Arbeit hält jung. Dieses geflügelte Wort fällt einem ein, wenn man Günter Stöckel an seinem 90. Geburtstag gegenübersitzt. Und wenn er zu plaudern beginnt und einen Blick in seinen bisherigen Lebensablauf gewährt, kann man auch ahnen, dass harte Jahre dabei waren.

Im Februar 1945 wurde der in Schlesien geborene Jubilar im Alter von dreizehneinhalb Jahren evakuiert, bevor die Russen kamen - zusammen mit seiner Mutter und drei von vier Geschwistern; die jüngste Schwester war gerade mal zwei Jahre. Der älteste Bruder wurde mit sechzehn Jahren noch zum Wehrdienst eingezogen.

Mit dem Zug gelangte die Familie über die Tschechoslowakei nach Bayreuth und mit dem damaligen "Bockela" nach Altdrossenfeld. In der Brauerei Schnupp fanden sie mit zehn weiteren Familien ihre erste Unterkunft. Das Wirtshaus war zum Schlafen mit Stroh ausgelegt. Kurz danach wurden sie in Neudrossenfeld in ein Haus einquartiert, das eine alleinstehende Frau mit ihrer Tochter bewohnte. Günter Stöckel hat dann erst einmal ein halbes Jahr beim Straßenbau gearbeitet, dann auf einem Bauernhof angeheuert, damit die Familie etwas zu essen hatte. Mit 18 gelangte er nach Wuppertal und arbeitete in einer Stricknadel-Fabrik. Es folgte eine Maurerlehre. Mit dem Gesellenbrief kehrte er zurück und fand beim Baugeschäft Pöhner in Bayreuth eine Anstellung. 1956 kaufte er in Neudrossenfeld ein Grundstück, 1957 begann er zu bauen.

Ein Jahr lang hat er alles selbst gemacht, sechs Wochen lang mit der Schubkarre den Grund ausgeschachtet. Am Hochzeitstag im April 1958 ist er mit seiner Frau in das neue Haus eingezogen. Er hat den Maurerberuf aufgegeben und im Außendienst in ganz Oberfranken Bodenbeläge verkauft. Mit Beginn des Ruhestands 1992 entdeckte er seine Liebe zum Fahrrad. "Ich war 32 Jahre lang jedes Jahr 40 000 km mit dem Auto unterwegs - das reichte. 35 km radelte er täglich, meistens über Waldau, Fohlenhof bis zum Trebgaster Badesee, über Harsdorf, Zoltmühle und Pechgraben wieder zurück. Da kamen im Jahr auch bis zu 9500 km zusammen. Zweimal wurde er von Autofahrern "vom Rad geholt". Und zwar in zwei aufeinander folgenden Jahren, jeweils am Volkstrauertag und jeweils von jungen Frauen. 1963 erfüllte er sich mit einem Schäferhund einen großen Wunsch. 20 Jahre lang war er in der Vorstandschaft des Kulmbacher Vereins und bildete auf dem Gelände in Dreschen Schäferhunde aus. An die Feiern bei der "Hundskerwa" denkt er noch gerne zurück. Beim VdK war Stöckel 15 Jahre lang Ortsvorsitzender und Revisor im Kreisverband. Heute ist er Ehrenvorsitzender. Ebenfalls 15 Jahre war er beim heimischen TSV Übungsleiter für den Seniorensport. Auch beim Gartenbauverein half er als Revisor mit. Zum Geburtstag gratulierten drei Kinder und zwei Enkelkinder, Bürgermeister Harald Hübner, Pfarrer Elmar Croner, Vertreter der Vereine, Freunde und Nachbarn. dh