Durch die Corona-Krise und die Umstellung auf Online-Unterricht wurden die Schulen im Frühjahr plötzlich vor vollkommen neue Arbeitsbedingungen gestellt. Dabei waren verschiedene Probleme zu lösen. Schnell stellte sich heraus, dass die weitverbreiteten Smartphones für eine erfolgreiche Lernumgebung nicht geeignet sind. Weiterhin gab es in Geschwisterhaushalten "Konfliktsituationen", wenn sie gleichzeitig am Online-Unterricht teilnehmen sollten. Gelegentlich fehlte auch ein breitbandiger Internetanschluss im Haus.

Die Schulen - wie Unternehmen auch - konnten auf die Pandemie nicht vorbereitet sein. Extrem hoher Arbeitseinsatz aller Pädagogen und große Flexibilität waren gefordert. Dazu mussten die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, da innerhalb kürzester Zeit das schulinterne wie das bayerische Netz plötzlich ungeahnte Datenmengen bewältigen musste.

Das bayerische Kultusministerium erhielt auch vom Bund sowie vom bayerischen Finanzminister für die Anschaffung von Laptops oder Tablets und den Ausbau der Schulnetze mehrere Hundert Millionen Euro für Investitionen in die Hardware und Betreuung. Rektor Michael Ulbrich von der Ritter-von-Spix-Mittelschule Höchstadt zeigt sich auch sehr zufrieden mit der Computerversorgung. Die Schule sei gut ausgestattet, da man schon vor der Corona-Pandemie intensiv die Digitalisierung vorangetrieben hatte. Man habe sich aktuell für IPads der Firma Apple entschieden. Schüler, die nachweislich kein pädagogisch sinnvolles Gerät zu Hause haben, können die Geräte wie ein Schulbuch entleihen. 78 IPads sind vorhanden.

Die Betreuung der kompletten Computerhardware ist Aufgabe des Systembetreuers, der dafür zwei Anrechnungsstunden erhält, was aber laut Ulbrich nicht ausreichend ist. Es gebe in der Spix-Schule ein rund zehn Personen umfassendes Lehrerteam, das computeraffin und äußerst hilfreich bei der Integration der Digitalisierung sei.

Schüler helfen bei Problemen

Am Gymnasium hat man sich für das Microsoft-Betriebssystem entschieden, da es softwareseitig mehr Möglichkeiten bietet. Die vom Landkreis, dem Sachaufwandsträger, beschafften Tablets (aktuell 68, es folgen 20 weitere) decken den erwarteten Bedarf ab. Die Rechner sind großzügig mit der gängigen Software für den Schulalltag ausgestattet, verfügen über eine steckbare Tastatur und ermöglichen auch das Zeichnen bzw. Schreiben mit einem Stift. Drei Jahre Service war Bestandteil der Ausschreibung. Auch hier ist neben einem Lehrer-Team eine Schülergruppe (HITS - Höchstadter IT Support) sehr aktiv, die bei Problemen hilft. Im Lehrerzimmer hängt sogar ein spezieller Sprechstundenplan aus. Während der angegebenen Zeiten stehen kollegiale Experten zur Verfügung. Eine Spezialität sind die "FoBi-Snacks" (Fortbildung-Snacks). Das sind kurze Workshops, bei denen man eine Einführung in nützliche Software erhält. Diese schulinternen Fortbildungsaktionen sind für das Gelingen der "digitalen Revolution" ganz entscheidend, so Tobias Sesselmann, der Systembetreuer.

In der Grundschule Süd sieht die neue Schulleiterin Silke Schmitt die anstehende Digitalisierung sehr positiv. Sie bekommt mit den Tablets, die vom Sachaufwandsträger Stadt Höchstadt bestellt werden, viele neue Möglichkeiten, um die Kreativität der jungen Schüler zu fördern. So will sie die Schüler kleine Bücher am Computer schreiben oder kurze Hörspiele entwickeln lassen.

Sie lobt die speziellen Online-Weiterbildungsangebote durch die zentrale Lehrerfortbildungsstelle in Dillingen für das Lehrerkollegium. Im Moment werden für die Höchstadter Grundschulen leistungsfähige WLAN-Systeme geplant und der Bedarf an Tablets etc. mit der Kulmbacher Spezialfirma 3-Plan definiert.

In allen Schulen wartet man noch auf die von Kultusminister Piazolo versprochenen Lehrer- Laptops. Er hat im Oktober angekündigt, dass 100 000 Laptops für bayerische Lehrkräfte angeschafft werden sollen.