Gaukler und Gospelchor, Seiltricks und Specksteinkunst, Bogenschießen und "Big Sound Jack" - es gibt in der Region wohl kaum eine Veranstaltung, die neben einer entspannten Atmosphäre durch eine solch enorme Vielfalt beeindruckt wie das Staffelsteiner Altstadtfest. Gerade die Programmpunkte im mittelalterlichen Gewand dürften der Grund dafür sein, dass mancher eine weite Anreise auf sich nimmt, um dem Spektakel beizuwohnen.

Auch wenn der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund stand, setzten die dargebotenen, teilweise schon (fast) "ausgestorbenen" Handwerkskünste ein dickes Fragezeichen hinter die Wegwerfmentalität unserer Zeit. Der Charme des Originellen, aber auch Qualität spiegelten sich etwa in der von Robert Gagel gezeigten Schindelmacherkunst oder im Bürstenmacherhandwerk und Korbflechten wider.

Konzentration und eine ruhige Hand erfordert auch das Präparieren von Fossilien. Mit kleinen, gezielten Meißelschlägen arbeitete Bernd Ludwig, der seit 60 Jahren Fossilien sammelt, die Versteinerungen aus seinen Fundstücken heraus. Die Altstadtfestbesucher blieben stehen, Einheimische und Touristen kamen mit ihm ins Gespräch. 08/15-Ware hatten sie in diesem Moment nicht im Sinn.

Das Historische und das Leben in früheren Jahrhunderte lebte in der Adam-Riese-Stadt am vergangenen Wochenende auf. Was für ein schönes Bild, als beispielsweise beim feierlichen Festzug am Sonntagnachmittag Vertreter von teils uralten Handwerkskünsten durch die Straßen zogen. Bürgermeister, Stadträte und Bürger liefen in mittelalterlichem Outfit mit. Fröhlich jubelte die Menge ihnen zu.

Beschwingte Klänge waren auch schon anno dazumal ein Zeichen der Lebensfreude. Hier stand das Altstadtfest in nichts nach: Allerorten in der Innenstadt wurde von Freitagabend an musiziert. Gerd Backert und der Gospelchor "Good News" waren genauso mit von der Partie wie "Big Sound Jack", um nur einige Beispiele zu nennen. Und auch mittelalterliche Weisen wie etwa von der Gruppe "Vogelfrei" durften beim Altstadtfest nicht fehlen.

Gaukler, Tänzer und Schützen

Unterhaltsam und trickreich gestalteten sich die Darbietungen der Gaukler. So bezog "Zauberfritze" Friedrich Uslhöfer aus Wertheim zwei Kinder mit ein, die ihm assistierten, als er Ringe aus einem Seil löste, ohne selbiges zu durchschneiden. Auch Tanzauftritte heimischer Gruppen wie die Purzelgarde und die Minigarde des Staffelsteiner Karnevals-Klubs wurden mit Beifall belohnt. Zu den festen musikalischen Partnern beim Altstadtfest zählt längst der vielköpfige Spielmannszug aus Hofheim/Unterfranken, der übrigens auch den Festumzug begleitete.

Zielwasser war gefragt bei den ins Programm eingebundenen Wettbewerben. So war das Jedermannschießen des örtlichen Freihandschützenvereins ein Erlebnis für Teilnehmer und Publikum. An anderer Stelle an der historischen Stadtmauer in der Ringstraße veranstalteten die "Dornig-Schützen", eine Sparte der Kultur- und Freizeitfreunde Bad Staffelstein, heuer erstmals ein mittelalterliches Bogenturnier. Wer von den 26 Teilnehmern, die sich lustige Namen im Mittelalter-Slang ("Angela, Maid von der Blumenwiese", Guidoros Vestus Coburgus" etc.) gaben, es beim Finale aufs Siegerpodest schaffte, durfte sich über einen "Adam-Riese-Taler" freuen.

Wenn dir das Leben Zitronen beschert, mach Limonade daraus - getreu diesem Motto erfreute die Kulturinitiative Staffelstein (Kis) in der Phase der Sanierung der "Alten Darre" zum Altstadtfest mit einer tollen Idee: Am Sonntag öffnete die 1996 geschlossene Gaststätte "Schwarzer Bär" mit dem "Bärengelände" für einen Tag die Pforten. Unter der Devise "Kunst live" präsentierten sich Künstler der Kis. Dem fidelen 80-jährigen Günter Menhorn etwa konnten die Besucher beim Bearbeiten von Sandstein über die Schulter schauen, und Anton Köcheler brachte die Kunst des interessanten Linolschnitts nahe.

Nachdem sie schon am Mittwoch beim Kinderfest ihren Spaß hatten, wurden die jungen Besucher auch beim Altstadtfest nicht außen vor gelassen. Vergnügen bereiteten ihnen etwa die historische Wikingerschaukel in der Horsdorfer Straße oder die Kreativ-Meile am Rathaus. Die Jungen und Mädchen versuchten sich am Gestalten von Speckstein oder gaben ihr Bestes beim Stapeln von krummen Holzklötzchen - die erzielte Höhe wurde auf der Messlatte in der Einheit "Daumenbreit" angezeigt.

Beim Altstadtfest in Bad Staffelstein war halt alles wieder ein bisschen anders als im Alltag anno 2019. Bürgermeister und das gesamte Veranstaltungsteam zogen wieder ein positives Resümee und dankten den vielen Mitwirkenden vom Gaukler bis zum Gastronom für das gelungene Miteinander bei dem mit einem wunderschönen mittelalterlichen Feuerwerk ausklingenden Altstadtfestwochenende.