Michael Busch

So richtig neu ist die Idee nicht. Es gab eine Zeit, da hat man gerade in Universitäten, manchmal aber auch in Unternehmen, am Schwarzen Brett einen Zettel gefunden auf dem zu lesen stand: "Mitfahrgelegenheit gesucht - muss morgens von dort nach hier!" Die Erfolgsquote? Schwierig zu ermitteln oder ob dann doch getrampt wurde respektive ein eigenes Vehikel genutzt wurde.
Der Zettel ist nun diverser Apps gewichen. Unterschiedlichste Anbieter buhlen um die Gunst mitfahrerfreudigen Menschen. In Herzogenauracher Unternehmen ist dies das Portal des Anbieters SAP namens "Two Go".


Erfolgreich gestartet

Angefangen hat alles 2011. In diesem Jahr hat SAP das Mitfahrportal im eigenen Unternehmen eingeführt. Seither haben sich über 12 000 SAP-Mitarbeiter registriert. Laut Auskunft des Unternehmens addieren sich die vermittelten Fahrten auf eine Gesamtlänge von weit über eine Million Kilometer. Der Erfolg? Fast 200 Tonnen an Treibhausgasen seien eingespart worden. Im April 2013 wurde die App an Business-Kunden weitergegeben. "Mit der Öffnung für private Nutzer kommt jetzt eine Vielzahl weiterer Anwendungsfelder hinzu", erklärte damals SAP-Manager Daniel Schmid.
In Herzogenaurach ist das System seit 2015 bekannt. Puma und Adidas stellen den Mitarbeitern diesen Service zur Verfügung. Die Erfahrung ist, dass die Möglichkeit in wenigen Augenblicken die passenden Mitfahrgelegenheiten zu finden oder anzubieten rege genutzt werde. So erfolgreich, dass die beiden Unternehmen nun eine lokale Allianz initiiert haben, um nachhaltig den Verkehr in und um Herzogenaurach zu mindern und etwas für die Umwelt zu tun.
Bürgermeister German Hacker (SPD) ist angesichts des Bündnisses der beiden Sportfirmen, der Fachklinik Herzogenaurach und der Vipa sowie der Stadt selbst von der Idee begeistert. "Allein wenn jeder Zweite umsteigt, reduziert sich der Verkehr um genau diese Hälfte." Er gibt zu, dass dies ein Idealbild sei, die Mitfahrapp aber einen Anfang darstelle, um ein Bewusstsein in diesem Bereich zu schaffen.
Bernd Gräßer von Adidas erklärt: "Den Nutzer kostet die App und das Nutzen derselbigen gar nichts. Lediglich wir Unternehmen bezahlen eine Lizenzgebühr, um das System hier zur Verfügung zu stellen." Puma-Personalchef Dietman Knöß ergänzt: "Wir sehen das tatsächlich als Serviceleistung für den Mitarbeiter und einer nachhaltigen Umweltpolitik."
Ein weiterer positiver Randaspekt neben dem angestrebten Umweltschutz sei, dass man auch Menschen kennenlerne. Und nein, es gebe keine Verbote, dass Mitarbeiter unterschiedlicher Firmen nicht zusammen fahren dürften. Im Gegenteil: Menschen, die in keiner dieser Firmen arbeiten, können das Angebot auch nutzen. Man müsse sich nur einmalig bei Two Go anmelden; als Fahrer oder Mitfahrer.