Da waren sich alle einig: Wir brauchen sie nicht und wir wollen sie nicht, die drohende Stromtrasse P44 durch den Landkreis Haßberge. Der CSU-Ortsverbandsvorsitzende und Bürgermeister von Burgpreppach, Hermann Niediek, hatte zu einem Bürgergespräch mit Landtagsabgeordnetem (MdL) Steffen Vogel und Landrat Wilhelm Schneider, beide CSU, ins Gasthaus Rädlein eingeladen.
Eine Stromleitung von Schalkau in Thüringen nach Bergrheinfeld "könnte uns treffen", meinte MdL Vogel, da eine Trassenführung entlang der B 303 ins Auge gefasst werden könnte. Der Netzbetreiber Tennet habe die Trasse P44 bei der Bundesnetzagentur (BNA) angemeldet. Die bayerische Staatsregierung habe klar geäußert, dass man diese Leitung nicht brauche, die BNA dagegen sage "doch!". Da diese dem Wirtschaftsministerium unterstehe, müsse nun der Bundestag entscheiden. Man könne im Süden dezentral genügend Strom produzieren, doch Tennet wolle Strom vom Norden nach Süden transportieren, auch weil Deutschland Strom nach Österreich und Tschechien exportieren wolle.


Appell an die Bürger

Ziel müsse sein, so war man sich einig, dass die Leitung generell abgelehnt wird. Sie sei aus verschiedenen Gründen nicht nötig. Laut Landrat Schneider sind Resolutionen der Landkreise Haßberge, Schweinfurt und Coburg sowie der betroffenen Gemeinden und der politischen Vertreter der Region gelaufen oder im Laufen.
Gerald Hellmuth (Maroldsweisach) betonte, dass sein Arbeitgeber, die Stadt Coburg, nur noch dezentral gewonnenen Strom kaufe. Er forderte die Bürger auf, sich gegen die Stromtrasse durch den Landkreis zu wehren. Drastisch schilderte er ihre Ausmaße: Egal ob bei einer Überlandleitung (Mastenhöhe etwa 60 bis 70 Meter) oder einer Erdverkabelung - es entstehe über viele Hundert Kilometer eine 100 Meter breite Schneise durch den Wald.
Bisher haben sich nach Aussage des Bürgermeisters noch nicht viele Bürger in die Protestlisten eingetragen. Diese lägen im Dorfladen in Burgpreppach und bei den zuständigen Verwaltungsgemeinschaften auf.


Entlastung der Gemeinden

Ein weiteres Thema war die Abschaffung der Anliegerbeiträge zum Straßenausbau. MdL Vogel sagte, ab dem 1. Januar 2018 solle die Entlastung der Bürger greifen. Im Gegensatz zu dem Volksbegehren sehe der Entwurf der Staatsregierung, der in erster Lesung behandelt wurde, auch eine Entlastung der Gemeinden vor. Denn die entfallenden Bürger-Beiträge werde der Staat in voller Höhe übernehmen. Sollte die Regelung wie geplant kommen, könnten beispielsweise die Ueschersdorfer Glück haben, weil bei ihnen der Straßenbau zwar abgeschlossen ist, die Bescheide aber noch nicht verschickt wurden.