Karl-Heinz Hofmann

Der zweite Lockdown, die Einschränkungen an Weihnachten und zuletzt das gastronomische Aus an Silvester - die aktuellen Maßnahmen der Politik sind der immensen Zahl an Corona-Neuinfektionen geschuldet. Was einerseits gesundheitspolitisch sinnvoll erscheint, trifft andererseits die Gastwirte in der Region mit voller Wucht. Das stellen beispielsweise die Betreiber der Traditionsgaststätte "Hauckensepper" klar.

Der "Hauckensepper" (Josef Rebhan) führt seit annähernd vier Jahrzehnten mit seiner Ehefrau Eleonore die Familien-Traditionsgaststätte gleichen Namens in vierter Generation. Die Corona-Pandemie hat das Ehepaar nachdenklich gemacht. Seit Anfang der 1980er Jahre haben beide so ein Hin und Her an Beschränkungen, Vorschriften und Bestimmungen noch nicht erlebt.

Wer den Gastwirt kennt, der weiß, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Doch jetzt ist er sprachlos. Erst nach einigem Zögern äußern sich die Eheleute zur aktuellen Situation.

Viele Auflagen und Vorschriften

"Was jetzt der Gastronomie zugemutet wird, spottet jeder Beschreibung", wettern beide gegen die vielen Auflagen und Vorschriften.

Bevor man das Speiselokal betritt, leuchten den Gästen Hinweisschilder und Aufforderungen entgegen: Abstand halten! Bitte Schutzmaske tragen! Beim Betreten des Gastraums weisen Bodenmarkierungen darauf hin: bis hierher und nicht weiter! Außerdem stehen mehrere Desinfektionsbehälter bereit.

Die Gastwirte und Gäste hielten sich strikt an die strengen Hygiene-Auflagen, und doch bekämen sie kurz vor Weihnachten nochmal "eins auf den Deckel", meint das Wirtsehepaar.

Ärger mit Stammabholern

An der eigenen Imbissbude vor der Gaststätte gibt es beim "Hauckensepper" normalerweise jeden Samstag frische Bratwürste und Steaks vom Rost. Besonders bei schönem Wetter war es für die Stammabholer üblich, kurz im Biergarten zu verweilen, bis die ganze Bestellung fertig war. Dabei wurde natürlich schon mal eine Wurst verdrückt.

"Jetzt", sagt der Wirt, "darf keiner mehr auf meinem Grundstück essen, so dass ich ihn des Platzes verweisen muss." Nicht alle zeigten dafür Verständnis, und es gebe schon Ärger.

Ebenso verhält es sich seinen Worten nach beim Abholen von Speisen aus der Gaststätte. Wegen der Abstandsregeln dürfen die Gäste nur einzeln eintreten, die übrigen warten in der Kälte.

Das Gastronomen-Ehepaar sieht dadurch die gesamte Wirtshauskultur in Gefahr. Die bestehe ja nicht nur aus Gästen, die zum Essen kommen. Vielmehr gebe es auch die Stammgäste, die auf ein Bier kommen, um sich unterhalten zu können. Auch die Pläne, das Wirtshaussingen nach dem ersten Erfolg im November 2019 weiter zu etablieren, seien vom Virus erst einmal zunichte gemacht worden, bedauern die Wirtsleute. Sie werden melancholisch, wenn sie heute auf die leeren Tische und ihre zwei einladend dekorierten Gasträume sowie den mit viel Herzblut aufgebauten Biergarten blicken. "Uns fehlt natürlich auch persönlich täglich der Umgang mit Menschen", geben sie mit Wehmut in der Stimme zu. "Die wissen gar nicht, was sie den Gastronomen zumuten. Wir mussten von heute auf morgen unsere Gasthaustüren schließen."

Auch nach den Vorbestellungen frage niemand. Kommunion- und Konfirmationsfeiern, Hochzeiten, Geburtstage und viele weitere Vorbestellungen hätten im Kalender gestanden. "Wir mussten all unsere Gäste informieren, konnten aber leider auch nicht sagen, wie es weitergeht. Viele unserer eingekauften Vorräte mussten wir zurückgeben, von den Verlusten ganz zu schweigen." Es bleibe nur der Dank an die Familie und das treue Personal.

Gott sei Dank hätten zudem die meisten Gäste großes Verständnis für die Situation der Wirtsleute gezeigt.

Bogenschießen gegen den Frust

Plötzlich holt der "Hauckensepper" seine Bogen-Sportausrüstung hervor. Der 69-Jährige, ein versierter Sportschütze, ist immer noch für Überraschungen gut. Statt an den Zapfhahn macht er sich nun in der Gastwirtschaft an Pfeil und Bogen. Die beiden Gasträume werden zum Übungsraum fürs Bogenschießen. Dabei bringt er es auf weit über 30 Meter Abstand zur Zielscheibe.

"Da kannst du deinen ganzen Frust rauslassen, denn dieser Sport erfordert nicht nur Konzentration und Treffsicherheit, sondern es gehören auch Kraft und Kondition dazu", sagt er. Und Kraft sowie Ausdauer können Wirte angesichts der Pandemie gar nicht genug trainieren.