„Wir wollen endlich wieder ins Gespräch kommen“ – so die Überschrift zum Auftakt der Bürgerversammlungen in Eggolsheim . Nach einem Jahr ohne richtige Bürgerversammlung – lediglich im März dieses Jahres führte die Verwaltung eine online durchgeführte Bürgerinformation durch – konnten sich jetzt Bürger die Informationen aus Verwaltung und Marktgemeinderat anhören und Fragen stellen.

Bürgermeister Claus Schwarzmann zog eine Bilanz über die Entwicklung der Marktgemeinde in den vergangenen zwei Jahren und nannte mit den Protesten gegen die Windkraft und die Gewerbeansiedlung der Logistikfirma Geis zwei große Themen, die trotz der Ablehnung durch die Bürger durchaus kontrovers diskutiert werden müssten.

Das finanziell Machbare müsse priorisiert werden, fasste Schwarzmann das Ergebnis der Klausurtagung der Marktgemeinderäte zusammen, und stellte das Budget und den Zeitplan der kommenden Maßnahmen vor. Bis 2025 verfügt die Gemeinde demnach über 17,6 Millionen Euro für Investitionen, dazu kommen noch rund 10 Millionen Fördermittel. Damit bliebe die Nettoneuverschuldung Eggolsheims bei vier Millionen Euro . Schwarzmann: „Unser Haushalt steht unter neuen Vorzeichen: Es gibt weniger Einnahmen und die staatliche Förderung wird potenziell ebenfalls zurückgehen.“

Altes Rathaus muss warten

Zu den Vorhaben, die durchgeführt werden sollen, zählt neben der Sanierung des Sportzentrums (2,4 Millionen Euro ) auch der Neubau der fünfgruppigen Kindertagesstätte mit Heizwerk (3,3 Millionen Euro ), die Kanalsanierung Schwedengraben/ Rosenau (1,4 Millionen Euro ) und der Neubau der Bundeskegelbahn (200 00 Euro). Die Sanierung des Alten Rathauses müsse dagegen noch warten.

Aktuell leben in Eggolsheim 6805 Einwohner, und bis zum 1. November wurden bereits 52 Kinder geboren. „Beide Zahlen steigen momentan, das ist für die Planung von Kindertagesstätten und Schulen wichtig“, so der Bürgermeister .

In Kürze geht das Biomasseheizkraftwerk der Kommune wieder in Betrieb, die Bioerdgasanlage hat einen neuen Eigentümer. Der Status der Tank- und Rastanlage ist weiter offen, konstatierte Schwarzmann. Dafür läuft der Ausbau der Deutschen Bahn : „Die werden in zwei Jahren durch sein.“ Amazon bleibt langfristig und plant daher eine neue Zufahrt und mehr Parkplätze, so dass die Situation am Standort verbessert wird.

Dass Zukunftsfragen strittige Themen sein können, konnten Marktgemeinderat und Bürger in den vergangenen Monaten erleben. „Grundsätzlich entscheidet der Marktgemeinderat als gewähltes Gremium“, konstatierte Schwarzmann. Trotzdem sei ein Bürger- oder Ratsentscheid eine Möglichkeit, Mitsprache zu generieren. Allerdings müssten dann fundierte Informationen und gründliche Abwägung der Tatsachen gegeben sein. Dies sah er weder bei der Windkraft noch bei der möglichen Ansiedlung des Logistikers Geis: „Hier waren die Themen bereits vor jeder Kommunikation abgeräumt.“

Weniger Jobs, weniger Geld

Auf dem fraglichen Gelände wird sich jetzt eine Spedition ansiedeln, allerdings ohne den von Geis andernfalls geschaffenen sicheren Kreisverkehr zur Verkehrsberuhigung und ohne die bis zu 100 möglichen Arbeitsplätze . In der Konsequenz fehlen der Marktgemeinde damit einmalig 300 000 Euro und jährlich 100 000 Euro an Steuereinnahmen , so der Bürgermeister .

Die von den Bürgern aus Götzendorf und Tiefenstürmig abgelehnte Windkraft werde in Buttenheim und Litzendorf trotzdem ausgebaut – ohne Wertschöpfung vor Ort. „ Eggolsheim fehlen damit 200 000 Euro jährlich“, rechnete Schwarzmann vor.

Auch die gewerbliche Entwicklung im Regnitztal ist eine Frage, die beantwortet werden müsse, stellte der Bürgermeister fest. Während sich die Nachbargemeinden weiter entwickeln, fehlen in Eggolsheim vier Millionen Euro einmalig für den Verkauf der entsprechenden Grundstücke, dazu die Steuereinnahmen von geschätzt einer Million Euro jährlich, Arbeitsplätze und Zukunftschancen. „Wir haben eine Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen“, so Schwarzmann.