Fragen zu den Fruchtkörpern

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Mehrere Steinpilze wachsen eng nebeneinander. Die diesjährige Pilzsaison war für viele Sammler eine sehr gute. Symboldbild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/
Mehrere Steinpilze wachsen eng nebeneinander. Die diesjährige Pilzsaison war für viele Sammler eine sehr gute.  Symboldbild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/

Derzeit sprießen die Pilze im Landkreis sprichwörtlich aus dem Boden. Die Redaktion hat sieben Punkte recherchiert, worauf beim Sammeln der Hutträger geachtet werden soll.

Johannes Schlereth Pilzsammeln liegt im Trend. Das zeigt sich derzeit an den zahlreichen Autos am Waldrand. Bei der Suche in der Natur kommen möglicherweise einige Fragen auf. 1. Was ist eigentlich der Hauptbestandteil eines Pilzes? Der Pilz setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Der Großteil ist für das Auge unsichtbar, weil es sich unter der Erde befindet. Das Wurzelgeflecht nennt sich Myzel und kann leicht einen Baum in der Größe übertreffen. Was sichtbar ist, ist der Fruchtkörper. Viele Pilzarten gehen mit Bäumen eine Symbiose ein. Die Bäume bekommen über den Wurzelkontakt mit den Pilzen Nährstoffe und Wasser, während die Pilze von den Photosynthese-Produkten profitieren. Die Folgen dieses Zusammenlebens sind beispielsweise eine bessere Resistenz gegen Trockenheit und Schädlinge. 2. Welche Sammel-Tipps gibt es für Neulinge? Ohne Kenntnis Pilze zu sammeln, kann ein böses Ende nehmen. In Pilzkursen und -Seminaren vermitteln Kenner das Wissen an Neulinge. Angeboten werden sie beispielsweise im Haus der Schwarzen Berge von der Naturschule Diez. Die Termine für das kommende Jahr stehen bereits fest. Außerdem gibt es zahlreiche Pilzkundebücher. "Es ist wichtig, dabei auf neue Publikationen zu setzen", sagt Ingo Queck, der stellvertretende Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Bad Kissingen.

Das zeigt sich an Pilzen wie dem Kahlen Krempling. Einst führte die Literatur den Pilz als genießbar. Allerdings enthält er Allergene, die nach mehrmaligem Genuss das Paxillus-Syndrom hervorrufen. Dabei handelt es sich um eine Immunreaktion, die bis zum Tode führen kann. Queck hält es deshalb für sinnvoll, auf Pilzkurse und Fachliteratur zu setzen. "Die Bücher zeigen oftmals nur den ausgewachsenen Pilz - die jungen Stadien finden sich selten." Gerade im jungen Stadium würden sich manche Gift- und Speisepilze ähneln. "Außerdem ist es wichtig zu wissen, wie ein Pilz riecht, Bücher allein können das nicht bieten." Ein weiterer Grundsatz: "Nur das Sammeln, was sich zweifelsfrei identifizieren lässt." Im Zweifelsfall helfen Pilzsachverständige bei der genauen Bestimmung. 3.Welche Böden brauchen Pilze? Laut Fabian Menzel, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Rhön-Saale, führen verschiedene Böden zu Unterschieden, was das Pilzwachstum angeht. "Das zeigt sich beispielsweise in Bereichen, in den Buntsandstein vorkommt." Dort wachsen andere Pilze als beispielsweise auf lehmigen Böden. Wichtig sind außerdem das Klima, das Wetter und die Höhenlage. 4.Welche Pilzarten gibt es in der Rhön? Der Landkreis - und allgemeine die Rhön sind pilzreich. "Es gibt sogar Veröffentlichungen aus der Forschung zur Pilzwelt der Rhön", sagt Queck. Die fungide Vielfalt bestätigt auch Menzel, der in seiner Funktion häufig im Wald unterwegs ist: "Es gibt Steinpilze, Maronen, Hexenröhrlinge, die Krause Glucke, den Parasol, Wiesenchampignons - und noch viel mehr." 5.Wie soll ein Pilz richtig geerntet werden? Die Gretchenfrage bei der Pilzernte befasst sich mit der richtigen Ernteweise. Mancher Sammler befürwortet das Abschneiden mit einem Pilzmesser, während andere auf ein vorsichtiges Herausdrehen setzen. Queck favorisiert das Herausdrehen. "Dabei verletzt man das empfindliche unterirdische Geflecht weniger", erklärt er. Damit ist es für ihn allerdings noch nicht getan. "Dabei handelt es sich letztlich um eine Wunde - deshalb gebe ich immer noch etwas Streu auf den Ort, wo ich den Fruchtkörper herausgedreht habe." 6.Wie viele Pilze dürfen mit nach Hause? Immer wieder kursieren Meldungen von Pilzsammlern in den Medien, die zu viel gesammelt haben. "Pilze dürfen in geringen Mengen für den eigenen Bedarf gesammelt werden", sagt Melanie Hofmann, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises. Geregelt ist das in der Bundesartenschutzverordnung. Hinter dem Begriff der "geringen Menge für den eigenen Bedarf" verbirgt sich nur so viel, wie in einer Mahlzeit verspeist werden kann. "Es geht nicht darum, sich den Gefrierschrank zu füllen", sagt Hofmann. "Eine Genehmigung zum Sammeln braucht man nicht." Diese ist erst notwendig, wenn die Pilze verkauft werden sollen, oder der Pilzsammler auf der Suche nach Trüffeln ist. Wichtig ist allerdings noch ein anderer Punkt: "Man sollte sich fragen, ob man wirklich jeden Pilz mit nach Hause nehmen muss", sagt Queck. Denn: "Pilze verbreiten sich über die Sporen im Fruchtkörper." 7.Was ist mit der Radioaktivität der Pilze? Der Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 wirkt noch heute nach. Das dabei freigesetzte radioaktive Isotop Cäsium-137 baut sich nur äußerst langsam ab. In Pilzen reichert sich die Radioaktivität an. Durch ihr weit verzweigtes Wurzelnetz, nehmen sie viele Stoffe aus der Umwelt auf. Aber: "Bei uns sind die Pilze eher weniger strahlenbelastet", sagt Queck. Problematischer sei die Lage dagegen im südbayerischen Raum. Die verstrahlten Pilze haben sogar Auswirkungen auf das Wild in den Regionen. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz werden noch heute vereinzelt Werte gemessen, die den Grenzwert für die Vermarktung des Wildbrets um mehr als das Zehnfache überschreiten.