"Topografie - Keramik aus Bayern" - unter diesem Motto beteiligen sich gleich vier Töpferwerkstätten aus dem Kulmbacher Landkreis an der Ausstellung in der "Galerie Handwerk" der Handwerkskammer in der Landeshauptstadt. Auch in diesem Jahr wird die Galerie ihr Ausstellungsprogramm mit einer Keramikausstellung beginnen. Mit dabei sind die Töpferei Renner mit Eva Potzel aus Thurnau, Julia Tittmann aus Berndorf/Thurnau, Gerhard Trommler und Julia Naether aus Peesten/Kasendorf und Wolfgang und Natascha Knapp von der Töpferei Knapp aus Trebgast.

Ateliers aus ganz Bayern

Nach vielen internationalen Ausstellungen will sich die "Galerie Handwerk" nun mit der Keramik aus Bayern beschäftigen. Ganz bewusst soll diese Hinwendung auf die regionale Keramikszene stattfinden. Man sehe es als Aufgabe an, vor dem Hintergrund der anhaltend schwierigen Lage für den Kulturbetrieb und somit auch für das Kunsthandwerk in Bayern eine Möglichkeit zu schaffen, die Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und auf die Werkstätten aufmerksam zu machen, so die Veranstalter. Und der Begriff der Topografie ist ganz bewusst gewählt, denn die Ausstellung wird Werkstätten und Ateliers aus ganz Bayern präsentieren, vom nördlichen Oberfranken bis ins südwestliche Schwaben. 50 Werkstätten werden ihre Arbeiten vorstellen, wobei ein deutlicher Schwerpunkt auf der funktionalen Gebrauchsform und auf der Gefäßkeramik liegt.

Die Töpferei Renner zählt wohl mit zu den ältesten Töpfereien in Thurnau und Eva Potzel, die die Werkstatt im Jahr 2018 übernahm, hat sich unter anderem für einen "Erbsentopf" als Ausstellungsstück entschieden: "Den haben bereits meine Ur-Ur-Großeltern getöpfert und in dem Topf wurde früher der Erbsenbrei gemacht. Die Erbsen wurden zunächst in einem gewöhnlichen Topf gekocht und dann in den Erbsentopf gegeben und mit einem Holzlöffel in dem Bauch durchgerührt. Das ging aber auch mit gekochten und geviertelten Äpfeln zu einem Apfelbrei. Der Erbsentopf ist für unsere Töpferei, die es schon seit 1884 gibt, ein Markenzeichen."

Gerhard Trommler hat seine Werkstatt 1988 im früheren Schulhaus von Peesten eingerichtet, 2018 betreibt er sie mit Julia Naether gemeinsam. Sie stellen das erste Mal ihre Kunstwerke in München aus und haben sich auf Gartenkeramik und Geschirr für jeden Tag spezialisiert, aber es werden auch Kachelöfen entworfen und gefertigt. In München präsentieren Trommler und Naether vorwiegend Gebrauchsgeschirr. Trommler: "Es ist ein Geschirr, das handwerklich gut gefertigt und praktisch ist, gut in der Hand liegt und durch sein schlichtes Dekor erfreut."

Julia Tittmann arbeitet in der Keramik-Werkstatt ihres Vaters Claus Tittmann im Thurnauer Ortsteil Berndorf mit und hat sich schon als Kind mit dem Material Ton auseinandergesetzt. Seit 2015 übt sie eine Lehrtätigkeit an den Kulmbacher Gymnasien aus. Tittmann stellt unter anderem die "Bremer Stadtmusikanten" aus. "Jedes Stück erhält durch die Vielzahl zufälliger Einflüsse eine individuelle Ausdruckskraft."

Funktionalität und Ästhetik

Wolfgang und Natascha Knapp betreiben ihre Töpferei in Trebgast seit 1991 und beschäftigen sich hauptsächlich mit der Herstellung von Steinzeug-Geschirr. Wolfgang Knapp: "Bei unserer Arbeit versuchen wir die Verbindung von Funktionalität und Ästhetik herzustellen. Geschirr, das den heutigen Anforderungen entspricht und durch handwerkliche Fertigung einzigartig bleibt."

Die Ausstellung in der Landeshauptstadt München ist für die Knapps Neuland, aber ansonsten sind die Eheleute auf vielen Töpfermarkten unterwegs.