„ Forchheim kann sich glücklich schätzen und stolz sein auf die Musikerinnen und Musiker des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen (kurz MVFB). Was für eine begeisternde Leistungsschau heute in der Konzerthalle Bamberg !“ Kulturbürgermeisterin Annette Prechtel war voll des Lobes über das, was sie und jeweils etwa 300 Gäste in zwei Konzerten an einem einzigen Tag aufgezeigt bekommen haben.

Trotz äußert aufwendiger Vorbereitungen überwog die Sehnsucht der insgesamt circa 250 Musiker aus sechs Orchestern , endlich wieder vor Publikum auftreten zu können. Die strengen Hygieneregeln in der Konzerthalle, die lange gültigen Abstandsregeln bei Präsenzproben sowie die Kürze der Zeit nach den Sommerferien ließ die Realisierung des Konzertprojekts zu einem Tanz auf dem Drahtseil werden.

Umso gelöster dann das Geschehen auf der großen Bühne des riesigen Joseph-Keilberth-Saales in der „Sinfonie an der Regnitz“ in Bamberg. Ob vor allem die Jüngsten aus den beiden Bläserklassen unter der Leitung von Lisa Schlund und Johanna Trautner darüber nachgedacht hatten, dass sie ihre noch einfachen, aber sauber intonierten Vortragsstücke in einem der renommiertesten Konzerthäuser Deutschlands spielten? Jedenfalls wurde ihr Auftritt genauso stürmisch bejubelt wie der des Juniororchesters, das die nächste Stufe im Ausbildungskonzept der „Next Generation“ im MVFB darstellt. Dort, wo die knapp 50 Mädchen und Jungs zwischen zehn und 13 Jahren schon ein merkliches Stück selbstbewusster und gereifter an ihren Instrumenten agieren, steht die junge Medizinstudentin Anna Gimpel am Pult und gibt klare Anweisungen und Einsätze. Muss auch so sein, denn schließlich haben sich die Musikschüler allesamt mit dem Juniorabzeichen des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB) aus ihren Bläserklassen verabschiedet.

Aus der 2017 ins Leben gerufenen Erwachsenen-Bläserklasse ist inzwischen das Blasorchester „Klangfusion“ geworden, besetzt sowohl mit Ehemaligen aus früheren Jahrzehnten als auch mit Neueinsteigern, die ihren musizierenden Sprösslingen nacheifern. Sie werden angeleitet von der jungen Musiklehrerin Elisabeth Kircheis, die selbst ein Kind des Musikvereins und als Oboistin auch Mitglied der Bläserphilharmonie ist.

Abgerundet wurde das nachmittägliche Konzert durch die souveränen Vorträge des Jugendblasorchesters unter dem Dirigat des MVFB-Fachvorstands für das Ausbildungswesen, Andreas Bauer . Dass dieses ebenfalls knapp 50-köpfige Ensemble die Vorstufe zum Übertritt in die Bläserphilharmonie bildet, konnte man am ausgereiften Orchesterklang, an klarer Intonation und am selbstbewussten Gesamteindruck deutlich feststellen. Die Musiker haben allesamt mindestens die ersten Leistungsprüfungen des NBMB absolviert und teils an nationalen Orchesterwettbewerben erfolgreich teilgenommen.

Zum Mount Everest hinauf

Am Abend präsentierte sich im ersten Konzertteil die Bläserphilharmonie Forchheim mit ihrem renommierten Dirgenten Mathias Wehr. Das 60-köpfige Ensemble eröffnete mit einer Beschreibung der epischen Schönheit und überwältigenden Macht des höchsten Berges der Welt, des Mount Everest. Bedrohliche Bassmelodien, mitreißende Holzbläser-Passagen und treibende Rhythmen bestimmen diese Komposition.

Überhaupt war bei der Programmauswahl die Sehnsucht nach einem „Raus aus den Fesseln der Pandemie“ deutlich erkennbar, so auch in der Komposition „Revived“ des Niederländers Christiaan Janssen. Er schuf ein Werk, dass sich während der Lockdowns auch in verschiedenen kleineren Besetzungen, wie zum Beispiel einem Klarinettenchor, aufführen ließ. Eine Wohltat, es von der Bläserphilharmonie in seiner ganzen Besetzungsbreite erleben zu dürfen!

Aus der Feder von Hans Zimmer , berühmter Filmkomponist , stammt der Soundtrack zum Kino-Welterfolg „The Rock“. Die dargebotene Interpretation sorgte für sechs Minuten absolutes Gänsehaut-Feeling.

Armando Anthony gelang mit „Spain“ ein Jazzrock-Klassiker. Hier konnte sich die Bläserphilharmonie von ihrer swingenden Seite präsentieren und die sechs Percussionisten boten von Triangel bis Marimbaphon alles an Schlagwerk auf, was in einen 7,5-Tonnen-Transporter passt.

Nicht zuletzt um den Reichtum an Stilrichtungen der Blasmusik aufzuzeigen, blieb der zweite Teil des Abendkonzertes der traditionellen Buckenhofener Blasmusik vorbehalten. Im Geist des legendären Ernst Mosch brannten Dirigent Markus Schirner und seine 20 Musiker ein 70-minütiges Feuerwerk an böhmisch-mährischer Musik ab. red