In dem Gebäude des einstigen Hotels "Krone" am Marktplatz ist heute die Tourist-Information untergebracht. Die Stadt hat Großes mit dem Haus mit der Nummer 10 vor: Nach aufwendigem Um- und Anbau samt Anbindung des Stadtschlosses soll dort eine neue Stadtbücherei Platz finden. Ein Architektenwettbewerb hat bereits stattgefunden. Mit Kosten von sechs Millionen Euro wird gerechnet. Aufgeschlossenheit gegenüber modernen Medien wird bereits in der heutigen Bibliothek großgeschrieben. Blickt man in die Geschichte des künftigen Standorts zurück, scheint sich ein Kreis zu schließen. Dort, unter dem Dach des Hotels, wurde bereits in den 1950er-Jahren der technische Fortschritt gepriesen, als nämlich die Neueröffnung der Kronen-Lichtspiele nach umfassender Modernisierung bevorstand. Fast 40 Jahre lang gab es das Kino zu diesem Zeitpunkt schon. Ein Artikel in der Tageszeitung erläuterte am 13. Januar 1953 ausführlich die geplante Ausstattung mit "moderner Heiß- und Frischluftzuführung bzw. Absaugung" sowie "neuzeitlichsten Tonfilmmaschinen" für rund 350 Besucher. In den 1950er-Jahren boomte das Kinogeschäft. In der Kreisstadt gab es noch ein zweites Kino, die Neue Filmbühne, die - mittlerweile in einem kleineren Nachfolgerbau - bis heute Bestand hat. Wenn also Anfang der 60er am Marktplatz die deutsch-italienische Komödie "Freddy und der Millionär" beworben wurde, kann man davon ausgehen, dass die prominenten Hauptdarsteller Freddy Quinn und Heinz Erhardt für einen vollen Saal sorgten. Acht weitere Kinos gab es Aufzeichnungen zufolge damals im heutigen Kreisgebiet. Genannt seien die "Lichtburg" und "Gloria"-Lichtspiele in Burgkunstadt, die Michelauer Lichtspiele, das Filmtheater "Mainlust" (Schney), zwei in Staffelstein (Goethestraße und auf dem Brütting-Gelände, wo heute das E-Center steht) außerdem eines in Marktzeuln. Zudem wurden oftmals auch Turn- und Stadthallen oder Wirtshaussäle für Filmvorführungen genutzt. Manche der Kinos hielten bis in die 1970er-Jahre durch, doch das große Kinosterben, das in den 60ern mit dem Aufkommen des Fernsehens einherging, war nicht aufzuhalten. Filme auch zu Hause auf dem Sofa anschauen zu können, später dank Videorekorder auch noch sendezeitunabhängig, war für die breite Masse ein erstrebenswertes Novum.

Das TV-Gerät konnte vielen dennoch das Kino-Erlebnis nicht ersetzen. Bayern ältestes Kino ist übrigens das Thalia in Augsburg. Es besteht seit 120 Jahren. Nur ein Hauptstadt-Kino ist noch älter. Auch die Neue Filmbühne in Lichtenfels ist eine Institution mit treuem Publikum geblieben. Dies wurde auch während des Corona-bedingten Lockdowns deutlich, als Tickets für Geistervorstellungen erworben werden konnten. Ein bisschen Popcorn-Nostalgie darf es immer noch sein, aber mit den technischen Neuerungen wurde Schritt gehalten. Die Filme kommen längst digital auf die Leinwand.