Unterrodach — Der Floßholzhandel zieht sich wie ein "roter Faden" durch die dörfliche Entwicklung von Unterrodach. So lag 1831 der Beschäftigtenanteil im Holzgewerbe bei 87,8 Prozent. 1866 waren es 80 und 1901 noch 71 Prozent. Von den 1200 Einwohnern zahlten lediglich 207 Steuern. Davon waren wiederum nur 23 Steuerzahler vollwertige Mitglieder der Gemeinde. Daran ist ein starkes soziales Gefälle ersichtlich.
Und das sind die Fakten: In diesen Zeiten geriet ein Floßknecht schnell in Not, vor allem dann, wenn er krank oder durch einen Unfall aus dem Arbeitsleben gerissen wurde. Eine Arbeitslosenversicherung wurde erst im 20. Jahrhundert eingeführt. Eine minimale soziale Absicherung war Gebot der Stunde. Am 14. Januar 1864 wurde deshalb ein "Flößer-Verein" gegründet, der auch den Zweck hatte, hilfsbedürftige Mitglieder zu unterstützen. Ferner war es ein Zusammenschluss von Personen, die dem Flößerstand angehörten und sich zuem die "gesellige Unterhaltung" vornahmen.
Erster Vorsitzender war J. A. Wich-Schwarz. 1872 zählte der Verein bereits 186 Mitglieder. Diese Zahl blieb bis zum Jahre 1880 relativ konstant. 1890 zählte der Verein noch 132 Flößer, die sich bis 1935 auf 57 minderten. Aus diesen Zahlen ergibt sich ein Hinweis darauf, dass die Flößerei im 20. Jahrhundert an Bedeutung verloren hat. Das Gesamtvermögen betrug 1887 an die 3200 Mark. Die Unterstützung der zahlreichen Hilfsbedürftigen pendelte von 1870 bis 1916 zwischen fünf und 20 Mark je Fall.


Aktivitäten ruhten

Bei der Generalversammlung am 22. Februar 1948 wurde beschlossen, den Floßverein nicht aufzulösen. Nur die Aktivitäten sollten ruhen. Auf Initiative von Bürgermeister Siegfried Haderlein wurde der Verein 1981 wieder aktiviert. Den Vorsitz übernahm Dieter Murmann, der einer alten Flößerfamilie entstammt.
1989 - der Floßverein Unterrodach wurde 125 Jahre alt - setzte sich der Vorstand zusammen aus Vorsitzendem Dieter Murmann, Stellvertreter Friedrich Kestel, Kassierer Hans-Heinrich Seidel, Schriftführer Friedrich Fricke, Beisitzer Georg Wich-Paulusklein, Willi Kestel, Karl Bär, Siegfried Haderlein, Herbert Kleylein, Emil Hümmrich-Welt. Ständiger Berater des Vereins war Gerhard Wich-Heiter unter anderem in seiner Eigenschaft als Kreisheimatpfleger. Darüber hinaus hat er sich von 1992 bis 2004 als stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Flößerei-Vereinigung sowie von 2003 bis 2006 als Vizepräsident der Internationalen Flößerei-Vereinigung mit eingebracht. 1995 erhielt Gerhard Wich-Heiter die Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken für seine Verdienste um die Flößerei.
Unter der Leitung von Dieter Murmann - er war 26 Jahre Vorsitzender - nahm der Floßverein eine stetige Aufwärtsentwicklung. Er übernahm schwerpunktmäßig die Betreuung des Flößermuseums in Unterrodach und konnte bis zum heutigen Tag weit über 100 000 Besucher durch die Ausstellung führen. Ein jährlicher Höhepunkt ist die Flößerkirchweih mit zünftigen Floßfahrten ab Angerwehr.
Der Floßverein Unterrodach hat sich auch an den spektakulären Floßfahrten auf Main, Rhein und Neckar mit beteiligt. Dieter Murmann wurde 2006 mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für seine Verdienste im Ehrenamt ausgezeichnet.
Am 6. Januar 2007 übernahm Gerhard Wich-Heiter den Vorsitz (bis zum 6. Januar 2011). Sein Nachfolger wurde Friedrich Fricke, der vor allem das in Vergessenheit geratene Wiedendrehen wieder eingeführt hat.


Flößerdorf seit 2010

Höhepunkt der Vereinsgeschichte war der Festakt am 23. Mai 2010 im Saal des Gasthauses Seidel. Der Präsident der internationalen Flößervereinigung, Angel Portet aus Spanien, sowie Hans-Walter Keweloh aus Bremerhaven, verliehen Unterrodach das Prädikat europäisches "Flößerdorf". In seiner Ansprache würdigte der spanische Präsident die markanten Floßherrenhäuser, die europäischen Seltenheitswert besäßen.Ein weiterer Meilenstein war der 12. September 2004. Den "Tag des offenen Denkmals" eröffnete Staatsminister Dr. Thomas Goppel bayernweit diesmal in Unterrodach. An diesem Tag durfte sich der renommierte Wissenschaftler Dr. Thomas Gunzelmann, der sich unermüdlich für die Flößereihistorie einsetzt, über den Ansteckanker der Unterrodacher Flößer freuen.