Welche Eigenschaften muss man in diesem Beruf mitbringen?
Die Pflege ist gewissermaßen ein Allround-Job: Vom Seelsorger bis zum Hausmeister. (
lacht) Daher muss man zum einen Selbstbewusstsein haben, Nerven wie Drahtseile, aber auch ganz viel Herz für die Menschen. Wichtig ist auch, dass man nach der Arbeit abschalten kann. Wobei ich auch manche Sorgen mit nach Hause nehme. Wichtig ist aber im Privatleben und der Freizeit ein Ausgleich. Ich habe da zum Beispiel mein Pferd: Könnte es sprechen, dann könnte es jetzt ebenfalls sein Examen machen.
Wie hat sich das Coronavirus auf Ihre Weiterausbildung und die Arbeit ausgewirkt?
Als ich daheim war und das Wetter so schön war, war es besonders mit der Motivation zu lernen schwierig. Aber aufgrund meiner Arzthelferinnen-Ausbildung musste ich nicht so intensiv lernen, weil mir vieles schon bekannt war und ich das Wissen nur auffrischen musste.
Bei mir gab es aber keine zusätzlichen Herausforderungen wie Homeschooling und Kinderbetreuung zu organisieren. Viele meiner Kurskollegen haben kleine Kinder, und für die war das dann natürlich richtig hart. Dafür verdienen sie allerhöchsten Respekt. Für die Lehrer war es sicherlich ebenfalls herausfordernd. Unsere Lehrerin war super, wir konnten sie 24 Stunden am Tag erreichen. Ich denke, wir hatten aufgrund von Corona einen besseren Zusammenhalt in der Klasse. Wir hatten einige Kollegen aus Etzelskirchen, wo es ja Coronafälle gab. Wir waren füreinander da und haben ihnen dann auch Kleinigkeiten wie Desinfektionstücher zukommen lassen.
In der Arbeit hat sich bis auf das Tragen des Mundschutzes nicht viel verändert. Die Bewohner, die bereits dement sind, haben von Corona nichts mitbekommen. Am schlimmsten hat es wirklich unsere fitten Bewohner getroffen, die viel Besuch bekamen oder Freundschaften im Haus hatten, die sie nicht mehr so pflegen konnten.
Gibt es in Ihrer bisherigen Berufslaufbahn ein besonders schönes Erlebnis?
Oh... (
lacht), Tausende. Es gibt jeden Tag so viele schöne und lustige Momente. Sei es nun mit den Bewohnern oder mit meinen Kollegen. Wir lachen wirklich viel. Bei Bewohnern, die zum Beispiel nicht mehr reden können, ist es auch einfach mal nur ein kleines Lächeln oder ein Streicheln über die Hand.
Was würden Sie sich noch für die Zukunft verstärkt in der Pflege wünschen?
Ich bekam von meinen Kollegen im Vitanas immer eine sehr gute Praxisanleitung. Das Glück hatten wohl einige andere nicht. In unserem Kurs waren einige aus anderen Ländern und im Alter von 18 bis 58. Ich würde mir wünschen, dass sich für die praktische Einarbeitung mehr Zeit genommen wird. Man könnte alles so einfach erklären und dadurch alle in ein Boot holen. Und klar, die Bezahlung könnte besser sein, aber die ist in den meisten sozialen Berufen nicht so, wie sie sein sollte. Außerdem finde ich es schade, dass viel zu oft eher negativ über die Pflege gesprochen wird. Es ist nämlich trotz aller Herausforderungen und Belastungen ein wirklich erfüllender Beruf.