Josef Hofbauer

Politisch interessiert ist Thomas Mainusch seit seiner Jugend. Früher sympathisierte der 48-jährige selbstständige Kaufmann, der sein Geld mit einem LED-Handel verdient und nun als Direktkandidat der Freien Wähler im Wahlkreis Bayreuth/Forchheim in den Deutschen Bundestag will, mit der SPD. "Aber das ist schon gar nicht mehr wahr", schränkt Mainusch ein.
Politische Vorbilder sind für ihn Persönlichkeiten wie Willy Brandt, Herbert Wehner oder Helmut Schmitt. "Die sind noch für ihre Überzeugung eingestanden, auch wenn die nicht dem Mainstream entsprochen hat", findet Mainusch, der 20 Jahre im Ausland, vorwiegend im pazifischen Raum gelebt hat.
Mit 26 ging der gelernte Maschinenbautechniker nach China, um eine Bau-überwachung anzunehmen. Dann lebte der gebürtige Forchheimer, der Englisch genauso gut spricht wie Deutsch, und der sich auch auf Chinesisch verständigen kann in Korea, Malaysia, Taiwan und China. Seine Tochter (20) ist ebenfalls mehrsprachig aufgewachsen und spricht chinesisch perfekt.
Von dem, was während seiner Abwesenheit in Deutschland passiert ist, habe er wenig mitbekommen. "Aber ich war geschockt, was sich hier alles verändert hat", erklärt Mainusch, der als "Kind der 80er Jahre" geprägt ist vom Kampf gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf. Er findet es "grauselig", was sich die Menschen hier alles gefallen lassen. Die Leute seien so unkritisch geworden, glaubten alles, was ihnen in den Medien vorgesetzt werde.


Zu oberflächlich geworden

Als Beispiel nennt er Präsident Kim Jong-un, der mit einem nordkoreanischen Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam gedroht hatte. "Da wären die Nato-Staaten wie Deutschland nicht verpflichtet, die Amerikaner militärisch zu unterstützen", auch wenn das in den Medien immer wieder behauptet werde. "Guam gehört nicht zu dem Gebiet, für das die Beistandspflicht im Nordatlantikvertrag festgeschrieben wurde", unterstreicht Mainusch, der sich vor allem über englischsprachige Nachrichtendienste über das Weltgeschehen informiert, der aber auch die Tageszeitung liest.
Aber nur zu schimpfen bringt nichts. Deshalb habe er sich auch entschieden, für die Freien Wähler in den Wahlkampf zu ziehen.
"Mir geht es um Sachpolitik, nicht um Ideologien", betont Mainusch. Sein größtes Anliegen ist die Mittelstandspolitik. Sie ist das A& O der Wirtschaftspolitik. Deshalb fordert er für die Handwerker in den Grenzregionen eine Regionalförderung. Sonst könnten sie sich der Konkurrenz in Tschechien oder Polen nicht erwehren.
Mainusch findet es auch nicht richtig, "dass aus jedem Flüchtling ein Migrant gemacht wird." Asyl sei eine Sache, die geregelte Zuwanderung eine ganz andere. Der Mann im korrekten Anzug und schütter werdendem Haar findet auch, dass wieder mehr Arbeitsplätze in die Region müssen. "Die Arbeit muss zu den Menschen kommen, nicht die Menschen zur Arbeit", sagt Mainusch im Hinblick auf das schnelle Internet. Arbeitsplätze in der Fränkischen Schweiz würden ein Menge infrastruktureller Probleme lösen, angefangen vom drohenden Verkehrskollaps bis zur Altenpflege.
Sind die Menschen vor Ort, haben sie auch wieder mehr Zeit, sich in Vereinen oder in der Kommunalpolitik zu engagieren. Es gäbe volle Kindergärten und genügend Schüler. Auch die Fürsorge für ältere Menschen sei so besser in den Griff zu bekommen.
Für dringend verbesserungsfähig hält Mainusch auch die Infrastruktur. Beim Güterverkehr müsse viel mehr auf die Bahn verlagert werden und für die ausländischen Lkw-Fahrer müsse endlich auch der deutsche Mindestlohn gelten. In anderen Ländern sei das gängige Praxis. Nur nicht in Deutschland werde das einfach nicht gemacht.
Diese Mittelmäßigkeit, das "passt scho" und "weiter so", fällt uns noch einmal brutal auf die Füße, fürchtet Mainusch, der sich gegen Pauschalaussagen wehrt. "Wenn ich lese, dass für die Produktion von einem Kilo Fleisch 15 000 Liter Wasser benötigt werden, geht mir das über die Hutschnur. Das Wasser wird gebraucht und nicht verbraucht, schließlich haben wir einen Wasserkreislauf", stellt Mainusch klar. In der Landwirtschaft sei nicht die Massentierhaltung das Problem, sondern die Haltungsbedingungen der Tiere. Die müssten klar definiert und überwacht werden. Für bedenklich hält der Bundestagskandidat die Tatsache, dass 50 Prozent eines geschlachteten Schweins nicht mehr in die menschliche Ernährung gebracht werden. "Da muss ein Umdenken stattfinden", fordert Mainusch.


Das Land verkauft seine Zukunft

Als Skandal bewertet der Kaufmann aus Bärnfels den Ausverkauf deutscher Technologie in Richtung Fernost, eine Region in der er sich bestens auskennt. Aus eigener Erfahrung berichtet er, dass es in Deutschland kaum noch innovative Halbleiter-Industrie gebe. "Was bei uns produziert wird, ist eine Generation schlechter, als das, was in China hergestellt wird", behauptet Mainusch. Die Folge: "Mit jedem Arbeitsplatz, der beispielsweise bei Siemens verloren gehe, verschwinden weitere Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie."
So kann sich Mainusch nur wundern, dass die Kuka-AG, ein Unternehmen der Maschinenbaubranche, in chinesischer Hand ist. "So etwas macht kein anderes Land auf der ganzen Welt", kritisiert Mainusch. Er fürchtet: "Mit diesem Know- how machen die Chinesen die heimische Industrie kaputt."
Eine umfassende Reform fordert der FW-Kandidat auch in Sachen Bildung. "Sie muss mehr sein, als nur Ausbildung. Wenn ich schaue, was alles auf Facebook steht, kann ich nur sagen: Da läuft was schief. Vor allem wenn ich von Bestrebungen lese, dass sich das Schulsystem an den schwächeren zu orientieren habe." Das Gegenteil sei richtig.
Deshalb träumt Mainusch von einem Europa der Regionen. "Was wir haben, ist Gleichmacherei und das ist falsch. Ein Schinken aus Italien muss anders schmecken, als der aus dem Schwarzwald", betont Mai-nusch, der gerne mehr regionale Produkte in den Supermärkten finden würde. Diese Positionen vertritt Mainusch auf Podiumsdiskussionen des VdK, der Industrie- und Handelkammer (IHK) und des Bauernverbandes (BBV), zu denen er eingeladen ist. Auch bei der Podiumsdiskussion des FT am 12. September ab 19.30 Uhr in der Aula der Grund und Mittelschule Ebermannstadt wird Mainusch vertreten sein.
Er fordert: "Wir brauchen mehr Vorbilder. Die Einführung von Shareholder Value war das Ende der Menschlichkeit in den Betrieben." Dies will Mainusch ändern. "Zumindest will ich es versuchen", sagt er.