Die Genussregion am Obermain wurde durcheinandergewirbelt. Der Lockdown veränderte fast alles. Liebgewonnene Gewohnheiten und Rituale sowie Bewährtes und Traditionelles. Gastronomen waren gezwungen, sich Neues einfallen zu lassen, um ihren Gästen weiterhin Genusserlebnisse zu bieten - unter Beachtung der Abstands- und Hygienevorgaben.

Michael Möslein, der Verwaltungsleiter des Bildungszentrums Kloster Banz der Hanns-Seidel-Stiftung: "Es ist grundsätzlich befremdend für uns alle gewesen, mit Visier oder Mund-Nasen-Schutz zu arbeiten. Wir Dienstleistungs- und Servicemenschen fühlten uns dadurch stark gehandicapt, weil wir ja die Nähe zu den Menschen suchen." Man müsse Menschen mögen, um für die Arbeit in der Gastronomie geeignet zu sein.

Zur Situation passende kreative Lösungen

"Körpersprache, Gestik und Mimik sind seither nur eingeschränkt möglich. Wir haben gelernt, mit der Situation umzugehen und in allen Bereichen kreative Lösungen zu suchen." Im Bildungszentrum Kloster Banz, das alljährlich von Zigtausend Seminargäste besucht wird, mussten die Frühstücks- und Kaffeepausen anders organisiert werden. Bis zum Lockdown tummelten sich die Gäste in den Pausen an Stehtischen und versammelten sich um Plätzchenteller. Nun stehen Service-Mitarbeiter mit Gesichtsvisier oder Mund-Nase-Schutz hinter einem Buffet, das zusätzlich durch große Plexiglasscheiben abgetrennt ist. "Der Gast darf außer mit seinem fertigen Teller nicht mehr mit Speisen in Kontakt kommen", sagt Michael Möslein. "Außerdem trennen wir die Gäste weitläufig im jeweils eigenen Seminarraum und ihrem geschlossenen Aufenthalts- und Fernsehraum sowie in einem separaten Speisesaal", fährt er fort.

Aktuell fänden vier Seminare mit je maximal 30 Teilnehmern im Bildungszentrum statt, die überhaupt nicht zusammenkommen. In den Sommermonaten würden nun der Bruderhof, die Maintalterrasse und der Kräutergarten verstärkt genutzt. Das seien für die Seminarteilnehmer sehr schöne Orte, doch das bedeute große Mehrkosten: "Die Hälfte der Gäste wie zuvor, aber doppelten Aufwand." Michael Möslein: "Du musst jetzt mit allem wuchern, was du anbieten kannst - jetzt bauen wir bewusst unsere wundervollen Baulichkeiten mit ein, denn wir wollen den Menschen einen Mehrwert geben. Bewusst bieten wir das Bierstübl jetzt nicht an, weil dieses Stübchen dazu verführt, Abstandsregeln nicht einzuhalten. Achtsamkeit ist das Gebot."

Die Sicherheit gehört zum Genuss dazu

"Die meisten Gäste wissen das zu schätzen - die Menschen fühlen sich sicher bei uns", sagt der Verwaltungsleiter. "All diese Corona-Maßnahmen fallen den Gästen kaum auf, so dass sie die Speisen genießen können", ergänzt er. Sämtliche Mitarbeiter wurden intern und extern in der Hygienethematik geschult. "Ein guter Kellner ist der, den du nicht bemerkst - aber dein Glas muss immer voll sein. Bei Hygieneregeln verhält es sich ähnlich. Dadurch dass wir derzeit weniger Gäste haben, sind wir flexibler geworden - wir lassen die Gruppen zeitversetzt speisen." So sei zum Beispiel die Mittagstischzeit aufgeweitet worden, das Zeitfenster sei nun größer.

Experimentierfreudig mache auch die Küche mit und probiere neue Rezept aus. "Im vergangenen halben Jahr haben wir mehr Speisen anbieten können als in den Jahren zuvor. Wir sind bunter geworden, was das Speisenangebot betrifft." Michael Möslein: "Früher stellten wir ein Buffet hin, nun entwickelten wir neue Methoden, damit der Gast sich wohl und sicher fühlt und mit allen Sinnen dem Genuss nachgehen kann."

Bewirtung im Freien wurde gut angenommen

Der Braumeister und Wirt Reinhold Reblitz aus Nedensdorf hat im Sommer seinen Hof mit Biertischen und -bänken bestückt. Das sei gut angenommen worden und werde im nächsten Jahr beibehalten: "Die Leute holten sich die Getränke selbst, das Essen wurde serviert." Im Winter werde er trotzdem keine Heizpilze rund ums Nedensdorfer Brauhaus aufstellen: "Es sind zu wenig Gäste, die unter einem Heizpilz sitzen wollen - auch die Jungen wollen in die warme Stube." Die meisten Gäste seien mit dem größeren Abstand zu anderen im Lokal zufrieden, ergänzt Reinhold Reblitz. Weil jedoch gerade ältere Menschen häufig als Zwei-Personen-Gruppen unterwegs seien, "hat man die Gaststube schnell voll", was zu geringeren Einnahmen führe.

Biergarten wird optisch aufgewertet und beheizt

Martina Fischer und Rudi Horn bewirten Einheimische und Urlauber in der "Alten Mühle" in Horsdorf. Sie richten sich so gut wie möglich auf die Corona-Abstandsregeln ein. "Der Gast genießt den Platz - er genießt, dass er mehr Aufmerksamkeit vom Servicepersonal bekommt", sagt Martina Fischer. Wie es in Herbst und Winter weitergehen soll, haben sich die beiden auch schon überlegt. "Bei uns kommt ein Jura-Ofen in den Biergarten sowie eine kleine Markthütte", beschreibt Martina Fischer den Plan. Lichtquellen sollen den Biergarten an der Lauter illuminieren und geschmackvoll gestaltete Deko mache ihn gemütlich. Der Stammtisch werde mit einer Plane abgetrennt und als Zusatzraum für zehn Personen nutzbar. Im Biergarten sollen zudem Heuballen als Abstandsregler und Sitzflächen dienen. Zwei Heizpilze und Stehtische werden aufgestellt, um Gästen an milderen Wintertagen den Aufenthalt im Freien zu ermöglichen.