Marco Meissner

Schon am Montag in der Kreistagssitzung war klar zu erkennen: Bei dem, was da in Sachen Stromversorgung (wieder) zur Debatte steht, wird die heimische Region nicht tatenlos zusehen. "Ende Juli gab es noch Gespräche mit Tennet. Deshalb sind wir jetzt umso überraschter", sagte Landrat Klaus Löffler (CSU) in der Sitzung des Kreisgremiums. In der Bayerischen Staatsregierung hat der Landkreis Kronach einen Unterstützer gefunden, wie Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner (CSU) berichtet.


Reaktion auf Prüfbericht

Zur Situation: Die Bundesnetzagentur hat in ihrem kürzlich veröffentlichten vorläufigen Prüfbericht zum zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans 2030 alle vom Stromnetzbetreiber Tennet für neue 380-kV-Wechselstromleitungen vorgeschlagenen Trassen mit der Bezeichnung "P 44" als annähernd gleichwertig dargestellt. Somit stehen auch die Varianten, die durch die Landkreise Kronach und Lichtenfels führen würden, erneut zur Diskussion.
Die Landkreise Lichtenfels, Kulmbach, Bamberg, Kronach, Hof und Forchheim haben sich Anfang September bereits geschlossen in einer Resolution gegen den Bau weiterer Stromtrassen durch die Region ausgesprochen, heißt es in der Stellungnahme des Abgeordneten.
Die Bayerische Staatsregierung hat klar zu den im zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans enthaltenen Trassenvorschlägen P44 und allen Varianten Stellung bezogen. "Wir lehnen den Trassenvorschlag P44 sowie alle Varianten ab. Wir haben erhebliche Zweifel am Bedarf für eine weitere Verbindung", erklärte der zuständige Staatssekretär des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Franz Josef Pschierer, im Gespräch mit Jürgen Baumgärtner (CSU).
Die Ablehnung der P44-Varianten wird in der Resolution der heimischen Landkreise mit netztechnischen, wirtschaftlichen und umweltfachlichen Gründen gerechtfertigt. Weiterhin erklären die Landkreise in der Resolution: "Wir stehen weiter zur Energiewende, aber unsere Region trägt mit dem Ostbayernring, der Frankenleitung und der 380-kV-Leitung von Remptendorf nach Redwitz bereits einen erheblichen Teil zum Gelingen des Netzausbaus von Nord nach Süd bei. Wir werden nicht hinnehmen, dass - entgegen der fachlichen Bewertung - eine deutlich längere Trasse aus rein politischen Gründen die Landkreise Lichtenfels, Kulmbach, Bamberg, Kronach, Hof und Forchheim durchschneiden soll."


Baumgärtner: Bedarf nie belegt

Unterstützt wird die Erklärung der Landkreise auch von Jürgen Baumgärtner selbst. Er betont: "Ich lehne die Trassenvorschläge für die P 44 und alle Varianten ebenfalls ab. Ein Bedarf für diese Trassen wurde nie belegt. Weiterhin sind alle Varianten in ihrer Ausgestaltung weder netztechnisch noch wirtschaftlich die besten Lösungen und würden in hohem Maße die Schutzgüter Mensch und Umwelt belasten."
Als Schutzgüter werden vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz fünf Säulen in Paragraf 2 des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung genannt.
Diese sind: 1. Menschen, insbesondere die menschliche Gesundheit; 2. Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt; 3. Fläche, Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft; 4. kulturelles Erbe und sonstige Sachgüter; 5. die Wechselwirkungen zwischen den genannten Schutzgütern. Als Vorhaben im Sinne dieses Gesetzes zählen unter anderem die Errichtung und der Betrieb einer technischen Anlage wie auch in die Natur und Landschaft eingreifende Maßnahmen.
CSU-Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach freut sich über die klare Ansage aus München. "Ich unterstütze sie, denn unsere Region hat mit der Thüringer Strombrücke ihren Beitrag geleistet. Er ist ersichtlich." Seiner Ansicht nach geht es nicht, dass sich andere Regionen aus der Verantwortung stehlen und bei Coburg oder Kronach heißt es, die haben schon eine Leitung, da können sie doch noch eine nehmen.


Wahl macht Aufgabe nicht leichter

Michelbach will mit seinen CSU-Kollegen alle Register ziehen, um eine Stromtrasse in der heimischen Region zu verhindern. Allerdings stellt er sich angesichts des Wahlergebnisses auf einen harten Kampf ein, denn die Entscheidung wird seiner Einschätzung nach erst von der neuen Regierung getroffen werden. Und da werden die bayerischen Interessen nicht so stark vertreten sein, wie noch in der ablaufenden Wahlperiode. "Doch letzten Ende müssen wir versuchen, uns durchzusetzen", betont der Bundestagsabgeordnete. Aber nicht nur die Politiker wollen aktiv gegen die neuen Überlegungen zur Stromtrasse vorgehen.
Sie zählen auch auf die Unterstützung der Bürger. Wer sein Nein zu einer Trasse durch den Landkreis Kronach untermauern will, kann dies auf der Seite www.netzausbau.de im Internet tun.