Im nächsten Jahr hat die Gemeinde Leutenbach Großes vor. Denn 2021 sollen fast alle schadhaften Wasser- und Abwasserleitungen im gesamten Gemeindegebiet saniert oder komplett erneuert werden.

Möglich macht dies die zum Jahresende auslaufende Richtlinie zur Förderung von Wasser- und Abwassereinrichtungen (RZWas 2018), mit der es fast durchweg noch 80 Prozent Zuschuss gibt. Zur Gemeinderatssitzung war deshalb der Ingenieur Ingolf Eckert von der Energieaktiengesellschaft Höhnen und Partner gekommen, um über das Vorhaben zu informieren.

Zum einen wird die Gussleitung, die bisher in Privatgrund liegt, von Mittelehrenbach bis zum Hochbehälter der Wasserversorgungseinrichtung durch eine PE-Leitung (Kunststoff) ersetzt und auf einer Länge von 560 Metern in einen öffentlichen Flurweg der Gemeinde verlegt. Diese neue Leitung kann laut Eckert auf eine Gesamttiefe von 1,70 Metern kostengünstig in den Schotterweg eingepflügt werden, der danach wieder hergestellt wird. Gleichzeitig werden die Strom- und Telefonleitungen erdverkabelt. Die Kosten dafür schätzt der Planer auf 239 000 Euro.

Die nächste Baustelle

Nächste Baustelle ist die Erneuerung von zwei mal 100 Metern Wasserleitung in der Dietzhofer- und der St.-Moritz-Straße, die auf Anregung des gemeindlichen Wasserwarts erfolgen. Geschätzte Baukosten hierfür sind 135 000 Euro. Nur 20 Prozent davon entfallen auf die Gemeinde und letztendlich alle Anschlussteilnehmer der Eigenwasserversorgung. Wie Bürgermeister Florian Kraft (FW) erklärte, bekomme die Gemeinde diesen hohen Zuschuss, weil sie unter die Härtefallregelung falle. Ein Neubau würde nicht gefördert werden, Sanierungen aber schon.

Kanal in Mittelehrenbach

Weitere Baustelle ist die bereits erfolgte Erneuerung von einem Teilstück des Regenwasserkanals im Bereich von zwei Privatanwesen in Mittelehrenbach. Dort kam es wegen der defekten Kanalleitung zu Fremdwassereintritt in den Oberflächenkanal. Der Regenwasserkanal in diesem Bereich könnte zu einem späteren Zeitpunkt noch verlängert werden, wenn weitere Grunddienstbarkeiten vorliegen. Die Arbeiten erfolgten mit kleinem Gerät, weil die Lage sehr beengt ist; Kosten hierfür: rund 120 000 Euro.

Gemeinderat Raimund Dörfer (WvE) aus Mittelehrenbach fragte, ob denn dann der Druck noch ausreiche, wenn in den Kanal kein Fremdwasser mehr einfließen könne, um die Leitung durchzuspülen. "Das ist genau die Meinung, die vor 20 Jahren noch geherrscht hat", gab ihm der Planer zurück. Heute dürften Kläranlagen maximal noch 25 Prozent Fremdwasseranteile aufnehmen. Da die Leutenbacher Kläranlage aber erst 2014 gebaut wurde und somit ziemlich neu ist, werden vom Wasserwirtschaftsamt bis zu 50 Prozent Fremdwasser geduldet.

Allerdings wird dies zunehmend strenger und der wasserrechtliche Bescheid gilt immer nur für 20 Jahre. "Die Ansichten von früher haben sich stark ins Gegenteil verkehrt, für Abwasseranlagen gibt es keinen Bestandschutz", erläuterte Eckert. Deshalb sei es wichtig, in Zukunft immer weniger Fremdwasser in die Kläranlage einzuleiten. Bedenken, dass die Leitung verstopfen könnte, hatte der Planer nicht, denn es fließe ja nur Regenwasser durch.

Baustelle an Obstmarkthalle

Eine weitere Baustelle wird die Kanalerneuerung im Bereich der Obstmarkthalle sein. Der alte Oberflächenwasserkanal in der Staatsstraße ist 20 Jahre alt und sollte mit Umverlegungen der Grundstücksanschlüsse auch gleich miterneuert und vergrößert werden. Der Planer betonte, dass dies keine Privatmaßnahme für die Obstmarkthalle sei. Denn dahinter würden auch noch das Feuerwehrhaus und weitere Grundstücke angebunden. Eine Erneuerung der Straße in Mittelehrenbach sei aber in diesem Bereich nicht möglich. Für den Bereich der Obstmarkthalle schätzt Eckert Kosten von 175 000 Euro und für den Bereich der Staatsstraße 535 000 Euro. Würde man diese hohe Förderung nicht bekommen, hätte man die Maßnahme sicherlich noch hinausgeschoben.

Problem in der Rosengasse

Das größte Problem stellt die Erneuerung des Regenwasserkanals in der Rosengasse dar. Hier sind die Platzverhältnisse so beengt - es liegen viele Versorgungsleitungen auf engstem Raum im Straßengrund -, dass Provisorien geschaffen und eine Scheune aufwendig gesichert werden müssten. Für die Anlieger wäre eine Bauzeit von zwei Jahren außerdem eine Riesenbelastung.

Ohne die Leitung der Telekom schätzt Eckert hier Kosten von 1,72 Millionen Euro. Da könnten locker noch mal 100 000 Euro ohne Bezuschussung draufkommen, meinte Eckert. Würde man nur den Mischwasserkanal sanieren und die Wasserleitung und den Regenwasserkanal erneuern, käme man immer noch auf Kosten von 1,14 Millionen Euro.

Doch dies ist Zukunftsmusik und wird auf die Folgejahre verschoben, da die alte Förderrichtlinie wegen der Bauzeit bis ins Jahr 2022 ohnehin nicht mehr greifen würde.

Eckert hofft, dass nächstes Jahr eine neue Förderrichtlinie mit ähnlich hohen Zuschusssätzen aufgelegt wird.