelt wird, dass sie von der Unterschriftenliste nicht in Kenntnis gesetzt worden sei. Wörtlich heißt es in den Brief: "67 Unterschriften möchten wir ja nicht ignorieren, wenngleich wir es schade finden, dass wir die Liste nicht bekommen haben, denn der Sinn einer Unterschriftensammlung ist ja eigentlich, dass die Unterzeichneten mit ihrer Unterschrift öffentlich für etwas einstehen."

Bedenken überwiegen

Das Pfarramt teilt weiter mit, dass im Kirchenvorstand die Bedenken gegen ein Steckgeländer überwiegen. Eine Verkehrssicherung sei nahezu unmöglich. "Wir als Kirchengemeinde Lanzendorf können die Information und Kontrolle der auf dem Friedhof arbeitenden Firmen und die Verkehrssicherung nicht übernehmen und leisten. Wir wären nicht bereit, die Haftung zu übernehmen."

Nicht zuletzt verwies Pfarrerin Almut Weisensee in dem Schreiben an die BZH noch darauf hin, dass es bereits einen barrierefreien Zugang gebe und es auch möglich sei, im Kirchhof zu parken, "so dass der Weg über das Kopfsteinpflaster zum Kirchturmeingang nicht wesentlich weiter ist als die Strecke, die man zurücklegen müsste, um zur Friedhofstreppe zu gelangen".

Manuel Gumtow (FW) war mit der Aktion nicht glücklich: "Bei uns kann jeder im Gemeinderat seine Meinung sagen. Wenn man aber Unterschriften sammelt und damit Unruhe in der Bevölkerung schürt, dann ist das ist für die Arbeit im Gemeinderat nicht gut."

Harald Peetz (CSU) kam sich vor "wie in einer Märchenstunde". In Richtung Wilhelmine Denk meinte er: "Es wurde zweimal mit acht zu null abgestimmt und Sie erklären, dass Sie von nichts wissen. Das habe ich meinen 18 Jahren als Gemeinderat noch nie erlebt. Wir sind immer sachlich geblieben."

Großen Respekt zeigt Peetz vor der Haltung des Kirchenvorstands: "Sie haben sich nicht vor den Karren spannen lassen." Uwe Täuber (CSU) ergänzte auch in seiner Funktion als Kirchenvorsteher: "Ich habe mich da sehr gewundert, was da gelaufen ist." Was Täuber anprangerte, war, dass Unterschriften gesammelt wurden, ohne die älteren Bürger konkret aufzuklären.

Für die SPD-Fraktion verwies Peter Aßmann auf die einstimmigen Beschlüsse im Bau- und Umweltausschuss.

"Lasse mich nicht veräppeln"

Wilhelmine Denk dagegen fühlte sich zunächst "platt". Sie wehrte sich gegen die Anschuldigungen und betonte, dass in beiden Sitzungen das Geländer in der Abstimmung kein Thema war. Dass Denk nichts von einem Schreiben der BZH an das Pfarramt Lanzendorf wissen wollte, ließ Harald Peetz aber nicht gelten: "Ich glaube viel, aber so lasse ich mich nicht veräppeln."

Abschließend versuchte Schneider, die Stimmung wieder auf das normale Maß zu bringen: "Ich bitte um einen vernünftigen Umgang miteinander, daran sollten wir uns alle halten." Das Gremium sah aufgrund der unveränderten Sachlage keinen Grund, erneut eine Abstimmung zu dem Thema herbeizuführen.