Handwerker gesucht: Der Mangel an Fachkräften könnte für Bamberger Baufirmen in den nächsten Jahren zu einem ernsten Problem werden. Davor warnt in einem Pressebericht die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) und verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit.

Danach gibt es in den Bauberufen immer größere Schwierigkeiten, Personal für offene Stellen zu finden. Im vergangenen Jahr blieben in Bamberg 49 Stellen in der Branche länger als 90 Tage unbesetzt. 2018 waren es 39 Stellen, ein Jahr zuvor 26. Im Landkreis waren es 100 Stellen in der Branche, die länger als 90 Tage unbesetzt blieben (2018: 73 Stellen, ein Jahr zuvor 48).

"Ob es um den Bau von Wohnungen und Straßen oder die Sanierung von Brücken geht - viele Firmen arbeiten wegen der anziehenden Nachfrage längst am Limit. Und das sogar in Zeiten von Corona. Um die Aufträge zu bewältigen, müssen sie jetzt in die Fachleute von morgen investieren", sagt Gerald Nicklas, Bezirksvorsitzender der IG Bau Oberfranken. Die Branche müsse jedoch deutlich attraktiver werden. Das fange bei einer besseren Bezahlung an, so Nicklas.

In der laufenden Tarifrunde für das Bauhauptgewerbe fordert die Gewerkschaft ein kräftiges Lohn-Plus. Außerdem soll die lange, bislang meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden.

"Aktuell erleben wir einen regelrechten Facharbeiter-Schwund. Drei Jahre nach der Ausbildung haben im Schnitt zwei von drei Bauarbeitern ihre Branche verlassen. Der Trend muss unbedingt gestoppt werden", betont Nicklas. Neben höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen komme es dabei auch auf ein gesundes Betriebsklima an. Beschäftigte vermissten häufig Respekt und Anerkennung für ihre Leistung.

Wie sehr der Fachkräftebedarf in Zukunft anwachsen könnte, zeigt laut der Gewerkschaft eine Studie der Sozialkassen des Baugewerbes (Soka-Bau). Danach dürften in den nächsten zehn Jahren bundesweit 150 000 Bau-Beschäftigte in Rente gehen. Das ist jeder sechste Arbeitnehmer in der Branche. red