Die Pflegeeinrichtungen im Landkreis sind vollausgelastet. Seniorenbeauftragte Romy Eberlein stellte dem Kreisausschuss für Kultur und Soziales die Fortschreibung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts vor. Es geht dabei im Wesentlichen um die Prognosen, was auf der Basis der heutigen Nutzung in welchem Umfang bis 2039 gebraucht wird.

Speziell ging sie auf den Antrag der SPD vom September 2020 ein, der einen Lückenschluss bei den Kurzzeitpflegeplätzen fordert. Damals war davon die Rede, der Landkreis zahle den Heimen 100 Euro pro Tag, damit sie Kurzzeitpflegeplätze freihalten, wie das eigentlich der Bund in Aussicht gestellt hatte.

Ausgangspunkt ist dabei, dass bis 2039 die Zahl der über 75-Jährigen um 57 Prozent steigen wird. Damit hat der Landkreis den höchsten Zuwachs in ganz Oberfranken . Auch die Differenz zwischen 15- bis 17-Jährigen und Personen am Eintritt in das Rentenalter wird das nächste Jahrzehnt größer werden.

830 Menschen in Pflegeheimen

Die Zahl der Pflegebedürftigen , die zu Hause leben und allenfalls eine Tageseinrichtung besuchen, wird um 40 Prozent ansteigen. Bei der Tagespflegenutzung liegt Forchheim bayernweit auf Rang drei, nur in Würzbug und Bamberg liegt die Quote noch höher.

In den Pflegeheimen sank seit 2015 der Anteil der Nutzer. Das hat nach Eberlein mit den Verbesserungen im teilstationären und ambulanten Bereich zu tun. Zudem schlossen das Katharinenspital in Forchheim und das BRK-Heim in Behringersmühle. Derzeit werden im Landkreis 830 Personen in Pflegeheimen betreut. „Das bedeutet Vollauslastung.“ Der Bedarf werde aber bis 2039 auf fast 1300 steigen.

Es gäbe zwar leerstehende Zimmer, aber das Personal fehlt. Das wirkt sich auch auf Kurzzeit-Pflegeangebote aus, erläuterte sie. 57 Plätze, besonders auch im kreiseigenen Heim in Ebermannstadt, gibt es derzeit: Schon 2019 lag der tatsächliche Bedarf bei 109 Plätzen. Die vorhandenen sind eingestreut in den Stationen der Einrichtungen.

Bankrotterklärung

Deshalb rechnet Eberlein immer damit, dass eine Anfrage für Dauerunterbringung bevorzugt wird, ist doch der bürokratische Aufwand bei vier Wochen oder weniger genauso hoch. Ändern könnte sich etwas, wenn die Förderung durch die Länder freigeschaltet wird. Das wurde bislang jedoch verschoben, weil der Pflegerettungsschirm (wegen Corona) Vorrang hatte. „Eine Bankrotterklärung“, urteilte Gerlinde Kraus ( SPD ). Auch weil der Kreis keine Handhabe hab gegenzusteuern, wie Eberlein ergänzte. Sie wie Kraus sehen den Personalmangel als das Grundproblem. Eberlein setzt auf Weiterbildung ungelernter Kräfte. Günstiger Wohnraum könnte ein Anreiz sein, nach der Ausbildung an einer der drei Möglichkeiten im Kreis hier zu bleiben, stellte Bettina Wittmann (Grüne) in den Raum.

„Jetzt müssen die Träger ins Boot“, wünscht sich Landrat Hermann Ulm ( CSU ). Man müsse schnell in einen Dialog treten, auch mit den Kassen, eine Art Pflegeforum bilden, meinte Eduard Nöth ( CSU ).

Der Sozialhaushalt des Kreises ist geprägt von den Ansprüchen auf Sozialleistungen . Hier ist kein Spielraum für Kürzungen.

Der Fehlbetrag, sprich: Kosten, die nicht vom Staat erstattet werden, beläuft sich 2022 auf 5,2 Millionen Euro. Das ist eine Steigerung von 21 Prozent gegenüber 2021 oder eine Erhöhung der Kreisumlage um 0,75 Prozentpunkte, erläuterte dazu Kämmerin Carmen Stumpf .

Im kulturellen Bereich gibt es keine Sprünge nach oben, auch wenn die VHS deutlich weniger Einnahmen generieren kann. Die Tourismuszentrale kann sogar auf Rücklagen aus den Vorjahren zurückgreifen.