Nurn —  Keine guten Erinnerungen dürften die noch wenigen älteren Bürger von Nurn an den Jahreswechsel vor 65 Jahren haben. In der Silvesternacht 1954/55 brach nämlich in der seinerzeit inmitten des Ortes stehenden Kirche ein Feuer aus. Die Folge war, dass die Orgel und der Beichtstuhl vollkommen vernichtet wurden und das gesamte Gotteshaus vom Rauch geschwärzt war.

Allerdings hatte dieser Brand auch sein Positives: Er war nämlich der letzte Anstoß, einen schon lange zuvor gefassten Plan zum Bau einer neuen Kirche zu verwirklichen. Im Jahre 1938 war eigentlich alles schon bereit gewesen, doch da verhinderte der beginnende Zweite Weltkrieg den Bau.

Neubau schnell verwirklicht

Recht schnell ging es mit der Realisierung nach dem Feuerausbruch. Bereits am 6. Januar 1955 stand in einer Bürgerversammlung als einziges Thema der "Neubau einer Kirche" auf dem Programm. Im Anschluss erfolgte kurzfristig die Erstellung von Plänen und die Vergabe von Aufträgen, sodass bereits am 19. Mai 1955 die Grundsteinlegung und am 20. August das Richtfest der heutigen St.-Michaels-Kirche auf den Höhen der Frankenwaldgemeinde erfolgte. Die Einweihung war im darauf folgenden Jahr am 22. Juli. Die Kosten des Kirchenbaus hatten sich mit 181 610 Mark niedergeschlagen.

Zurück zu den Anfängen des Neubaus: Ende Januar 1955 kam die Zusage, dass eine amerikasche Hilfsorganisation zum Bau von Gotteshäusern 60 000 Mark zur Verfügung stellen würde. Der Kronacher Architekt Porzel hatte schon die Pläne ausgearbeitet und die Forstarbeiter fällten das gespendete Holz von Steinwiesen und Zeyern.

Im Februar, bei grimmiger Kälte, Eis und Schnee, schafften die Dorfbewohner im nahe liegenden Steinbruch, um die nötigen Steine für den Baugrund zu brechen. Ende März wurde mit den Grundausgrabungen begonnen.

Die Wallenfelser Baufirma Bartl Querfurth erhielt die Maurerarbeiten und die örtliche Bauschreinerei Daum-Deuerling die Zimmererarbeiten zugesprochen. Der Urkunde zur Grundsteinlegung ist zu entnehmen, dass viele Helfer "unserer armen Gemeinde", eine amerikanische Hilfsorganisation sowie die Nachbargemeinden, in christlicher Liebe halfen, die Kirche entstehen zu lassen.

Was wäre eine Kirche ohne Glockengeläut? So ging am 6. Mai 1956 die Weihe von drei Glocken über die Bühne. Benannt wurden sie nach Sankt Michael ("beschütze unsere Gemeinde"), Sankt Gabriel ("künde uns frohe Botschaft") und Sankt Raphael ("geleite unsere Jugend"). Die Kosten hatten sich auf knapp 13 000 Mark belaufen. Vier Tage später fand der erste Gottesdienst im neuen Gebetshaus statt. Noch eine vierte Glocke (Marienglocke) wurde im November 1962 angeschafft.

Ein Blick in die Kirchengeschichte des Steinwiesener Gemeindeteils zeigt, dass im Jahre 1688 die "Nührner" an den Fürsten und Herrn zu Bamberg die Bitte richteten, während des Jahres "drey Hely. Messen alles an der Kirchwey, Patrocinium und St. Michaelserscheinung lesen lassen zu dürfen". Jedoch wollte Steinwiesen die Erlaubnis nicht geben, sondern "unverantwortlich mit bedrohlichen Worten die Kirchenthür zuspehren und vermauern lassen". 1744 durften die Nurner fortan die Messe ungehindert lesen lassen, jedoch unter der Bedingung, dass sämtliche Opfergelder der Mutterkirche Steinwiesen zuflossen. 1923 wurde Nurn, die Filiale von Steinwiesen, Kuratie.

Denkmalpflege kam zu spät

Im Jahre 1654 hatten die Nurner, die Rede war von ungefähr 30 Häusern, eine kleine Kapelle erbaut. 1751 wurde dieses Bethaus vergrößert und zu einer sogenannten Dorfkirche umgebaut. Diese tat schließlich bis zur eingangs erwähnten Silvesternacht 1954/55 ihre Dienste.

Heute erinnert ein Gedenkstein auf dem einstigen Standort in der Ortsmitte an die im Juni 1957 dem Erdboden gleichgemachte und vom Brand gezeichnete Kirche. Allerdings war der Abriss seitens der Denkmalpflege abgelehnt worden. Doch die entsprechende Nachricht traf wohl zu spät ein, denn zu diesem Zeitpunkt hatten die Nurner bereits gehandelt und mit den Abrissarbeiten an dem Kirchenbau begonnen.