Der Fahrradunfall in der Spitalgasse (Seite 3) brachte es bis ins Stadtratsprotokoll: Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) rief die unfallflüchtige Radlerin auf, sich zu melden und die Konsequenzen zu tragen, wie sich das gehöre. Anlass war der Beschluss, die Stelle eines Radverkehrsbeauftragten in der Stadtverwaltung zu schaffen. Die 20-Stunden-Stelle ist zunächst auf drei Jahre befristet und soll zu 60 Prozent aus dem europäischen Leader-Programm finanziert werden. Trotz überschaubarer Kosten (jährlich 30 000 Euro für die Stadt) war die Stelle nicht unumstritten: In erster Linie fehle das Fahrradwegekonzept, sagte Michael Zimmermann (FDP). Jemanden, der für das Fahrradfahren werbe, brauche es angesichts des boomenden Fahrradmarktes nicht.

Es geht aber nicht nur um Werbung, wie Nahverkehrsbeauftragte Marita Nehring verdeutlichte: Der Radverkehrsbeauftragte könne die Stellen, die sich sonst mit dem Thema Radverkehr befassen, vernetzen und koordinieren, also Verkehrsplanung, Ordnungsamt und Tiefbau. Außerdem könne er Fördermittel für den Bau von Radwegen und weiterer Infrastruktur einwerben. Werben soll der oder die Radverkehrsbeauftragte auch dafür, dass alle Verkehrsteilnehmer die Regeln einhalten.

Für den Radverkehrsbeauftragten gab es am Ende eine große Mehrheit (drei Gegenstimmen). Umstrittener war ein fraktionsübergreifender Antrag, der - auch - mit dem Radfahren zu tun hatte: Es solle eine Arbeitsgruppe "Coburg auch ohne Auto erleben und genießen" gebildet werden, hatten SPD, WPC, Grüne und FDP beantragt. Der Arbeitsgruppe sollen Stadträte, Verwaltungsvertreter, Händler und weitere Innenstadtakteure angehören. Andreas Engel (CSU/JC) konnte darin aber keinen Sinn erkennen: Für solche Fragen sei der Senat für Mobilität und Klimaschutz zuständig, sagte er. "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bild' ich einen Arbeitskreis." Christian Müller (CSB) witterte "Autofeindlichkeit" hinter dem Antrag und forderte zuerst eine ganzheitliche Verkehrsplanung.

Ohne Auto werde es auch künftig nicht gehen, bestätigte Michael Zimmermann. Aber: "Der Verkehr muss umorganisiert werden. Die Welt geht nicht unter, wenn ein paar Leute mehr mit dem Bus oder dem Rad fahren." Er jedenfalls werde in der Arbeitsgruppe mitarbeiten, "um Vernunft mit reinzubringen". Eine Sichtweise, der sich dann Gerhard Amend (CSB) anschloss.

Nur: Der Antrag sah vor, dass nur die antragstellenden Fraktionen in der Arbeitsgruppe vertreten sein sollten. Das wurde dann zwar geändert, und Oberbürgermeister Dominik Sauerteig versicherte, dass er eh alle eingeladen hätte. Doch die CSU/JC will trotzdem nicht mitmachen, wie Andreas Engel bekräftigte: Der Arbeitskreis schaffe eine unnötige Doppelstruktur, sagte er sb