Marder, Rind, Schwein, Eichhörnchen oder Dachs: Die Haare dieser Tiere sind in Bechhofen (Landkreis Ansbach) seit mehr als 200 Jahren gefragt. Der Ort gilt als Zentrum der Pinselherstellung in Deutschland, hier befindet sich auch das Deutsche Pinsel- und Bürstenmuseum.

Kein Wunder, dass man den seltenen Ausbildungsberuf Pinselmacher in Mittelfranken findet. Michelle Müller, Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei der Firma Zahn, mag Rinderhaare am liebsten. "Die fühlen sich am besten an. Dachs ist aber auch gut."

Den Unterschied lernen Azubis wie Müller schnell. Als Pinselmacher greift man täglich nach solchen Haarbüscheln und schickt sich an, diese akkurat in eine Metallhülse zu bringen. "Früher haben wir überwiegend Tierhaare verarbeitet, aber der Trend geht zu synthetischen Haaren", sagt Friedrich Auerochs. Der 61-jährige Pinselmachermeister ist Müllers Ausbilder. Er nimmt einen fertigen Pinsel und fährt mit der Hand über die Haare, so dass ein leichtes Schnalzgeräusch zu hören ist. "Je mehr Spannkraft, desto besser", erklärt er. "Ein hochwertiger Pinsel hat auch eine gute Tankfunktion, so dass er möglichst lange Flüssigkeit abgibt, ohne dass der Anwender absetzen muss.

Die Konstanz der Haare spricht laut Auerochs für die Synthetik. Allerdings hätten Tierhaare eine bessere Spannkraft und könnten besser Wasser aufnehmen.

70 Mitarbeiter hat die Firma Zahn, ein Traditionsbetrieb mit über hundertjähriger Geschichte, geführt vom Urenkel des Firmengründers. Früher habe in Bechhofen jedes zweite Haus Pinsel oder Bürsten hergestellt, erzählt Auerochs. Inzwischen sind viele vom Markt verschwunden. Die Pinselmanufaktur Zahn mit einem Exportanteil von 60 Prozent hat überlebt. Auch, weil sie ein breites Sortiment vorweisen kann. Der Schwerpunkt liegt auf Pinseln für den Kunst- und Hobbybedarf. Aber die Firma stellt auch Rasierpinsel, Kosmetik- und Nagelpinsel, Dentalpinsel, technische Flaschenaufsatzpinsel und Malerwerkzeuge her. Mit allen Größen und Varianten kommen so rund 17 000 Sorten zusammen.

Der Name Zahn taucht aber nirgends auf. "Bei uns steht immer nur der Name des Kunden drauf", sagt Auerochs. In der Regel beliefert die Firma Großhändler, aber auch Fachgeschäfte für Künstlerbedarf.

Nicht alles, was verkauft wird, ist Handarbeit. Aber wer den Beruf der Pinselmacherin lernt, kümmert sich um die hochwertigen Pinsel, wo die Haare noch mit den Fingern bearbeitet werden. Stile, Zwingen und Haare wurden zuvor eingekauft. Dann machen sich die Pinselmacher daran, mit Messer, Zange, Metallkamm und Maßstab Stück für Stück die jeweiligen Pinselformen zu fertigen.

Michelle Müller greift nach einem Büschel Haare und steckt diese behutsam in eine Metallhülse. Wenn alles sitzt, also eingezwingt ist, nimmt sie den Maßstab und misst die Länge. Die muss auf den Millimeter genau passen. Lose Haare werden vorsichtig ausgebürstet. Am Ende wird alles verkittet und der Stiel angesetzt. Je nach Pinselart sind bei dieser Handfertigung noch weitere Zwischenschritte erforderlich. 1,3 Millionen Pinsel sind im vergangenen Jahr auf diese Weise per Hand bei Zahn in Bechhofen gefertigt worden.

"Man kann sich schon mal pieksen mit dem spitzen Kamm. Aber das ist eher selten", sagt die Auszubildende. Im Freundeskreis musste sie genau erklären, was sie für eine Ausbildung macht. Schließlich lässt sich der Pinselmacher-Nachwuchs in Franken - die Bürstenmacher, mit denen Müller die Schulbank drückt, weggerechnet - leicht an einer Hand abzählen. "Wir versuchen jedes Jahr einen Lehrling einzustellen, wenn wir zwei kriegen, nehmen wir auch zwei", sagt Auerochs. Überwiegend seien es Frauen, die die Ausbildung machen.

Verlangt sind viel Fingerfertigkeit und Geschick. Nichts für Einfaltspinsel.