Auch der Erdaushub kann Überraschungen mit sich bringen. Das Bohrgut, das auf verschiedenen beschrifteten Haufen gelagert wird, unterteilt in „Mutterboden“, „Bohrauswurf“ und „Abtragungen“, muss hinsichtlich seiner Qualität überprüft werden. Die Entsorgung von Boden der Bodenklasse „Z2²“ (fließende Bodenart) kostet mehr als 1000 Euro pro Kubikmeter Material. „Bis jetzt ist glücklicherweise noch kein belasteter Boden aufgetaucht“, sagt der Oberpfälzer Gerhard Reisinger. In der Vor-Corona-Zeit waren für den Bau rund 28 Millionen Euro veranschlagt. Preissteigerungen wie bei Treibstoff oder bei Metall mit bis zu 35 Prozent Mehrkosten müssen nun eingepreist werden. 2021 gab es Lieferengpässe bei Isoliermaterial und Dämmstoffen. Aktuell sind Glas und Stahl Mangelware. Daher sei mit einer Kostensteigerung von zehn bis 20 Prozent ist zu rechnen. Konkrete Aussagen zu den Mehrausgaben könnten noch nicht getroffen werden, denn es seien noch nicht alle Aufträge vergeben und die Fördermittel würden erhöht.
Enge Terminabstimmung nötig
„Wenn eine Überschreitung der geplanten Kosten nicht vermieden werden kann, ist es unser oberstes Ziel, diese möglichst gering zu halten“, fügt der Geschäftsführer des Klinikums, Sven Oelkers, an. Eine besondere Herausforderung sei das Bauen im Bestand, erklärt der 58-jährige Oberbauleiter Reisinger: Wenn ein Teil fertig ist, wird umgezogen, und dann kann der nächste Teil begonnen werden. „Da sind wir auf ganz enge Terminabstimmung mit dem Haus angewiesen.“
Hitze in der Notaufnahme
So ist die Notaufnahme trotz Umbaus im Betrieb. Die Fenster mussten geschützt werden, aber konnten nicht herausgenommen werden, weil es sonst in den Räumen zu finster ist. Es stellte sich heraus, dass durch die Fensterabdeckungen die Luftzirkulation beeinträchtigt ist: „Die Leute kriegen keine Luft mehr. Also haben wir in die Platten Löcher gebohrt, damit die Fenster geöffnet werden können. Wir haben eine Interimslösung zur Entlüftung eingebaut, damit es nicht so warm wird.“
Gelegentlich müsse der Bauleiter aber klarmachen: „Das ist immer noch eine Baustelle !“ Einmal pro Woche findet eine Bausitzung zum Bauablauf statt und alle 14 Tage eine Web-Konferenz mit Projektsteuerer und Ingenieurbüros. Wenn Rettungswege kurzfristig geändert werden müssen – weil zum Beispiel ein Autokran in der Feuerwehrzufahrt aufgestellt werden muss –, wird die Feuerwehr informiert mit Lage-, Logistik- und Zeitplan, damit die Feuerwehr weiß, von welcher Seite das Gebäude angefahren werden muss.
Beim größten, 60 Meter hohen Baukran musste sichergestellt werden, dass er nicht über den Hubschrauberlandeplatz schwenkt und dass ein Hubschrauber sich nicht in der Abspannsicherung verfängt. Deshalb werden die Abspannseile nachts mit LED-Leuchtkabeln illuminiert. Gleichzeitig mit der Bauplanung wird kalkuliert, wie die medizintechnischen Geräte platziert werden und welche technischen Voraussetzungen dafür notwendig sind wie zum Beispiel Ultraschallgeräte für die Herzkatheterlabore.
Sechs Bauteile
Heuer sollen die Bauteile 1 bis 3 fristgerecht fertig werden. Für die Bauteile 4, 5 und 6 wird im Moment gegraben. Beim Umbau des Bauteils 6 wird die Intensivstation komplett umgestaltet. Der Bereich Intensivüberwachungspflege (Intermediate Care) kommt hinzu und die Gebäudetechnik wird auf den neuesten Stand gebracht. Zum Beispiel werden Decken- und Wandheizungen installiert, staubarme Wandbeschichtungen aufgebracht.
Unmittelbar stehen in den nächsten Wochen weitere Erd- und Bauarbeiten an. Nach Abschluss der Gründungsarbeiten folgen die Rohbauarbeiten, Fassaden- und Dachkonstruktionen sowie die Ausbauarbeiten. red