Weit verbreitet besonders in Franken waren die Bruderschaften „Todesangst Christi “, von denen die „Nürnberger Gemeinde“ eine der bekanntesten war. Nach dem Pastoralblatt der Erzdiözese Bamberg gab es im Bereich des Bistums Bamberg Todesangst-Christi-Bruderschaften in Bamberg, Nürnberg, Frensdorf, Neunkirchen am Brand, Virnsberg, Mainroth und Obertrubach. In Gößweinstein, Burgebrach und Bug gab es einst auch eine Bruderschaft zur Heiligsten Dreifaltigkeit. An der Stelle, an der heute die Nürnberger Kapelle steht, erblickten die Nürnberger Wallfahrer auf dem alten Wallfahrtsweg von Etzdorf herkommend erstmals die Basilika Gößweinstein und versammelten sich an dieser Stelle kniend zum Gebet.
Vorher stand an gleicher Stelle eine offenbar riesige Säule, wenn der damalige Künstler des Stichs nicht übertrieben hat, erläutert Schäffner. Diese Säule zeigte die Heilige Dreifaltigkeit aus Gottvater, Gottsohn und Heiliger Geist und wurde „Heilige Dreifaltigkeitssäule“ genannt – ebenfalls gestiftet von der Nürnberger Bruderschaft „Todesangst Christi “ und eingeweiht – wie das Foto des Stichs zeigt – am 9. Juni 1851.
Diese gewaltige Dreifaltigkeitssäule, offenbar höher als die Weiße Marter bei Köttweinsdorf, die heute der größte religiöse Dreifaltigkeitsbildstock ist, stand aber nur 20 Jahre. Man vermutet, dass sie dann umkippte und zerbrach. Es wurde jedoch nicht überliefert, was damals genau geschehen ist.
Angenommen wird jedoch, dass die Reste der Dreifaltigkeitssäule im Aufschüttmaterial des Plateaus enthalten sind, auf dem heute die Nürnberger Kapelle steht. Vielleicht wurden aber sogar Steine der Säule für den Bau der Nürnberger Kapelle verwendet.
Geschändete Heiligenfiguren
Auch zu den geschändeten und teilweise zerstörten Heiligenfiguren äußert sich Schäffner. Vom Stil her stammen diese Figuren aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dürften von Anfang an seit 1872 in der Nürnberger Kapelle gestanden haben, also seit genau 150 Jahren, weshalb diese Figuren sicherlich einen hohen ideellen Wert haben.