Wenn ein Schulleiter seinen Abiturjahrgang verabschieden darf, so ist das immer eine Ehre. Stephan Feuerpfeil, Leiter des Gymnasiums Alexandrinum, wurde diese Ehre am Freitag gleich dreimal zuteil. Damit auch die Familien der Abiturienten anwesend sein konnten, musste der Jahrgang wegen der geltenden Corona-Regelungen auf drei Partien aufgeteilt werden. "Ich kann in dieser Stunde nur einem Drittel des Jahrgangs die Zeugnisse verleihen", sagte Feuerpfeil bei einer der drei Veranstaltungen. "Und hätte ich Ihnen vor sechs Monaten verkündet, dass es möglicherweise überhaupt keine Entlassfeier gibt - und diese Gefahr bestand sehr lange - dann hätten Sie mich sicher für verrückt erklärt."

Schulschließungen, Home Schooling, Abstandsregeln und die anfängliche Unsicherheit, ob die Abiturprüfungen überhaupt stattfinden könne, begleiteten den Abiturjahrgang 2020 in den letzten Monaten. "Wie töricht ist es, Pläne für das ganze Leben zu machen, da wir doch nicht einmal Herren des morgigen Tages sind", zitierte Rektor Feuerpfeil den römischen Philosophen Seneca den Jüngeren. "Ich denke, die letzten Monate haben uns die Richtigkeit dieser zwei Jahrtausende alten Worte nur zu deutlich vor Augen geführt."

Umso mehr freute sich Feuerpfeil, dass alle 69 Schüler, die zur Prüfung angetreten waren, diese erfolgreich absolviert hatten. Dass es sich um einen außergewöhnlichen Jahrgang handele, sehe man auch daran, dass mit 31 Schülern fast die Hälfte im Zeugnis eine Eins vor dem Komma stehen hätten.

In sein Lob schloss Feuerpfeil auch ausdrücklich die Eltern der Schüler mit ein. "Sie haben in den letzten Wochen motiviert, beruhigt und während der Prüfungen mitgezittert", erinnerte er. Dem neuen Lebensabschnitt ihrer Kinder mögen die Eltern mit gemischten Gefühlen entgegensehen: Freude und Stolz, vielleicht Unsicherheit und Sorge, was die Zukunft den Kindern bringen werde, aber bestimmt auch Zuversicht und Vertrauen, dass die Werte und die Fürsorge, die die Eltern vermittelt hätten, Früchte tragen werden.

Ab sofort wird selbst entschieden

"Ab dem heutigen Tag wird unser Leben von Grund auf anders aussehen", kündigten die Abiturienten Lennart Sollmann und Melina Mentis in ihrer Rede an. Bis zuletzt habe die Schule das Leben der Schüler bestimmt und viele Entscheidungen seien ihnen abgenommen worden. "Nun können wir unser Leben selbst gestalten, haben aber auch die Aufgabe uns selbst zu finden", so die Abiturienten. Das mache jeder auf eine andere Art. Manche gingen zum "Work & Travel" nach Australien, andere ins BWL-Studium.

Ihren Mitschülern gaben die beiden mit auf den Weg, dass das Abiturzeugnis vielleicht Türen öffne, es sage aber nichts über die Zukunft aus oder über den Beruf, den man einmal ausüben werde. Es gelte weiterhin, seine Stärken unter Beweis zu stellen, denn für einen späteren Arbeitgeber werde das jetzige Zeugnis nicht das Wichtigste sein. Interesse, Engagement und Spaß an der Arbeit zählten genauso mit dazu. "Wir glauben, dass einem alle Türen offenstehen, auch wenn man keinen Eins-Komma-Schnitt hat."

Prämien für die Besten

Leistungsprämien für einen Gesamtnotendurchschnitt von 1,5 oder besser erhielten: Hannes Rosensprung, Hristo Petkov, Magdalena Porombka, Hanna Alex, Jessica Pohl, Sophia Schleifenheimer, Benjamin Hornung, Lilli Schnabel, Nele Schubert, Jacob Franke, Selina Müller, Vincent Plötz und Marie Volk. uso