Der Umbau der Grundschule und der Anbau eines Horts sind gerade mal einige Monate abgeschlossen und der Neubau des Kindergartens befindet sich derzeit in der Rohbauphase, da kommt schon das nächste Kostenmonster auf die Kommune zu, das kurz- und mittelfristig mit möglichst viel Geld gefüttert werden will. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats bereitete das Ingenieurbüro Riwa die Räte darauf vor, sich schon mal gedanklich damit zu beschäftigen, wie sie die Sanierung des Trebgaster Kanalnetzes zumindest teil- und abschnittsweise im Haushalt der nächsten Jahre unterbringen wollen.

Zu den Fakten: Die Sammlung und Beseitigung von Abwasser gehört zu den hoheitlichen Aufgaben einer Kommune. In die etwa 15 Kilometer lange Trebgaster Kanalisation sind bisher rund zwölf Millionen Euro geflossen. Die Anlagen der Abwasserentsorgung stellen somit zweifelsohne wertvolle Wirtschaftsgüter dar, deren Werterhalt eine Zukunftsaufgabe (Stichwort Generationenvertrag) darstellt.

Schäden bewertet

Um diesen Werterhalt sicherzustellen, spielen Sanierungsmaßnahmen eine wichtige Rolle. Die Regularien dafür hat der Freistaat in einer Eigenüberwachungsverordnung festgelegt. Danach muss im Kanalnetz alle zehn Jahre eine Spülung mit Sichtprüfung und Kontrolle vorgenommen werden. Die Schäden müssen bewertet und je nach Zustand repariert werden.

Nach einer Nutzungsdauer von 50 bis 60 Jahren ist es normal, dass das Netz Schäden aufweist. "Dieses Problem hat im Landkreis sicherlich nicht nur Trebgast allein", beurteilt Bürgermeister Herwig Neumann (CSU/NWG) die Lage.

Die aktuelle Situation: 2015 erarbeitete die Firma Riwa ein durchgängiges Schachtnummerierungssystem und erstellte ein flächendeckendes digitales Kanalkataster. Gleichzeitig wurde die Firma Drechsler beauftragt, eine TV-Inspektion durchzuführen. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen hat Riwa die Bestandsdaten im Kanalregister fortgeschrieben. Damit verfügt die Gemeinde über sauber strukturierte geometrische Kanalstammdaten.

Auf dieser Grundlage hat Riwa in der Folge eine bauliche Zustandsbewertung des Kanalnetzes vorgenommen - aufgeteilt in vier örtliche Abschnitte und je nach Sanierungsbedarf in vier Objektklassen. Ralph Mimler stellte das Ergebnis jetzt im Gemeinderat vor.

Fazit: Spannend war vor allem die grobe Kostenschätzung für die Objektklassen 0 und 1, für die nach Vorgabe des Landesamts für Umwelt eine sofortige (0) beziehungsweise kurzfristige (1) Sanierung zu planen und zu veranlassen ist. Auch wenn sie es sich äußerlich nicht unbedingt anmerken ließen: Bei der Folie mit der Endsumme von 1,829 Millionen Euro (527 597 Euro sofort, 918 534 Euro kurzfristig und 374 122 Euro für Regenwasser) sind wohl alle erschrocken. Auch Bürgermeister Neumann. "Nicht nur für mich ist das erst einmal ein Schock." Und nach einer kurzen Pause: "Aber beten hilft jetzt auch nichts. Wir können es nicht auf einmal anpacken. Gemacht und bezahlt werden muss es aber so oder so. Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen, wir müssen es angehen, ob wir wollen oder nicht."

Neumann bedauerte, dass es haushaltsrechtlich nicht zulässig ist, für diese Ausgaben Rücklagen zu bilden und bat darum, sich auch einmal folgendes vor Augen zu halten: "Wir brauchen nur den Hahn aufzudrehen, und Tag und Nacht kommt jeden Tag 24 Stunden lang einwandfreies frisches Wasser in Trinkqualität aus der Leitung und wird anschließend umweltgerecht entsorgt."

Was kommt auf die Bürger zu?

Ralph Mimler zeigte noch verschiedene Möglichkeiten der Sanierungsabwicklung und der Finanzierung auf: Hier bieten sich eine Aufteilung der Maßnahmen auf sieben oder acht Jahre und die Steuerung über verschiedene Abschreibungsmodi an. Natürlich wird das nicht ohne eine Belastung für die Bürger ausgehen. Die Trebgaster werden sich auf höhere Verbrauchsgebühren einstellen müssen, denn ein nicht geringer Batzen wird bei der nächsten Abrechnungsperiode in die Kalkulation mit einfließen.

Fördersituation nicht gerade rosig

Bleibt noch die Frage nach den Förderungsmöglichkeiten. Und auch hier sind die Aussichten nicht unbedingt rosig: Gemäß Richtlinien werden hier als Kriterien die Summen herangezogen, die seit 1995 für das Kanalnetz aufgebracht wurden. "Und da müssen wir erst einmal die Hälfte der hier vorgestellten Summe investieren, um überhaupt in die erste Förderstufe zu kommen", ist die Leiterin der Verwaltung, Karin Winkler, realistisch. Eines ist demnach sicher: Das Thema wird auch noch den nächsten Gemeinderat beschäftigen.