Im restlichen Deutschland gelten Franken als eigenbrötlerisch und wortkarg, mitunter als kauzig. Zumindest aber halten sie dabei oft an Traditionen fest und leben nach angestammten Ritualen. So auch Werner Schramm, Stammgast eines Forchheimer Bier-Tempels, der dort als "Werner, der Brotzeiter" bekannt ist. Denn wenn der Brotzeiter seine Brotzeit auspackt, braucht er vor allem zwei Dinge: Zeit und Platz.
Zeit, weil er sich die oft sehr üppig mitgebrachten Speisen in Genießergeschwindigkeit einverleibt, und Platz am Tisch, weil das Aufgetischte meist locker mal für eine Kleinfamilie reichen würde. Aber er braucht zudem dreidimensionalen Platz - also nicht nur Länge und Breite - sondern auch Höhe. Denn um das Brotzeit-Ritual richtig zu zelebrieren, steht sein Stammhumpen auf einem Sockel aus vielen gestapelten Bierfilzen. Und dafür hat der Brotzeiter, der an Heiligabend seinen 80. Geburtstag feierte - natürlich mit einer Brotzeit - eine pfiffige Erklärung parat: "Ich möchte mein Bier auf Augenhöhe genießen."